Monette für vernünftiges Geld? Die Heavyweight-Trompete Adams A4

Der Amerikaner David Monette hat mit dem Design seiner Trompeten einen ganz eigenen Weg eingeschlagen. Der kommt in der Bläserwelt gut an, nur kann sich die US-Instrumente kaum jemand leisten. Den Weg weiter verfolgt bis in die Shops einschlägiger Händler hat dafür ein holländischer Hersteller: Adams mit seiner A4.

Zurückhaltend, filigran – das sind keine Attribute, die auf die Adams A4 passen.

Das Vorbild und die Nachahmer

Eine Trompete mit mehr als 1,3 kg – ist das ein Witz? Selbst schwere Bach-Hupen wirken gegen eine aufgetakelte Monette wie eine Hantel, von der man die Gussscheiben genommen hat. Dennoch haben die Schwergewichte aus Portland mittlerweile einige Fans auf der Welt und nicht nur Endorser von Spitzenrang wie Wynton Marsalis oder Adam Rapa. Das mag aber weniger am Gewicht liegen oder an den Spieleigenschaften, sondern vielmehr an der blickfangenden Optik, die mit dem Geist des ausgehenden 19. Jahrhunderts einer French Besson einfach gar nichts mehr zu tun hat. Masse, mal schnörkellos, mal barock in Szene gesetzt, dominiert die Instrumente. Einzig: Leisten können und wollen sich die Hörner im Preisbereich weit jenseits der 10.000 Dollar nur wenige. (In Europa käme noch die Einfuhrumsatzsteuer hinzu.) Was tun, wenn man sich aber nun in dieses Design verschossen hat? Es gibt mittlerweile verschiedene Hersteller, die trotz sozialverträglicherer Preise auf die Heavy-Architektur setzen: unter anderem Edwards, Kanstul, TaylorHub van Laar – oder eben Adams. Und um den Beitrag dieses holländischen Herstellers zum Thema „Fat Horn“ geht es in diesem Test: die A4.

Adams – von Pauken zu Pauken und Trompeten

Da es sich um den ersten Test eines Adams-Instrumentes auf dieser Seite handelt, seien einleitend noch einige Informationen zu diesem Unternehmen gegeben. Adams ist (wahrscheinlich) der jüngste Blechblasinstrumentenhersteller der Welt, der auch in echter Serie produziert. Er ist mit seinen Trompeten etc. noch nicht einmal eine Dekade auf dem Markt. Dennoch ist den meisten von uns die Marke ein Begriff. Wie kommt das?

In so ziemlich jedem Probelokal einer Blaskapelle und auf vielen Orchesterbühnen stehen Instrumente von Adams: Pauken, Xylophone, große Trommeln und was es sonst noch alles an Schlagwerk gibt. Genau damit konnten sich die Holländer seit den 70er Jahren nämlich einen Namen machen und (zumindest gefühlt) so etwas wie ein Monopol errichten. 2005 begann man in Holland mit der Produktion von Blechblasinstrumenten und 2010 wurde der deutsche Ventilhersteller Bauerfeind übernommen – ein untrügliches Zeichen dafür, dass in großem Maßstab neue Märkte erobert werden sollten. Generalstabsmäßig hat man expandiert, nicht gekleckert, sondern geklotzt – und heute steht ein breites Portfolio an Blechblasinstrumenten bereit, die auch in den USA und Asien vertrieben werden. Man orientiert sich dabei augenscheinlich an erfolgreichen Modellen der älteren, aber im Fall der A4 ganz klar auch jüngeren Trompetenhistorie.

Was macht die Adams A4 aus?

