Olds Super: Wird die Trompete ihrem Namen gerecht?

Mit Olds hatte der TrumpetScout – abgesehen vom wahren Massenmodell Ambassador – bislang keine praktische Erfahrung. Zwar ist im Netz allerhand Gutes über die untergegangene Marke und ihre Produkte zu lesen, aber im Einsatz sind sie doch sehr rar. Gibt es dafür gute Gründe? Anhand der Olds Super soll das Wesen des Herstellers ergründet werden.

Der Zufall spielte dem TrumpetScout jene Trompete in die Hände, die diesen alles andere als zurückhaltenden Namen Super trägt. Durch eine wechselseitige Leihgabe war es sogar möglich, dieses Horn über Monate in vielen verschiedenen Spielsituationen einzusetzen. Beste Bedingungen also für einen validen Vintage-Test.

Doch zunächst zur Einordnung des Modells auf dem Papier: Gemäß mehrfach gleichlautender Online-Quellen gehörte die Olds Super zur Spitzenriege des Herstellers aus Fullerton (zur Geschichte des Unternehmen sei hier auf den Ambassador-Artikel verwiesen), nahm aber auf der Preisliste der 50er Jahre (gegen Ende jenes Jahrzehnts wurde die Testtrompete gebaut) nur eine Mittelposition ein, da mit der Opera, Recording und Mendez zu jener Zeit noch drei aufwendigere Modelle gebaut wurden (später sogar noch mehr). Darunter rangierten neben der Ambassador noch die Typen Special und Studio (ein Name, der ebenfalls große Erwartungen schürt).

Das sind die Besonderheiten der Olds Super

Was sofort auffällt: Im Gegensatz zur bereits beschriebenen Ambassador sieht die Trompete auf den ersten Blick gewöhnlicher aus, ja fast normal. Der Maschinenstock ist nicht so weit nach vorne gerückt und der Wrap wirkt etwas enger als bei der markenverwandten Schülertrompete. Doch auch hier gibt es keine Stütze im Stimmzug (wenngleich ganz frühe Modelle aus den 30er Jahren wohl über eine Strebe verfügten), dafür eben dort aber eine Wasserklappe in Posaunenmanier – man drückt also seitlich, um die Spucke abzulassen. Das sieht ein bisschen aus wie geflickt („Chef, es war leider nur noch eine große Klappe da!“), praktisch ist es aber.

Wie bei so vielen Trompeten, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts konzipiert wurden und sich an einer French Besson orientieren, ist auch bei der Super das Rohr, welches das untere Stück des Stimmzugs aufnimmt, nicht durchgehend bis zum Bogen in das dritte Ventil geführt (siehe Bild). Ähnlich wie bei Benge-Trompeten entsteht selbst bei ganz eingefahrenem Stimmbogen vor der äußerlich sichtbaren Verjüngung eine Gap von circa 2 Zentimetern, da das untere Zugrohr bei Weiten nicht bis zum Anschlag reicht.

Nicht nur der Stimmzug ist doppelt männlich konstruiert und hat einen weiblichen Counterpart aus Neusilber, auch die restlichen drei Züge sind so ausgeführt. Bei Olds ist der ‚Doppelstecker‘ aber kein Zeichen geringeren Wertes, da sich dieses Merkmal durch die gesamte Modellpalette zieht. (Abgesehen davon ließe sich über einen echten Nutzen der vermeintlich raffinierteren Bauweise, die weiblich-männlich wechselt, sowieso streiten.) Definitiv eine Besonderheit der Super sind die Perlmutteinlagen in den angelöteten Griffpunkten der Züge 1 und 2:

Die Ventilbüchsen sind zweiteilig, was durch die verschiedenen verwendeten Materialien auch deutlich ersichtlich ist. Die Rohrdurchgänge der Ventile haben einen Durchmesser von 11,68 Millimetern (ML), wenngleich es auch ganz frühe Modelle geben soll, die mit einer größeren Bohrung von 11,73 mm versehen wurden. Die Ventile sind trotz Messingführung mit 57 Gramm noch immer sehr leicht (einen Vergleich hierzu findet sich im Artikel über die Getzen Eterna) – und laufen fantastisch, wenn auch nicht gerade leise.

Hier mehr, da weniger: im Schnitt durchschnittlich

Auch wenn es im oder beim Stimmzug keine stabilisierende Strebe gibt, so verfügt der dritte Ventilzug doch über zwei Doppelstützen, also vier, und der Maschinenstock ist zwischen Mundrohr und Becher ebenfalls an vier Punkten fixiert. Üblich sind hier nur zwei. In puncto Design bemerkenswert sind die direkten Diagonalstreben zwischen Mundrohr und Schallstück. Auch wenn der Rest der Trompete fast nüchtern und auf jeden Fall zeitlos wirkt, so sind diese Verbindungen doch klare Kinder ihrer Zeit zwischen Art Déco und 50er Jahre Science Fiction.

Neben der verlaufenden Gestalt der Querstreben ist hier auch die lange und weit über den Becherbogen ragende Mundstückaufnahme zu sehen.

