Bottom of the line: das Einstiegsmodell Yamaha 2330

Yamaha ist schon lange ein sogenannter Premium-Hersteller und liefert ohne Probleme eine Vielzahl an Trompeten jenseits der 2.000 Euro-Grenze. Über die wirklich günstigen Instrumente redet aber kaum jemand. Der TrumpetScout hat sich deshalb in die Niederungen der Preisliste begeben und nach dem Einstiegsmodell gesucht. Voilà, hier ist sie: die YTR 2330.

TrumpetScout_Yamaha YTR 2330 (1)
Eine Augenweide ist sie nicht, die Yamaha 2330, aber sie tut ihren Dienst.

Einstiegsmodell, Anfängerinstrument, Schülertrompete – was heißt das eigentlich? Im Grunde nichts außer: Das Ding darf nicht so teuer sein. Denn wenn jemand für Tochter oder Sohn ein neues Instrument zu Beginn der musikalischen Laufbahn anschaffen möchte, muss es kein Rolly Royce unter den Hörnern her, schließlich vermag niemand sagen, wie lange die Liaison hält. Wer sich mit Trompeten auskennt, weiß aber, dass man sehr wohl bei der Herstellung einsparen kann ohne zugleich bei wichtigen Spieleigenschaften wie Stimmung und Ansprache Abstriche machen zu müssen. Der TrumpetScout zeigt anhand der (zumindest bei Yamaha) preislich ganz unten angesiedelten YTR 2330, was ein Anfängerhorn alles (nicht) haben muss, aber trotzdem können soll – und wo vielleicht die Grenzen liegen.

Die Yamaha 2330 ist ein Sparmeister. Aber ist das schlecht?

Yamaha bewertet die Gewichtsklasse seines Bottom-of-the-line-Instruments mit Medium. Eine Einstufung als Leichtgewicht würde man den Japanern durchaus auch abkaufen, so „nackt“ liegt sie da: Keine besonders wulstige Mundstückaufnahme mit Yamaha-Schriftzug wie von den höherklassigen Modellen bekannt, einfach gearbeitete Wasserklappen, keine besonderen Ventildeckel oben oder unten, keine Neusilberaußenzüge, keine Stützarmada zwischen den Rohren der Ventilzüge und – beinahe typisches Merkmal der Günstigen – keine Stütze beim Stimmzug, obwohl dieser auf konventionelle Art gebaut ist. Eine der beiden Vorgängerinnen, aus deren Schnittmenge das vorliegende Horn hervorging, die YTR 2335, hatte die große Strebe noch. Die ebenfalls eingestellte YTR 1335 verzichtete ebenfalls darauf.

Keine Stütze im Stimmzug, dafür aber einen verstellbaren Fingerring bei Zug Nummer 3: die Insignien des kleinen Preises.
Keine Stütze im Stimmzug, dafür aber einen verstellbaren Fingerring bei Zug Nummer 3: die Insignien des kleinen Preises.

Hinzu gesellt sich ein Plus, das unverständlicherweise von den meisten als Minus gesehen wird: der verstellbare Fingerring auf dem dritten Ventilzug. Kaum eine „Profitrompete“ hat das, dafür fast jedes Low-Cost-Instrument. Warum eigentlich? Nicht nur Schüler haben Hände in verschiedenen Größen, auch Erwachsene. Jon Faddis hat bei seinem Spezial-Modell von Schilke gar auf diese Zusatzausstattung bestanden – und seine Trompete spielt wohl niemand außer ihm. Sei es, wie es will: Diese Yamaha wirkt wie aus dem Regal zusammengestellt, an dem sich viele Hersteller bedienen, die Trompeten im unteren dreistelligen Preissegment produzieren. Individuell ist daran eigentlich nichts.