Der TrumpetScout wollte schon länger etwas über Adams erfahren und fragte also nach Testinstrumenten. „Schickt mir einfach die Top-Seller.“ Auf der einen Seite war es überraschend, dass neben der A10 die A4 geliefert wurde, weil der Autor dieses Berichts gewisse Ressentiments gegenüber schweren und massiv verlöteten Trompeten hegt und diese intuitiv auf einen Gutteil des Rests der Trompetenwelt projiziert. Auf der anderen Seite ist trotzdem nachvollziehbar, dass der Look eines solch extravaganten Instruments per se fasziniert. Und auch wenn das Aussehen bei den Tests hier keine Rolle spielt, im Verkauf tut es das. Trompeten sind da nicht viel anders als Autos. Aber wenn das Äußere sich hier so in den Vordergrund stellt, sollte man das aufnehmen.

Masse, wohin das Auge schweift. Vor allem der Ventilblock ist in „heavy duty“ gefertigt.

Die Mundstückaufnahme ist… schwer. Die Rohre sind wie gepanzert. Die Streben zwischen Mundrohr und Becher sind verstärkt und wirken wie Türsteher, die zur Schwingung sagen: „Du kommst hier nicht durch.“ Auch die Fingerringe an den Zügen und auf dem Mundrohr sind weniger Ringe als vielmehr Rohrstücke. Die Stütze im Stimmzug ist dick wie ein Strohhalm. Der Ventilblock mit den Heavy Caps unten und den Deckeln oben, in deren Überstand die ebenfalls nicht sparsam gefertigten Knöpfe im gedrückten Zustand fast versinken, ist mit seiner ausschließlich zylindrischen Formsprache mehr Monolith als mechanisches Bauteil. Und ja: Der Becher geht auf wie der eines Flügelhorns. Die Waage gibt den Augen ihren Senf dazu: 1.306 Gramm. Das ist die mit Abstand schwerste Trompete der TrumpetScout-Historie.

Large as hell – Riesenbecher und weites Rohr

Das Gewicht ist also enorm. Aber wie verteilt es sich? Im Grunde wirkt jedes Bauteil massiv – mit Ausnahme der Glocke. Es geht mit der Mundstückaufnahme solide los, zieht sich so durch und endet mit dem ebenfalls sehr stark gearbeiteten Verbindungsstück zwischen Ausgang Ventilstock und Glocke. Diese ist jedoch nur aus dünnem 0,40er Material (Goldmessing) gemacht, schwingt also sehr leicht. Für die Energie, die über die schwingenden Lippen in die Trompete gelangt, muss es wie die plötzliche Ausfahrt aus einem Tunnel ins helle Licht sein. Der ganze Vorderbau scheint dazu gemacht zu sein, um Schwingung zu unterdrücken oder zu kanalisieren. In der Glocke dann, da darf sie wirken.

Ein kleines L steht da ganz unscheinbar. Das steht bei Adams tatsächlich auch für echtes Large: 12 mm Rohrdurchmesser.

 

Das zweiteilige Schallstück hat einen Trichterdurchmesser von 14 Zentimetern. Und die wirken weit größer als die 17 Millimeter Plus im Vergleich zu einer Stradivarius 37 vermuten lassen. Der Verlauf ist wie immer schwer zu bewerten. Nach einem dünnen Rohr sieht es zumindest nicht aus. Genauso beeindruckend wie der Becher ist die Bohrung. Satte 12 Millimeter gibt es bei den meisten Herstellern gar nicht und würde, falls doch, nicht nur unter „Large Bore“ laufen, sondern mindestens als XL-Bohrung durchgehen. Die gemessenen 11,95 mm schmälern nichts am Umstand, dass hier definitiv der große Bohrer gewählt wurde.

