ERRATUM: Wie laut eine Trompete wirklich ist!

Mea maxima culpa! In einem Artikel im Juni letzten Jahres hat sich der TrumpetScout dem Einfluss von Mundstück und Trompete auf die Gesamtlautstärke des Instruments gewidmet. Leider ist ihm dabei ein grober Fehler unterlaufen – um genau zu sein: ein Messfehler. Deshalb hier eine ganz wesentliche Korrektur.

Wie laut ist das Instrument wirklich?

Wie bestimmen Mundstück und Trompete die Lautstärke und Projektion des Tones? Das hat den TrumpetScout schon immer interessiert. Für diesen Artikel zum Thema wurde deshalb ordentlich recherchiert, ein valider Testrahmen geschaffen und natürlich auch bis zur Erschöpfung so laut wie möglich gespielt. Einzig das Testwerkzeug, genauer: das Messgerät war nicht adäquat. Dieser Fehler konnte jetzt gut gemacht werden.

Neue Messung mit geeichtem Messgerät

Ein Leser des ersten Artikels hatte es per Facebook bemängelt: Das Smartphone als Messgerät ist für Schalldrücke, wie sie bei der Trompete entstehen, ungeeignet. Beim TrumpetScout kamen daraufhin Zweifel ob der Verlässlichkeit der Daten auf. Jetzt fiel ihm ein professionelles Messgerät in die Hände und die Testreihe konnte wiederholt werden, wenn auch mit leicht veränderten Variablen.

Dieses Mal passt das Equipment.

Anderer Raum, andere Trompeten – gleiche Mundstücke, gleicher Abstand

Der TrumpetScout hat eigentlich nie dieselben Trompeten zur Verfügung wie ein Jahr früher. Für die Neuauflage der Messung standen bereit: eine 70 Jahre alte Conn 12B (das Hauptinstrument der letzten 9 Monate) und eine neue Conn 1BSP. Verglichen wurde also auch wieder Vintage mit modernem Trompetenbau. (Doch dazu mehr in einem der nächsten Artikel.) Die drei Mundstücke waren dieselben wie bei der letzten Messung: das Flügelhornmundstück für Trompete von JK, das 11B4 von Yamaha und das 60ES69 von Bob Reeves. Mit anderen Worten: tief gegen normal gegen ultraflach.

Im Bild nicht nur eine Vintage-Tapete, sondern auch ein eine Vintage-Trompete. Die Conn 12B ist zehn Jahre älter als das Haus Baujahr 1960.

Geändert hat sich – das Corona-Virus ließ nichts anderes zu – die Räumlichkeit. Statt eines Proberaumes fand die Messung im heimischen Wohnzimmer statt, was andere Reflektionen und damit wahrscheinlich auch andere absolute Messergebnisse bedingt. Immerhin konnte der gleiche Abstand auch zuhause umgesetzt werden. Knapp sechs Meter lagen zwischen Mikrofon und Schallbecher.

Insgesamt höhere Lautstärke und größere Differenzen

Gleich die erste Messung machte sofort eines klar: Die 89 Dezibel, die zuletzt das Maximum darstellten, waren kein Höchstwert für das Musikinstrument (und Spieler), sondern nur für das Messinstrument.

 

 

Bereits der ‚leiseste lauteste Ton‘ schlug mit über 110 Dezibel zu Buche. Der lauteste unter den Lauten jagte die Anzeige sogar bis auf über 124 dB.

Tendenzen, die sich interessanterweise schon durch die fehlerhafte erste Messung andeuteten, wurden nun durch die neue akkurate offensichtlich: In der tiefsten Lage funktioniert das tiefe, V-förmige Flügelhornmundstück am besten. Tendenziell lässt sich attestieren: Je tiefer (möglicherweise auch größer), desto lauter. Am Top-End das Gleiche mit anderen Vorzeichen: Je flacher (und möglicherweise auch kleiner) das Mundstück, desto lauter ist es in der Höhe. Hier waren die Unterschiede sogar krasser mit maximal 15 dB Unterschied. Die bedeuten eine Welt, wenn man bedenkt, dass mit +10 dB eine gefühlte Verdoppelung der Lautstärke (also der Lautheit) einhergeht.

