Hidden Champion: die Yamaha YTR 5335G (II)

Zwischen den Einsteiger- bzw. Intermediate-Modellen von Yamaha und den Profilinien der Japaner gibt es eine Serie, die viele Merkmale der teureren Instrumente aufweist, aber preislich gerade noch im dreistelligen Bereich rangiert. Das ist die relativ unbekannte YTR 5335G. Für den TrumpetScout ist sie eine wahre Entdeckung.

Die bezahlbare Unbekannte im Yamaha-Portfolio: die YTR 5335G(II).

Die vermutlich meistverkaufte Trompete mit Yamaha-Gravur ist die YTR 4335G, der Liebling der Musiklehrer. Darunter gibt es die 2er und 3er Serie (kurz gab es auch eine 1er), darüber die 6er Modelle u.a. mit dem leichten Shew-Horn (6310Z), die 8er-Trompeten (vornehmlich Xenos, die sich stark an einer Bach Stradivarius orientieren) und noch die Artist-Instrumente mit einer Neun am Anfang des vierstelligen Modellcodes. (Die Sieben dürfte einmal für versilberte Instrumente in den 70ern und 80ern reserviert gewesen sein.) Die japanische Trompetenwelt ist also zweigeteilt: Bis zur 4335 bewegt man sich (verkürzt) im Schüler-, ab der 6310Z im sogenannten Profibereich. An der Peripherie dieser beiden Welten gibt es aber ein Modell mit Vorzügen aus beiden Sphären: die YTR 5335GII. Um diese Trompete geht es in diesem Artikel.

Der Erstkontakt mit der YTR 5335G

Eine Trompete dieses Typs bekam der TrumpetScout zum ersten Mal bei einer Probe Ende letzten Jahres in die Hände. Ein Kollege spielte auf einer versilberten 5335G, Stufe 1, also ohne die römische Zwei. Sie fühlte sich gut an und hatte sowohl Kern als auch Sizzle – irgendwie so, wie eine Big Band-Trompete sein muss. Danach folgte ein Besuch beim Händler, der fast die ganze Yamaha-Range vorrätig hatte. Hängen blieb der TrumpetScout bei zwei Modellen: der schon erwähnten 6310Z und eben der 5335G. Die Erste war breiter im Klang und besser in der Ansprache, die Zweite aber sehr zentriert und rastete hervorragend. Das Preisschild verstärkte das Ansinnen, über dieses Modell zu berichten: ein knapper Tausender wird für die lackierte und circa 1.150 Euro für die versilberte Variante aufgerufen. Damit fällt die Trompete in die auf dieser Seite zuletzt verstärkt beleuchtete 1K-Kategorie.

Eine Gravur, die man relativ selten in freier Wildbahn antrifft.

Der Preis ein Hindernis: Sind 1.000 Euro zu wenig?

Dass der vermeintlich niedrige Preis kein verkaufsförderndes Argument darstellt, erklärte dem Tester der Händler, bei dem der Zweitkontakt erfolgte. „Die Leute wollen eine Trompete für 500 Euro oder eine für 2.000+. Dazwischen ist es eher schwer.“ Der TrumpetScout sieht ein gesundes Verhältnis von Preis und Leistung – da darf eine Trompete natürlich mehr als 500 Euro kosten, muss sich aber nicht zwangsläufig in einer prestigeträchtigen Preisnachbarschaft befinden.

Made in Japan – alle Serien unter der 5er werden in China gefertigt. Das dürfte die Güte unterstreichen.

Die 5335G – ein Zwitterwesen

Wer die 5335GII sieht, denkt sich zunächst: „Das ist eine 6335… oder eine 8335LA!“ In der Tat, die Modelle sehen sich auf den ersten Blick – vor allem im Silberkleid – zum Verwechseln ähnlich. Alle haben den (zumindest in Testeraugen) gleichen Mundstückreceiver, den gleichen Daumensattel, den gleichen Fingerhaken, die (okay nur fast!) gleichen Ventildeckel, den (zumindest äußerlich) gleichen Ventilstock und überhaupt die gleiche Architektur mit einem traditionellen Stimmzug und einer Stütze. Würde man die Trompeten nebeneinander sehen, wäre die LA mit ihrem größeren Becher sicher klar zu identifizieren. Solche Unterscheidungen brauchen aber mehr als einen flüchtigen Blick, genauso wie das Erkennen der andersfarbigen Blechteile bei transparenter Lackhülle.