Die konkrete Ausstattung der YTR 2330: robust, aber funktionell

Das Mundrohr des Horns ist aus korrosionsbeständigem Goldmessing gefertigt. Wohl, weil Kinder und Jugendliche, die noch nicht dem Trompetenwahn verfallen sind, ihr Instrument oft noch schlechter behandeln als ihre Hosen oder Haut. Große Putzfaulpelze gibt es aber natürlich auch, und die freuen sich ebenso über ein Mundrohr, dass für Zinkfraß überhaupt keine Schwäche zeigt. Die Monelventile laufen hervorragend (egal ob Groß oder Klein, Anfänger oder Technikzauberer – hängende Pumpen frustrieren jeden), die ML-Bohrung (11,65 mm) ist das Maß der Unauffälligkeit und eben auch Größtserien-Standard. Das Gelbmessing-Schallstück endet bei einem Durchmesser von 123 mm und ist zweigeteilt. Auch das senkt die Kosten. Eingepackt ist die Trompete in einem Gigbag, dass zweckmäßig ist, da das intendierte Publikum eher mit dem Fahrrad zu Musikschule muss, als mit dem Flieger auf Welttournee. Obendrein ist ein Holzkoffer mancher Hersteller so teuer wie hier das ganze Instrument.

Gute Ansprache, mäßiges Slotting

Der TrumpetScout hat die YTR 2330 im direkten Vergleich mit dem anderen Ende der Fahnenstange, nämlich der 9335CHS getestet. Das erste Anblasen erzeugte mehr Zuneigung für den Underdog, der sich offener anfühlte. Die „Kleine“ hatte den richtigen Widerstand, nicht zu eng, spielte sich aber auch nicht zu frei. Dies vermochte durch das geringe Gewicht bedingt sein, das auf der anderen Seite aber auch für einen eher blechernen Ton sorgte: schnell grell, wenn man mit Kraft an die Sache ging, aber auch angenehm luftig bei moderater oder zurückhaltender Gangart. Die Stimmung war gut, vielleicht sogar besser in Verbindung mit den verwendeten Mundstücken als bei der Chicago-Trompete, die zur Verfügung stand. Die Wichtigkeit dieser Eigenschaft kann nicht ausreichend genug betont werden: Ein reifer Spieler vermag vielleicht mit Intonationsschwächen seines Instruments umzugehen, ein Anfänger nicht. Es ist daher besonders wichtig, dass das Instrument hier keinen zusätzlichen Stolperstein neben der allgemeinen Mühe mit der Tonerzeugung darstellt.

Deutlich schwächer schnitt die „Schülertrompete“ aber beim Thema Slotting ab. Gerade klassische Literatur mit Bindungen nach oben und unten und schnellen Passagen waren damit deutlich schwerer als mit der gewichtsmäßig vergleichbaren, aber eben besonders ausgetüftelten Spitzentrompete zu bewältigen – das dürfte man auch im Testvideo hören. Ganz allgemein ist die ganze brauchbare Range von kleinem Fis bis G3 gleichmäßig gut verfügbar. Mit tiefem Mundstück klingt die Trompete sogar zuweilen zart wie ein Kornett. Wer den Klang leicht variieren möchte, greift eventuell zur versilberten Ausgabe, der YTR 2330S. Sie sieht natürlich gleich auch viel wertiger aus und kostet nur 80 Euro mehr.



Zu guter Letzt muss die gebotene solide Leistung in Bezug gesetzt werden zum Preis. Der bewegt sich augenblicklich gar unterhalb von 450 Euro. Das ist absolut nicht viel für ein Musikinstrument und in Bezug zur Leistung wirklich wenig. Die bekannte japanische Großserienqualität dürfte Ausreißer unwahrscheinlich machen und bei guter Pflege ist ein langes Leben sicher nicht ausgeschlossen. Hinzu dürfte ein geringer Wertverlust kommen, selbst wenn die Trompete schon rein optisch „billig“ schreit. Es ist einfach bald eine nicht allzu tiefe Sohle erreicht ist, unter der es nicht mehr weitergeht. So viel Geld wie bei einem Spitzenmodell kann man schlechterdings nicht verlieren – denn das hat man gar nicht erst ausgegeben.

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Naked functionality and low price.
Your new girl friend? Sicher, wenn du nicht viel für ein neues Horn ausgeben willt! 8/10
Preis? 450 Euro. Da kann man getrost zugreifen!
Dauerbeziehung? Eher nicht. Aber auch gut vererbbar!

Das Testinstrument wurde TrumpetScout freundlicherweise zur Verfügung gestellt von FMB Fachmarkt Blasinstrumente GmbH aus Gütersloh.