Evergreen im Nickelkleid: Die Jazz-Trompete Conn Connstellation 38B

Sie ist eine Ikone des Trompetenbaus und noch immer eines der populärsten Perinet-Modelle der Profiliga, obwohl sie seit rund 40 Jahren nicht mehr gebaut wird – die Conn Connstellation 38B. Der TrumpetScout erklärt, was diese Trompete so einzigartig macht und warum es immer noch so viele davon gibt.

Die echte Connstellation, Modellbezeichnung 38B – über 1.200 Gramm musikinstrumentaler Unzerstörbarkeit.

Im Bericht über die kleine Connstellation, die Conn 36B, hat der TrumpetScout bereits einiges über den Hersteller Conn (nicht die Marke!) und die eigene Beziehung zu speziell den Connstellation-Modellen erzählt. Zur Einleitung eine Wiederholung in Kürze: C. G. Conn – so der volle Name des einstigen Herstellers – war ein US-amerikanischer Volumenproduzent von Musikinstrumenten aller Art mit besonderer Dominanz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Dennoch zeichnete sich das gigantische Sortiment – auch nach dem Zweiten Weltkrieg – durch äußert innovative Modelle aus und die Produktion durch äußerst innovative Fertigungsprozesse. Einer der erfolgreichsten Entwürfe der Instrumentenschmiede, eben die 38B-Trompete, begeisterte den ehemaligen Lehrer des TrumpetScout so sehr, dass er 50 Jahre lang auf einer solchen spielte, und das ausnahmslos. Zudem wurde den Schülern nachdrücklich ans Herz gelegt, sich auch ein solches Horn zu besorgen. Nachhaltiger Impfstoff: Der Lehrer blies darauf bis zum C5.

Die historische Bedeutung der Conn Connstellation 38B

Ähnlich gute Werbung für die Trompete – nur mit größerer Reichweite – machten schon bald nach Erscheinen im Jahre 1956 viele Weltklasse-Trompeter, die sich für eine ‚Conny‘ entschieden: Allen voran Maynard Ferguson und Cat Anderson, die wohl berühmtesten High Note-Pioniere, aber genauso sich im normalen Register bewegende Spieler wie Cootie Williams oder Chet Baker. Doch auch mehr als 60 Jahre nach Einführung erfreut sich die 38B noch ungebrochen großer Beliebtheit: Tom Harrell spielt nach wie vor auf seiner Connstellation, aber auch Trompeter außerhalb der USA setzen auf das Modell, das man ohne Zweifel als historisches wie tatsächliches Schwergewicht bezeichnen kann. Klaus Osterloh, ehemals Mitglied der WDR-Big Band, wäre da exemplarisch zu nennen, aber auch der ebenfalls in der Höhe sehr begabte Benny Brown setzte einige Zeit auf das ‚dicke Ding‘. Doch über die Speerspitze der Kunst hinaus ist die Conny im Bereich populäre Musik allerorten anzutreffen.

Der Firmennamen wurde kurzerhand in die Modellbezeichnung eingebracht. Deshalb schreibt man die Connstellation auch mit doppeltem n in der ersten Silbe.

Herausragend ist die 38B zunächst einmal wegen ihrer Bauweise. Bis zu ihrem Erscheinen gab es vornehmlich zwei Strömungen: die French Besson-Epigonen – allen voran die Trompeten von Vincent Bach – und Trompeten wie die Martin Committee (ebenfalls Mitte der 1950er Jahre wurden nach deren Vorbild die ersten Schilke-Modelle aus der Taufe gehoben). Was da das Conn Design-Labor verließ, hatte mit all dem aber nur so viel wie unbedingt nötig zu tun. Man wandelte auf völlig neuen Wegen. Das alleine macht jedoch noch kein gutes Produkt. Im Falle der Connstellation-Trompete zahlte sich der Mut zur Innovation aber definitiv aus.