Big horn, big blow? Ansprache und Widerstand der Adams A4

Wie bereits gesagt und auch in anderen Tests erwähnt: Der TrumpetScout ist persönlich kein großer Freund besonders schwerer Trompeten und weiter Bohrungen. Also: Die Skepsis hätte nicht größer sein können. Aber es kam, wie es oft kommt – man wird trotz aller Vorbehalte positiv überrascht. Die Ansprache war sehr gut und der Sound einfach neu. Gut möglich, dass die Optik die Ohren trügt – aber klanglich ein bisschen näher an Wynton kommt man sich mit der A4 definitiv vor. Ein befreundeter A4-Besitzer kritisierte ein wenig das Slotting der weiten Trompete. Im Test fiel ein solcher Makel jedoch nicht so sehr auf wie bei manch anderen Hörnern. Eindeutig konnte hingegen festgestellt werden, dass dieses Instrument wirklich Luft verbraucht. Von diesem „Verbrauch“ ist andernorts im Internet oft die Rede, spürbar wurde es für den TrumpetScout aber zum ersten Mal bei diesem Horn: Beim Spielen von Duetten (zwei Seiten durchgehend technisch forderndes Spiel) ging tatsächlich die Luft zu schnell weg. Es fehlte schlicht (auch in der Normallage) der nötige Gegendruck. Die wenigen Möglichkeiten zum Luft Schnappen haben das deutlich gemacht.

Sowohl Becher als auch Stimmzug haben einen „geknrickten Bogen“, also ein gleich mehrfache Radiusänderung.

Eine Überraschung war trotz dieser Tatsache, dass die A4 im Test besser mit dem tiefen Mundstück funktioniert hat als mit dem flachen. Es ging auch mit dem größeren Kessel gut bis in die dritte Oktave, mit dem kleinen hingegen wurde es verhältnismäßig schwer (was man auch im Video unten sehr gut merkt). Wahrscheinlich auch deshalb wurde das Instrument in den Testwochen vornehmlich zur entspannten Improvisation eingesetzt.

Adams A4: Sound und Projektion

Eine große Bohrung und ein weiter und leichter Becher – das sind auf dem Papier nicht die besten Prämissen für einen kernigen Klang und Weitwurfeigenschaften. Bei der Adams A4 ist immerhin viel Gewicht und Stützwerk im ersten Teil der Luftführung gegeben. Dennoch: In der Praxis haben engere, wenn auch deutlich leichtere Trompeten die Nase vorn, wenn es um Penetranz auf Distanz geht. Die A10, die parallel getestet wurde, hat die Expertenhörer in der Big Band-Situation mehr überzeugt. Die dünnwandige Glocke lässt einfach mehr Energie an Ort und Stelle. Das ist gut für die Rückmeldung bei mikrofonierten oder intimen Gigs. In großen Räumen ohne Abnahme aber nicht optimal.



Komischerweise nahm das engere Rohr auch das Spiel mit Subtones besser an, war also insgesamt formbarer. Die schwere A4 blieb eher bei ihrem ganz eigenen Sound. Sowohl unten als auch oben und auch weniger lautstärkeabhängig. Das ist wohl die Magie, die dieses Instrument ausmacht. Es ist radikal anders, verhält sich anders und klingt auch anders.

Laute Ventile

Wenn man von einer technischen Schwäche reden muss, dann sind es die (Stahl-)Ventile. Die liefen in den drei Testwochen zwar hängerfrei, waren aber sehr laut (siehe Video). Bei der Schwester A10 gab es dagegen gar nichts zu bemängeln. Ein größerer Rohrdurchmesser sollte nicht zu höherer Geräuschentwicklung führen, weswegen die Bohrung (zwischen den Modellen sind 0,3 mm Unterschied) also keine Schuld an den Geräuschen trifft. Vielleicht liegt es an den schweren oberen Ventildeckeln? Wahrscheinlicher ist, dass das Testinstrument nur ein Problem mit den Filzen hatte.

Das einzige Nicht-Heavy-Bauteil an der A4 neben dem Becher dürfte die Ventilführung aus Kunststoff sein.

Die A4 kaufen… oder besser die A4 LT?

