Herausforderer aus Deutschland: die B&S 3137 Challenger I - TrumpetScout

Herausforderer aus Deutschland: die B&S 3137 Challenger I

Mit dem Modell 3137 bietet der Hersteller B&S eine in Deutschland gefertigte Trompete mit amerikanischen Genen zum leistbaren Preis. Wie gut aber ist diese „Challenger 1“, die das Herausfordernde bereits im Namen trägt?

Das ist die „kleine“ Challenger, Modellbezeichnung 3137, hier in der Silbervariante.

Der TrumpetScout testete bereits eine Challenger-Trompete von B&S. Das allerdings war eine Challenger II, und die auch noch mit einem engen 25er Becher. Genaue Modellbezeichnung: 3125/2. Bei der günstigeren Schwester ist dieser Typencode eigentlich überflüssig, denn es gibt nur ein Variante, und die ist mit dem populären Schallstück der Form 37 ausgestattet. Der Vollständigkeit halber sei die Modellchiffre dennoch angeführt: 3137, ganz ohne Zusatz. Wie gesagt, Challenger I reicht aber völlig aus.

Die Unterschiede zwischen der B&S Challenger I und II liegen…

Der auffälligste Differenz zwischen der B&S 3137 und der B&S 3137/2 ist natürlich der Preis. Die Challenger I kostet lackiert augenblicklich knapp 1.200 Euro, die Challenger II knapp 1.700 Euro. Der Unterschied also: 500 Euro. Vergleicht man die versilberten Versionen miteinander, steigt der Preis bei der günstigeren Challenger um 100 Euro an, bei der teureren um circa 150 Euro. Der Abstand erhöht sich also geringfügig. Welche Mehrleistung bekommt man nun aber für die Mehrausgabe bzw. welche Abstriche muss man in Kauf nehmen, wenn man Geld sparen möchte?

…nicht bei der Herstellung,…

Die Internetrecherche führt einen gelegentlich zu Stimmen, die behaupten, die Challenger I sei in Tschechien gefertigt und deshalb günstiger. Das wäre eine schöne Erklärung, mit der sich gut leben ließe, denn warum sollten Instrumentenbauer in Tschechien schlechtere Arbeit abliefern als in Deutschland? Schließlich gibt es auch dort eine lange Tradition des Instrumentenbaus und wenn die Konzeption dieselbe ist wie bei der Challenger II, dürften kaum Zweifel an der Qualität aufkommen.

Kein Zweifel: Made in Germany.

Markneukirchen, wo B&S seine Produktionsstätten hat, liegt sehr nahe an der deutsch-tschechischen Grenze. Dass man deshalb auch Tschechen beschäftigt, ist nachvollziehbar und sicher betriebswirtschaftlich sinnvoll. Dass man ein zweites Werk jenseits der Grenze unterhält, hingegen weniger. Branchenkenner bestätigen diesen Verdacht: „Made in Germany“ ist korrekt, „Made only by Germans“ nicht. Aber das ist auch nicht wichtig.

…sondern beim Material…

Schauen wir uns nun das Instrument genauer an, um den Unterschieden beim Produkt auf die Spur zu kommen. Beide Challenger-Trompeten haben eine ML-Bohrung (11,66 mm), beide haben Neusilberaußenzüge, beide haben zwei Stützen beim Stimmzug, beider 37er Schallstück mit 125 mm Durchmesser ist aus Messing und einem Stück gefertigt. So weit also alles gleich. Zum Glück aber standen für diesen Test gleich zwei 3137er Trompeten zur Verfügung – eine im Klarlackkleid und eine versilbert (um nämlich diesen Artikel auf empirisch gesunde Füße zu stellen). Erst die lackierte Ausgabe offenbarte nämlich einen Materialunterschied, und zwar durch farblichen Kontrast: Sowohl das Mundrohr als auch der Stimmzugbogen sind bei der Challenger I aus Goldmessing (etwa rötlicher im Ton) gefertigt. Beide Teile bestehen bei der 3137/2 hingegen aus Gelbmessing.

Nur schwach zu erkennen, aber in natura ganz deutlich: Mundrohr und Stimmbogen sind aus Goldmessing.

Ist Goldmessing nun aber billiger als Messing mit geringerem Kupferanteil? Mitnichten. Vielmehr dient diese Maßnahme dem Korrosionsschutz. In der Regel spielen eher Schüler die günstigere Trompete, und die legen (en gros) weniger Wert auf eine häufige Reinigung, was dann den Zinkfraß befördert. Goldmessing ist hier weniger anfällig, bringt aber auch andere klangliche Eigenschaften mit sich.