Mehr als genug: bauliche Eigenheiten der Conn Connstellation 38B

Bei der Connstellation fällt es einem in der Tat schwer, die Auffälligkeiten sinnvoll zu reihen – so viele gibt es davon, Folgen wir dieses Mal der persönlichen TrumpetScout-Erfahrungshistorie: Da ‚little Scout‘ im zarten Alter von ungefähr neun Jahren bei einer 38B zum ersten Mal eine Triggermechanik am ersten Zug sah, sei dies als erste Besonderheit notiert. 36Bs gab es anscheinend auch ohne diese Hilfe, die erstgeborene 38B jedoch nie.

Auch der Trigger der Conn 38B ist massiv und bietet buchstäblich viele Stellschräubchen. Erahnen lässt sich hier aber auch, dass diese Trompete eine Herausforderung für die linke, also haltende Hand darstellt.

Dann wäre da das auffallend lange Mundrohr. Oder besser gesagt: Das Mundrohr, das weiter über den Schallbecherbogen in Richtung Spieler ragt als bei anderen Trompeten. Das hängt mit der Gesamtkonstruktion der Trompete zusammen. Deshalb hier zunächst als Vorwegnahme: Eine Connstellation ist kürzer (natürlich nicht in der Rohr-, sondern in der ‚Kofferlänge‘) als konventionelle Modelle, dafür aber höher. Dieser sogenannte ‚Wide Wrap‘ erinnert an ein Kornett und sorgt für Menschen mit großen Händen für höheren Haltekomfort (wenngleich ein hohes Gewicht und die sperrigen Zugführungen diesen ergonomischen Bonus mehr als zunichte machen). Im Lichte jener Zeit ist diese bauliche Eigenheit als echte Extravaganz anzusehen, schließlich waren gerade im frühen 20. Jahrhundert Trompeten im Vergleich zu modernen en gros enger gewunden. Manche ‚Peashooter‘ wirken heute fast, als seien sie für Kinderhände gemacht. Inwieweit vergrößerte Bogenradien auch Einfluss auf Ansprache und Klang haben (tendenziell bewegt man sich ja auf ein Flügelhorn zu), ist unklar.

Ganz alte 38er haben noch nicht den konischen Receiver, doch weit stand er schon immer hervor.

Weil die größere Bauhöhe natürlich Rohrlänge braucht, zieht sich der Schallbogen nicht so weit in Richtung Spieler zurück. Das Mundrohr und die zugehörige Mundstückaufnahme stehen deutlich heraus. Das führt beim Umstieg von einer „normalen“ Trompete auf eine Connstellation dazu, dass  man sich das Mundstück gerne einmal ungestüm auf die Lippen rammt – das Hirn ist es gewöhnt, sich auch am Schallstückbogen zu orientieren. Aber abgesehen davon wirkt eben die ganze Konstruktion verzerrrt. Wechselt man zurück, kommen einem andere Trompeten wieder merkwürdig vor.

Vielleicht hätte man die leadpipe auch weiter in Richtung Trichter versetzen können, das hätte aber 1. die Gewichtsbalance nach vorne verschoben (dort zieht ja schon der Riesenbecher nach unten) und 2. zur Folge gehabt, dass der Rückweg nach dem Stimmbogen länger und im Umkehrschluss das Mundrohr bzw. dessen Verlängerung, die den Stimmbogen aufnimmt, kürzer werden muss. Die Auswirkungen auf Ansprache und Slotting wäre dabei aber sicher spürbar und wahrscheinlich nicht positiv gewesen.