Vieles an dieser Trompete kommt aus Yamahas Oberklasse: Fingerhaken, Daumensattel, Fingerring, Maschine etc.

 

Mit der YTR 6335, der gewissermaßen ersten Profi-B-Trompete von Yamaha, die nicht nach Schilke-Vorbild konstruiert wurde, hat die 5335G sehr viel gemein. Besser wäre eigentlich zu sagen: Die 5335GII ist eine 6335 mit anderem Schallstück. Jenes wurde nämlich aus der populären 4335G entlehnt, ist zweiteilig und aus Goldmessing, schimmert also rötlich.

Die technischen Merkmale der YTR 5335G

Den Zahlen nach gibt es hier nichts, was einer Norm widerspräche: ML-Maschinenbohrung mit 11,65 mm, ein Schallstück mit 123 mm Randdurchmesser, eben eine Stütze im Stimmzug, zwei Wasserklappen und ein absolut mittelmäßiges Gewicht von 1.052 Gramm (lackiert). Durchschnittlich wie ein Golf-Kombi. Doch es sind manchmal die weniger ins Auge stechenden Dinge, die eine Trompete besonders oder besonders gut machen.

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Two-piece bell: a TrumpetScout favourite

Der TrumpetScout spielte circa ein Jahr lang eine 6335. Die unterscheidet sich eben durch ein einteiliges Schallstück aus Messing von der 5335G. Die Trompete stimmte hervorragend, klang okay, war aber insgesamt ein wenig… emotionslos. Zugegeben, diese Zeit liegt schon ein paar Jahre zurück, doch der Eindruck hielt sich bis heute. Die Trompete hatte keine Schwächen, aber machte auch keine überbordende Freude. Ganz anders die 5335G, obwohl ein Messingbecher mit höherem Kupferanteil freudespendenden Sizzle-Frequenzen eher zuleibe rückt als sie befördert. Der Unterscheid muss also in der Machart liegen.

Wer nicht nur sporadisch TrumpetScout-Artikel liest, weiß, dass der Tester ein Faible für zweigeteilte Schallstücke hegt. Der Widerstand erscheint ein wenig höher, der Becher führt den Ton besser und dieser wirkt dadurch zentrierter und kerniger. Eine Projektionsstudie fehlt an dieser Stelle, aber im Vergleich dürfte das zweigeteilte Schallstück eher besser abschneiden.

Der Klang der Mitte

Der Becher der 5335G ist eher eng, erinnert an den einer 37er Bach. Das per se ein wenig dunklere Goldmessing ist weder papierdünn noch kaugummidick. Die Züge sind nicht mit Neusilber verstärkt, das Mittelgewicht ist ausgewogen verteilt. Das Mundrohr ist ebenfalls aus Goldmessing. Das spricht summa summarum nicht für einen Schreihals, aber eine Trompete, die doch auch schießen kann. So ist der Klang klar, wenn ein Marsch artikuliert wird, rauchig, wenn Subtones auf dem Programm stehen und auch „sizzlig“ (so das Urteil der Testhörerin), wenn es in die Höhe geht. Dort quietscht die Trompete aber nicht. Die dagegen getesteten LT302 von Holton und 19043 von Bach waren insgesamt heller und klarer, die Bach in unmittelbarer Nähe auch lauter, das Attribut ‚kompakt‘ dürfte unter den drei Trompeten aber legitim nur die Yamaha für sich beanspruchen.

Um den Ton noch weiter zu zentrieren, griff der TrumpetScout zu einer variablen Stütze und brachte diese so nah wie möglich am Stimmzug an. So wird die Trompete ’schwerer‘ ohne wirklich an Gewicht zuzulegen.