Die Adams A4 kostet 2.700 Euro. Das ist für eine in Europa gebaute Trompete, die überhaupt nicht wie Stangenware daherkommt, nicht viel. Überdies bietet Adams Individualisierung ab Werk an. Damit sind nicht nur verschiedene Lackierungen gemeint, sondern sogar funktionale Erweiterungen wie ein viertes Ventil für eine Range-Erweiterung nach unten oder eines für Vierteltöne (!). Was eher gegen die Trompete spricht ist der große Luftkonsum. Wer damit zurecht kommt oder die entsprechende Musik macht – wunderbar! Wer damit aber Probleme hat und dennoch auf das Design nicht verzichten möchte, der kann zur A4 LT greifen: Die ist leichter (feinerer Receiver, feinere Stützen, weniger Masse bei den Ventilen) und hat einen kleinere Becher aus Geldbmessing (jedoch bei höherer Materialstärke). Manche Online-Shops führen sogar Modelle mit ML-Bohrung. So dürfte der Widerstand höher sein, die Projektion besser und der Ton heller. Das hört sich auch für den TrumpetScout interessant an!

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Incredible looks, unique sound
Your new girl friend? If you like big bells! 
Preis? 2.700 Euro. Ein Fünftel einer Monette!
Dauerbeziehung? Wenn du den langen Atem hast! All you need is air!

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  4 comments for “Monette für vernünftiges Geld? Die Heavyweight-Trompete Adams A4

  1. José
    20. April 2017 at 15:42

    Hallo TrumpetScout,

    Nils Wülker und Julian Wasserfuhr spielen die Spada-BJ1 nur mit einem Monette Mundstück und der Sound ist großartig !

    Also unbedingt einmal mit einem Monette-Mundstück testen 😉

    • José
      22. April 2017 at 8:14

      … Übrigens für die die Spada-BJ1 nicht kennen, sie ist identisch heavy gebaut wie die Adams A4 !
      Irgendwo im Internet liest man ein Beitrag das sogar Adams A4 die Kopie von der Spada-Bj1 sein soll und die wiederum an die alte Monette 993 Trompete anlehnt ist.

      Nils Wülker beschreibt die BJ-1 so „… Der Sound ist phantastisch, sehr warm aber trotzdem offen und reich an Obertönen. Es klingt, als ob man dem Frequenzspektrum eine Oktave hinzufügt. Dabei ist sie klanglich sehr flexibel. “ Quelle: trompetenforum.de

      Nebenbei bemerkt besitzen die neuen Monette Raja´s Trompeten einen integriertes Mundstück mit Gewinde und der Schallbecher erscheint mir auch noch ein tickichen größer zu sein als von der A4 und BJ1.

      Und wie schon erwähnt, entfalten die Heavy´s ihr volles Potenzial wenn man sie mit den groß gebohrten Monette Mundstück kombiniert. Habe ich persönlich schon getestet ! Ein Test mit konventionellen und Monette Mundstück mit der expertise vom TrumpetScout wäre interessant !

      Und nein ich bin kein Spada oder Monette Vertreter, sondern möchte nur ein TrumpetJunkie.

  2. Reinhard Faust
    21. April 2017 at 5:33

    „Dennoch haben die Schwergewichte aus Portland mittlerweile einige Fans auf der Welt… Das mag aber weniger am Gewicht liegen oder an den Spieleigenschaften, sondern vielmehr an der blickfangenden Optik“

    Das war eigentlich schon immer meine Vermutung. Man zahlt bei Monette für die Optik. Da macht eine Heavyweight für 2.700 € schon mehr Sinn. Allerdings finde ich den Klang nicht wirklich besonders. Eigentlich sogar enttäuschend für den Preis. Verglichen mit einem Horn mit normalem Gewicht (und „normaler“ Optik) zum ähnlichen Preis. Zum Beispiel die Yamaha 8340EM (vgl. Bewertung).

    Der Ton macht die Musik! Nicht die Optik!

    Übrigens: Die Tabelle auf der Bewertungsseite müsste mal mit den neuesten Test ergänzt werden…

    Gruß Reinhard

    • TrumpetScout
      21. April 2017 at 7:45

      Hallo Reinhard,

      die Bewertungen kommen immer ein wenig zeitverzögert zum Test!
      Der Klang ist dennoch eigen, leider lässt sich das bei diesem Instrument einfach (noch) schwerer einfangen als bei den „normalen“.

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