Der dunkle Glanz einer Conny

Was selbst dem Kinderauge sofort auffiel: Das ist eine silberne Trompete, aber das Silber ist so dunkel. Nun, das liegt daran, dass es gar kein Silber ist. Zwar gab es – wohl erst in Zeiten, als Conn schon öfter von Eigentümer zur Eigentümer gereicht wurde – auch lackierte 38er (der TrumpetScout selbst hatte so eine), aber in aller Regel tragen alle Connstellations ein Nickelkleid. Für Allergiker ist das nichts, diese mit der Trompete fest verbundene Schicht dürfte aber maßgeblich zum dunklen und soliden Klang der Trompete beitragen. Daneben konserviert sie aber auch den Korpus. Auch wenn es auf den Bildern so aussieht, als wäre die Nickelschicht noch einmal klarlackiert worden und dieser Lack verabschiede sich peu à peu – anscheinend war der Nickel schon immer nackt.

Der Nickelglanz in Kinderworten beschrieben: „Wie Silber mit Schwarz!“

Gehen wir an dieser Stelle gleich etwas (und auch buchstäblich) tiefer: Wer sich mit Conn-Trompeten bereits beschäftigt hat, stieß sicher schon auf den Begriff ‚COPRION‘. Gemeint ist damit die elektrolytische Herstellung des Bechers aus reinem Kupfer. Auf einer Form setzt sich das Material an, aus dem die Glocke bestehen soll – solange, bis die gewünschte Dicke erreicht ist. Es gibt dadurch keine Lötnaht, kein Treiben oder Hämmern des Blechs. Haben die Connys nun einen coprion-Becher? Manche behaupten das, andere aber wieder, es gebe einen Messing-Kern (wie der aber gefertigt wurde, ist aber auch unklar), der zunächst verkupfert wurde und anschließend vernickelt wurde (nach Conn: ‚ELECTRO-D‘). Ein 3-Schicht-Modell also. So oder so: Das Material ist massiv und rigide, die Trompete dementsprechend schwer. Beim getesteten Instrument zeigte die Waage 1.216 Gramm an. Die Erfahrung mit vielen Connys zeigt aber, dass er hier durchaus deutliche Schwankungen in beide Richtungen gab.

Unterschiede gab es wohl auch bei den Mundrohren. Manche wurden aus Kupfer gezogen, manche sind aus Messing gemacht. Das Problem der Mundrohrfäule ist dem TrumpetScout aber bislang noch nicht wirklich untergekommen (oder die Vernickelung wirkt wie ein schützendes Korsett, das Korrosion verdeckt), Schwachstellen sind – wenn überhaupt – dagegen die Züge aus lackiertem Messing. Hier kann es schon mal rote Pünktchen geben.

Die Streben – orthogonal statt vertikal

Schon immer so etwas wie ein Conn-Markenzeichen – auch vor den Connstellations – waren die senkrechten Stützen zwischen Mundrohr und Becher. Wo andere Hersteller eher diagonal ‚klammern‘, hat Conn die diretissima gewählt. Auch heute macht das bei bekannteren Herstellen nur Schagerl nach.

Der kürzeste Weg. Die Streben bei der Connstellation sind so kurz wie möglich.

Conn 38B: Die Mutter aller Monsterbecher-Trompeten

Als Bub fiel interessanterweise das weniger auf, von dem heute so viele reden, wenn es um bauliche Eigenheiten der 38er Connstellation geht: der monströse Becher. Der wird oft mit einer Kloschüssel verglichen, ist aber im Zeitalter von Monette-Trompeten und Solistenmodellen mit Trichtern im Grammophonformat keine Jumbo-Benchmark mehr. Conn gab damals einen Durchmesser von 5 1/8 Zoll an. Das entspricht 130 Millimetern. Das Testmodell maß diametral von Rand zu Rand lediglich 127 mm (5 Zoll). Das ist heute ein absolutes Standardmaß, über das z.B. der Becher einer Yamaha 8310Z auch verfügt. ‚Back in the day‘ war das aber eine Sensation, als Trichterausgänge bei 120 bis 123 mm rangierten – die vollen 130 mm erst recht.

Was verbirgt sich unterm Nickel? Wohl ein zweiteiliges Schallstück.