 

 

Weitere Erkenntnisse

Das kleine g klang mit Flügelhornmundstück wie das Nebelhorn der Titanic. Massiv, laut und bassig. Doch bereits beim C1 war dieser Vorteil schon nicht mehr existent. Nominell war hier das Lead-Mundstück in Verbindung mit der deutlich neueren Conn die lauteste Wahl. Das ‚leiseste‘ Mundstück, das 11B4, verdient seinen Titel hier aber nicht zurecht. Die wenigen Zehntel Rückstand kann man getrost auf den Spieler schieben. Der Allrounder von Yamaha spielt seine Stärken dann aber mit zunehmender Höhe aus. Zwischen G1 und G2, also dort, wo eine B-Trompete zumeist gefragt ist, zeigt das Mundstück in Verbindung mit der modernen Trompete deutlich Präsenz. Erst in der obersten Lage zieht das Bob Reeves wieder vorbei.

It’s a hard life.

Interessant ist auch, wie die Mundstücke mit den beiden Trompeten interagieren. In Kombination mit der alten, engeren und auch enger gebohrten 12B liegt das Bob Reeves (abgesehen vom tiefsten Ton) fast durchgängig vorn. Beim C3 aber steuert das tiefste Mundstück den maximalen (grün) und das flache Mundstück den minimalen Wert (orange) bei. Ein Ausreißer? Ein Messfehler? Vielleicht hat auf dem C3 das Velvet mit der alten Conn einfach perfekt harmoniert. Es könnte aber – wie prinzipiell immer – auch am Testspieler gelegen haben. Der insgesamt sechste Ton zeugte eventuell einfach noch von mehr Frische.

Fein säuberlich wurde die Ergebnisse schallgeschützt im Nebenzimmer notiert.

Passend dazu ein wichtiges Wort zum Prozedere: Die Testtabelle wurde nicht von oben links durch jede Zeile nach rechts unten befüllt, sondern mit jedem Mundstück eine ganze Tonreihe gemessen und zur zweiten Trompete gewechselt (nach Spalten: 1-4-2-5-3-6). So sollten Irritationen durch die unterschiedlichen Mundstücke so gering wie möglich und das Ermüdungslevel zwischen den Instrumenten gleich gehalten werden.

 

 

Da sich die farbig unterlegten Felder überwiegend auf der rechten Seite befinden, also auf der der deutlich moderneren Trompete, zeigen eine Ambivalenz: Mit dem Flügelhornkessel ist die Conn 1BSP merklich leiser als ihre Oma. Aber mit den ‚echten‘ Trompetenmundstücken war sie im Test deutlich lauter. Das zeigen auch die Durchschnittswerte:

 

 

Überdies kann die moderne Trompete subjektiv noch einmal lauter oder durchdringender wahrgenommen werden, da sie ein anderes Frequenzspektrum generiert. Doch auch darauf wird in einem der nächsten Artikel gesondert eingegangen.

Das Schlusswort

Wer den ersten (im Grunde ’nur‘ in Bezug auf die Datenbasis falschen) Artikel, nicht gelesen haben sollte und sich für das Thema interessiert, sollte ihn sich trotzdem zu Gemüte führen. Hier werden nämlich akustische Grundlagen, insbesondere die Empfindung von Lautstärke und der Frequenzbereich der Trompete, erläutert.

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Darüber hinaus und auch abgesehen von der bereits vorhandenen Erkenntnis, dass ein kleineres und flacheres Mundstück (stets nur in Relation zu den Größen, die zur eigenen Physiognomie passen!) eine höhere Dezibelzahl in der Höhe erzeugen kann und ein größeres sowie tieferes lauter in der untersten Lage ist, sollte diese Testreihe jedem eines deutlich machen: Die Trompete kann irrsinnig laut sein. Deshalb trug der TrumpetScout während der Testreihen Kopfhörer und setzt in den eigenen vier Wänden mit enormer Reflektion immer öfter auf einen Gehörschutz.  Das sei allen anderen Trompeterinnen und Trompetern unbedingt auch geraten, denn dieser Beitrag wird wie immer von niemandem gesponsert – und schon gar nicht von einem Hörgerätehersteller.