Die variable Stütze passt gut zu diesem Instrument, sofern man es richtig kernig mag.

Rätselhaft bleibt, wie eine 5335 ohne G, also mit zweiteiligem Messingbecher klingen würde. Wahrscheinlich noch lebendiger, vielleicht aber auch zu grell? Die helle Glocke der 3335 mit solchen Spezifikationen kann schon ziemlich zündeln…

Ansprache und Intonation der 5335G

In puncto Ansprache dürften sich Spieler, die sehr große und/oder sehr leichte Trompeten gewohnt sind, nicht auf Anhieb wohlfühlen. Auch hier ist die 5335G mittelmäßig, ist aber dadurch gewappnet für alle Lebenslagen. Für den TrumpetScout korrespondierte das Instrument sowohl mit einem tiefen als auch mit einem flachen Mundstück sehr gut und machte selbst in extremer Höhe bzw. Tiefe nicht dicht.

Im dritten Ventilzug gibt es nur eine Stütze – nicht untypisch für eine mittelschwere Trompete.

Die Stimmung muss eigentlich nur am Rande erwähnt werden – hier enttäuscht Yamaha nie. So auch bei diesem Modell: Keine Hilfsgriffe benötigt, keine Ringkämpfe um Tonzentren erforderlich.

5335G oder GII?

Wo der Unterschied zwischen Mark I und II liegt? Der TrumpetScout weiß es nicht. Er hat zwei versilberte ‚Einser‘ gespielt und keine Differenzen erspüren können. Sehen kann man evolutionäre Schritte, nämlich an den Ventildeckeln. Es gibt Modelle, die dort noch mehr an Schülerinstrumente erinnern.

Bei der Mundstückaufnahme unterscheiden sich 5er Yamahas oder welche aus höheren Klassen deutlich von den günstigeren Modellen.

Wer auf dem Gebrauchtmarkt bei einer alten 5er zuschlagen möchte, könnte das also getrost auch tun – wenn er denn etwas findet. Ein Renner war dieser ‚Hidden Champion‘ wohl nie, dementsprechend düster sieht es in den einschlägigen Second Hand-Börsen aus. Und wenn es einmal ein Angebot gibt, dann wird oft zu viel verlangt. Da ist der Griff zum neuen Exemplar dann doch näherliegend.

Ein unerwartetes Fazit

Der TrumpetScout hat bei Yamaha angefragt, ob die 5335GII wegen ihrer Ausgewogenheit als Referenzinstrument im Haus bleiben dürfe. Nun wohnt sie schon fast fünf Monate im hiesigen Trompetenzimmer. Damit können künftige Testtrompeten besser eingeschätzt werden – egal ob deutlich günstigere oder deutlich teurere. Diese Yamaha ist so etwas wie eine goldlackierte Mitte.

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? understatement, low price, high performance
Your new girl friend? Wenn man nicht auffallen möchte 
Preis? 1.000 Euro
Dauerbeziehung? Wenn man auf innere Werte steht

 

 

  4 comments for “Hidden Champion: die Yamaha YTR 5335G (II)

  1. Hans Kolbeck
    6. April 2018 at 8:19

    Toller Artikel,

    wie würdest Du Sie im direkten vergleich zur Kühnl und Hoyer sehen?

    Gruß Hans

  2. Hans Kolbeck
    6. April 2018 at 8:22

    Nachtrag: zur Topline

    • TrumpetScout
      6. April 2018 at 22:00

      Hallo Hans!

      Diese Frage ist sehr gut, leider kann ich sie nicht gewissenhaft beantworten, da ich die Trompeten nie zum selben Zeitpunkt hatte. Ich glaube, dass der Widerstand ähnlich war, wie überhaupt die Trompeten sich nicht grundlegend voneinander unterscheiden. Aber wie gesagt, es fehlt mir der direkte Vergleich.

  3. Peter Bader
    15. April 2018 at 10:19

    Super Testbericht
    Hab schon öfter ne 5335 in ebay KA gesehen. Der verlangte Preis für schon ältere Instrumente war leider immer so dass man sich gleich ne Neue holen könnte..

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