Unklar ist, ob manche Schallstück nun elektrolytisch ‚aus einem Guss‘ erzeugt wurden oder doch zweiteilig sind und dann aus zwei herkömmlich erzeugten Teilen bestehen oder aus einem COPRION-Stück plus Rand. Im Test-Exemplar sieht man zwischen Bechergravur und Becherrand eine leichte umlaufende Narbe, die auf das Zusammenfügen zweier Bauteile schließen lässt.

Conn 38B – die inneren Werte der Connstellation

Was sich einem erst erschließt, wenn man nachmisst und genauer hinschaut, sind gewisse Maße und Rohrverläufe, die die Connstellations 36B und 38B wohl einzigartig machen. Da wäre zunächst die Bohrung. Conn gibt 0,438 Zoll an, was 11,13 Millimetern entspricht. Das ist heute unverstellbar klein, war aber sogar in den 50ern bereits überholt. Die zuvor schon einmal erwähnten Peashooter mit dünnem, hellem Ton und extrem leichter Höhe bewegten sich in ähnlichen Maßbereichen, hatten ihre populären Zeiten damals aber schon weit hinter sich. Dennoch wurde auf diese Small Bore gesetzt.

Ausgeglichen wurde diese ‚Engstelle‘ wohl aber durch einen dieser Kniffe, der einige wenige Trompetenmodelle zu wahren Equipment-Legenden werden ließ: Dem TrumpetScout erklärte einmal ein Trompetenbauer, der bei einer Connstellation zu Reparaturzwecken den Becher auslötete, dass der Schallbechereingang einen ganzen Millimeter weiter sei als der Ausgang der Maschine. „Eigentlich nicht nach Lehrbuch!“ Aber gerade dieser Regelverstoß beschert der Small Bore-Conny das unerwartet freie Blasgefühl, das wirklich jedes Exemplar auszeichnet. Wasser auf die TrumpetScout-Mühlen: Die Bohrung alleine sagt nichts aus.

Ventilfeder im Schlafrock

Eine weitere Extravaganz bilden die Ventile. Auch die sind vernickelt und eigentlich auch nicht totzukriegen. Sie laufen nie in der ersten Ventilliga auf, aber streiken dafür auch nie und sind sehr genügsam. Obwohl Nickel extrem widerstandsfähig ist, hat der TrumpetScout jedoch schon gehört, dass, wenn Oberfläche einmal wirklich abgerieben ist, eine solche Maschine nicht mehr zu gebrauchen sei. Erlebt hat er das aber noch nie. Besonders ist übrigens auch die Federmechanik – sie ist nämlich in einer Art Hülle versteckt. Diese Konstruktion auseinanderzubauen hat der TrumpetScout sich aber leider doch nicht gewagt. Auf jeden Fall dürfte der Sichtschutz die Ventilkolben nicht leichter machen.

Vergiss die Bohrung: Die Connstellation fühlt sich frei an…

Doch nun endlich zum Spielen. Die Connstellation ist eng gebohrt, sie ist vernickelt und sie ist ehrlich gesagt… sauschwer. Eigentlich eine Kombination, die nicht viel Freiheit verspricht. Das stimmt auf der einen Seite, da eine Connstellation immer wie eine Connstellation klingt, nämlich voll und dunkel und auch mit einem gewissen Schmelz, der jedem Trompetensolo zwischen „Malaguena“ und „Sehnsuchtsmelodie“ einfach gut steht.

Auf der anderen Seite fühlt es sich nicht so an, als sage das Horn zum einem: „Du willst mich zum Schwingen bringen? Vergiss es!“ Denn trotz der genannten baulichen Faktoren ist die Ansprache gut, wenn auch nicht hervorragend und der Blaswiderstand sogar eher auf der offenen Seite (hier ist bekanntlich ein Unterschied!). Dazu kommt, dass die Trompete sich sehr ausgeglichen durch alle Register spielt und – ja, da zeigt sich, warum ein Maynard Ferguson und ein Cat Anderson auf diese Instrumente zurückgriffen – auch in der Höhe wirklich sehr gut zu bedienen ist. Auch im Grenzbereich des Instruments schnürt das Ding nicht zu, sondern scheint erst richtig zu erstrahlen – wenngleich die 36er sich da noch leichter tut. Bei der Projektion dürfte der ganz große Becher ein Nachteil sein, das hohe Gewicht aber im Allgemeinen ein Vorteil. Ein verlässlicher Vergleichstest war leider nicht möglich.