…und bei der Ausstattung

Weiter fällt auf, dass die günstigere 3137 über ein Justiergestänge am dritten Ventilzug verfügt – ganz wie das Vorbild Stradivarius. Die „große“ Challenger hat das nicht, setzt stattdessen auf eine Stopperschraube nach Yamaha-Art. Hier dürfte demnach beim teureren Modell ein wenig Gewicht eingespart worden sein. Apropos Gewicht: Die versilberte Challenger 1 wiegt 1.121 Gramm, die lackierte knapp 1.100 Gramm. Es handelt sich also um eine mittelschwere bis schwere Trompete. Der genaue Vergleich auf der Waage mit der 3137/2 konnte nicht gezogen werden, es war leider keine zur Hand. Die bereits getestete 3125/2 (kleinerer Becher, größere Bohrung) wurde mit 1.130 Gramm gewogen, ist also kaum schwerer.

Trotz Verstellgestänge ist die 3137 nicht schwerer als die 3137/2, die ohne dieses Anbauteil auskommt.

Auch zur Ausstattung, wenn auch nicht zum Instrument selbst, gehört der Koffer. Der ist nur bei der Challenger 2 aus Holz, bei der Challenger 1 ist er auch Polyester und Schaumstoff gefertigt. Das reduziert definitiv Kosten.

Klang und Ansprache der B&S 3137

Hier muss wieder auf den Test bezüglich der verschiedenen Oberflächenbehandlungen verwiesen werden. Die lackierte  Challenger I ist eine total andere Trompete als der versilberte Zwilling. Die L-Version war in den eigenen Ohren und denen der Zuhörer lauter, aggressiver und frequenzreicher und in der Ansprache deutlich direkter als die S-Version. Es wirkte beinahe familiär: Da gibt es den rotzigen, verzogenen kleinen Bruder, der schreiend durch die Wohnung rennt und allen meistens auf die Nerven geht, und daneben den wohlerzogenen, distinguierten jungen Mann, der sich zurückhaltend gibt, aber im richtigen Moment die richtigen Töne von sich gibt.



Beide Varianten boten einen mittleren Widerstand, die lackierte Trompete fühlte sich (vielleicht auch wegen der 20 Gramm weniger) offener an. Probleme gab es bei der Testtrompete nur beim leisen Einstieg auf dem H2. Der ging interessanterweise in Kombination mit dem TrumpetScout-Lead-Mundstück immer wieder daneben – mit anderen Trompeten hat er gut funktioniert. Ansonsten liegt beiden Varianten prinzipiell jedes Register. Beide 3137er sind außerdem kernig und nicht gerade dunkel im Klang – hier schlägt die amerikanische DNA einfach durch -, die 3137-L ist aber um Welten wilder und brachialer als die 3137-S. Eine Alternative dazwischen könnte die ebenfalls lackierte 3137G sein – bei ihr ist ein Goldmessingschallstück verbaut.

Intonation und Ventile der Challenger I

Die Monelventile der Challenger I scheinen die gleichen zu sein wie die, die bei der Challenger II zum Einsatz kommen: Sie waren leise, schnell und hängerfrei. Auch bei der Intonation gab es keine Auffälligkeiten. Das E1 stimmt wie bei den meisten Trompeten mit 3 besser als mit 12, D2 und E3 gaben hingegen keinen Anlass zur Sorge.

Monelpumpen im Bach-Design mit Führung aus Kunststoff

Das richtige Einsteigerinstrument oder auch für Fortgeschrittene?

Dass eine Trompete aus Deutschland kommt, mag für viele den Wert per se steigern. Der TrumpetScout sieht das nüchtern und beurteilt nur die Güte des Instruments, ob aus Fernost oder aus der Nachbarschaft. Die stimmt hier aber auf jeden Fall, und in Relation zum Preis sogar noch viel mehr – schließlich sind 1.200 bis 1.400 Euro wirklich nicht viel. Wenn dann die Trompete aber nicht Tausende von Kilometern über die Weltmeere fährt, sondern gerade mal einen Tag unterwegs ist, freut das obendrein.

Hinzu kommt, dass die naive Bindung von Qualität an Preis sowieso nichts für Kenner ist. Das Credo „Je teurer, desto besser“ ist ein falsches. Deshalb kann sich ruhig auch ein versierterer Spieler die 3137 vom Instrumentenhändler seines Vertrauens in das Probierzimmer legen lassen. Vielleicht gibt es ja die große Überraschung und er geht mit einer viel kleineren Rechnung nach Hause. Herausforderung angenommen?

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Bach design, German crafting
Your new girl friend? Decent is not boring! 
Preis lackiert? B&S Challenger I 3137-L
Preis versilbert? B&S Challenger I 3137-S
Preis GM-Becher? B&S Challenger I 3137G
Dauerbeziehung? Bei guter Pflege sicher! All you need is care!