…bietet aber nicht alle Freiheiten.

Über den Klang wurde im Laufe der Hardware-Beschreibung bereits einiges verraten. Und ja, flexibel ist er nicht und so dürfte sich die Trompete eher denen empfehlen, die einen prototypischen Trompeten-Sound bevorzugen und gerne mit ‚Schmackes‘ ihr Instrument bedienen. Also Ferguson auf jeden Fall, Baker trotzdem auch noch (wenn dafür tendenziell zu klar), aber ganz feine Klinge in der Klassik eher nicht. Das Einsatzgebiet ist jedoch nicht auf Jazz begrenzt (der Titel dieses Artikels spielt auf die Historie des Instruments an). In der Blasmusik z.B. kann sich der TrumpetScout den runden, vollen Ton als genauso passend vorstellen. Es braucht einfach eine gewisse Energie, um dieses Geschoss zum Schwingen zu bringen.

Und die Stimmung? Prinzipiell kein großes Thema, aber bei Vintage-Trompeten, die sowieso eine große bauliche Serienstreuung aufweisen, sind pauschalen Aussagen schwer zu treffen. Richtiges Pech hatte der TrumpetScout bei einer 38B dahingehend aber noch nie.

Preise für eine Conn Connstellation 38B

Das 38er Modell der Connstellation war sehr populär und ist deshalb noch immer in ausreichender Zahl auf dem Gebrauchtmarkt zu finden. Das hält die Preise überschaubar. Los geht es für Exemplare in sehr schlechtem Zustand um die 500 Euro (da dem Instrument der Ruf vorauseilt unzerstörbar zu sein, wurden einige auch dementsprechend behandelt und nicht gepflegt). Zwischen 600 und 1.000 Euro erhält man ‚okaye‘ Instrumente. Das Baujahr spielt natürlich auch eine Rolle. Frühe Modelle aus den 50ern sind viel rarer als welche aus den 70ern und können deshalb in gutem Zustand auch mehr erzielen. Dennoch: Nicht alle alten spielen automatisch besser als die neueren.

Für Vintage-Tests wie diesen ist es manchmal sogar nötig, ein altes Instrument zu kaufen. Ein solcher Artikel kostet also nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Wenn du die Arbeit von TrumpetScout unterstützen willst, dann kannst du hier ganz einfach spenden: paypal.me/trumpetscout. Ab 15 Euro bekommt du sogar einen Slidestopper frei Haus zugeschickt!

Interessant für die Vorabanalyse ohne Seriennummer: Bis 1969 war C. G. Conn ein eigentümergeführtes Unternehmen. Danach wechselte die Marke nicht nur die Besitzer, sondern in der Folge auch die Produktion den Standort – und den verrät die Gravur: Bis zum Verkauf hieß es auf dem Becher noch „Elkhart, USA“ , dann fiel das „Elkhart“ weg, als man das Mekka des Instrumentenbaus in Indiana verließ. Klar ist, die Elkhart-Modelle sind begehrter.

Die Webseite Conn Loyalist sagt übrigens, dass man die Connstellation bis „mindestens 1979“ produzierte. Genau kann man das anscheinend nicht sagen. Der TrumpetScout weiß sogar von einer noch in den 90er Jahren neu gekauften 38B. Damals gehörte Conn aber bereits zum UMI-Konzern und die Instrumente wurden in Eastlake, Ohio hergestellt.

Die große Connstellation und ihre Klone: von Meinl bis Adams

Die Qualität eines Produktes findet besonders durch eines Anerkennung: Nachahmung. Den Legendenstatus der Conn 38B zementieren einige Kopien, Klone bzw. Abkömmlinge, die noch bis heute gefertigt werden. Da wäre z.B. die The New Connstellation des deutschen Instrumentenmachers und -händlers Roland Meinl. Dem Design nach zu urteilen wurde sie in den 60er und 70er Jahren gebaut. Mit Vernickelung war das Modell wohl nicht erhältlich. Wie gut dieser Anlehnung klingt bzw. wie sie sich blasen lässt und wie die baulichen Gegebenheiten sind – dazu kann der TrumpetScout nicht sagen. Allerdings findet sich das Modell öfter auf Online-Börsen zu vernünftigen Preisen zwischen 200 und 400 Euro. Da kann man durchaus auch ‚unprobiert‘ einen Kauf in Betracht ziehen.

Ebenfalls aus Deutschland stamm die Apollo 2.0 von Lange in Ravensburg. Sie wird aktuell noch produziert, ist aber keine Massenware. Deren Bohrung ist etwas größer, eine Trigger-Mechanik gibt es nicht (was man als begrüßenswerte Abweichung von der Vorlage sehen kann). Der Becher ist anscheinend aus einem Stück und statt Nickel gibt es hier von der Stange nur die üblichen Finish-Varianten. Vielleicht kann man wegen Nickel nachfragen? Der Preis liegt allerdings dann sicher jenseits der 3.000 Euro.

Der wahrscheinlich bekannteste Nachbau stammt von der kalifornischen Schmiede Kanstul: die 991 Mariachi ist angeblich eine exakte Kopie einer 38B von Snooky Young – nur eben auch versilbert. Ihr riesiger Becher lässt nachvollziehen, warum die Bezeichnung ‚Kloschüssel‘ Schule machte. So eine Wuchtbrumme hatte der TrumpetScout schon einmal. Sie spielte sich prinzipiell so, wie man sich eine Conny wünscht, war also in keinem Bereich limitiert (siehe Video). Dunkel wie das vernickelte Original klang die Mariachi jedoch auch nicht. Gebrauchtpreise dürften unter 1.000 Euro liegen.

Aktuell – da Kanstul im Augenblick nicht mehr produziert – ist der größte Hersteller einer ’neuen ConnstellationADAMS aus Holland. Die ADAMS A6 ist der Abkömmling mit der kleinsten und mit glatten 11 Millimetern der des Originals am nächsten kommenden Bohrung. Ob der Wrap so weit wie beim Vorbild ausfällt, lässt sich von den Bildern schlecht sagen – noch ist der TrumpetScout über keine gestolpert. Außerdem ist der Randumfang des Bechers mit 125 mm extrem klein. Handelt es sich also gar um eine Neuauflage der deutlich rareren Conn 36B? Mit aktuell 2.900 Euro muss man aber auch hier deutlich tiefer in die Tasche greifen, als bei einer echten, sprich alten Conny.

Finger weg übrigens von Parrot-Lookalikes! Die chinesischen Fabrikate sehen einer 38B ähnlich, aber sind beinahe unspielbar. Deshalb sind auch 50 Euro auf einer Gebrauchtbörse dafür zu viel ausgegeben.

Alte Liebe rostet nicht

Der TrumpetScout hat sich für diesen Artikel tatsächlich eine Conny aus 1970 zugelegt. Die ist mittlerweile schon wieder weg. Aber immer, wenn er auf einen Kollegen mit einer 38B trifft – und viele Trompeter, darunter auch Top-Profis, die hier schon porträtiert wurden, haben so eine in ihrem Backup-Arsenal! – schlägt ihm das Herz höher. Das liegt wahrscheinlich an der Konditionierung durch den alten Lehrer. Auch. Aber ganz sicher ist die Connstellation eine Ikone, weil sie eine tolle Trompete ist, mit der man immer noch spielen kann wie am ersten Tag. Ein echter Evergreen eben.

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