Und zum Becher. Der dürfte wie die gesamte Trompete aus Gelbmessing gemacht sein – auch wenn einem der Lack mit leichtem Honigton etwas irritieren kann. Das Material wirkt nicht gerade dünn und die Narbe circa 6 cm vor Ende des Schallstücks gibt Zeugnis von dessen Zweiteiligkeit, wenn nicht gar Dreiteiigkeit: Besonderheit ist nämlich nicht nur der kleine Trichterdurchmesser von lediglich 119 mm, sondern auch der von Olds als „Tone Control Band“ bezeichnete Kranz mit seiner Breite von etwas mehr als einem Zentimeter. Man kennt dieses Mittel zur Stabilisierung des Tones bei uns vornehmlich von Drehventiltrompeten.

Wie stark und wie genau es sich bemerkbar macht, ließe sich im Vergleich zwischen einer Recording und einer Super Recording sagen. Anscheinend unterscheiden sich die beiden Modelle in genau diesem Bauteil. Beim Material dürfte es sich um Neusilber handeln, wenngleich im Netz auch von Nickel oder von vernickeltem Messing die Rede ist. Angesichts des eben nicht papierdünnen Bechermaterials ist diese Verstärkung auf jeden Fall verwunderlich. Sie dürfte auch für eine kleine Überraschung auf der Waage mitverantwortlich sein: Das Gesamtgewicht rangiert trotz reduzierter Bauweise in der Mittelklasse. Mit 1.083 Gramm ist die getestete Super also weder sehr leicht, noch besonders schwer.

Ausgewogen und stoisch: So spielt sich die Olds Super

Vor dem Hintergrund der Spielerfahrung mit verschiedenen Ambassadors kontrastiert die Super deutlich, und zwar direkt mit dem ersten Ton. Die ‚kleine‘ Olds bläst sich wie ein prototypisches Very Large Bore Horn: offen und frei. Die Super zeigt sich dagegen zugeknöpfter. Sind die Rohrverläufe Schuld, gibt es tatsächlich engere Windungen? (Anscheinend teilten sich anfangs alle Olds-Instrumente zumindest die gleiche Becherform.) Oder zeigt sich hier schon der aufgelötete Kranz? Die erste Assoziation war: eine Effizienztrompete mit gutem Slotting, aber keiner guten Ansprache, die eher fürs Power Play gemacht ist.

Gut zu erkennen ist hier die großdimensionierte Wasserklappe in Posaunenbauart, aber auch die D-Form des Stimmzugs.

Auf jeden Fall spielt sich das Instrument in allen Lagen gleich, ist weder untenrum dicht, noch oben verstopft. Die Super kennt keine ‚No go-Areas‘, aber auch keine deutliche Sonnenseite. Sie meistert alles bravourös und lässt – vielleicht sogar ihre größte Stärke – in puncto Intonation keine, aber auch wirklich keine Schwachstelle erkennen. Das ist bei modernen Trompeten nicht selbstverständlich, aber bei alten schon zwei Mal nicht. Besser geht’s nicht.

Super-Sound beim Super-Horn?

Beim Klang fällt das Urteil durchwachsen aus. Auf der einen Seite war da das Urteil der TrumpetScout-Testhörerin: „Irgendwie hauchig, dunkler, wie für den Jazz-Club gemacht, aber im Vergleich manchmal auch etwas quäkig.“ Dies vor allem im Kontrast mit der glasklaren Bach 190S37. Für den Einsatzzweck mit wenig Kraft sollte sich die Trompete aber offener blasen lassen. Trotz einer gewissen Rauchigkeit und Nasalität wurde in der Höhe trotzdem viel Sizzle attestiert. Und das ist natürlich ideal für ein Horn, dass sich von seinen Spieleigenschaften eher für einen Lead-Job bewirbt. Im Video gefällt dem TrumpetScout am besten die Mittellage bei ‚kerniger‘ Literatur. Hier macht sich doch ein typisch amerikanisches Sound-ideal bemerkbar.

Auf der anderen Seite ist da der Eindruck beim Spieler. Für den TrumpetScout wirkte die Super hinter dem Mundstück ein bisschen wie eingeschlafen. Sie müsste mehr Obertöne haben, mehr schmettern, brizzeln, in Bezug auf Frequenzen mehr Spannung erzeugen, einfach lebendiger sein. Aus dieser Warte klang die Super eher wie eine dunkle Orchestertrompete. Ist daran der Kranz Schuld?

 

Der sogenannte Farbenreichtum des Tones hängt von der Schwingungsbereitschaft des Materials ab. Ein solcher Kranz dämpft diese natürlich. Das verhindert ein Ausfranzen des Tones, wie man es bei manchen ultraleichten Trompeten bzw. Schallstücken beobachten kann, beschneidet aber wahrscheinlich auch das Frequenzband dort, wo man es eben manchmal auch nicht haben will. Der TrumpetScout ist kein Physiker, bemerkte aber bei einem Vergleich zuletzt mit einer Flip Oakes mit sehr dünnem Bechermaterial einen extremen Unterschied was den Klang hinter der Trompete anbelangt. Die Conclusio dieser Überlegung: In puncto Rückmeldung gibt es zweifelsfrei deutlich bessere Trompeten.

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Aber bringt das „Tone Control Band“ etwas in Bezug auf die Projektion? Im Vergleich mit mehreren Trompeten fiel die Olds Super zunächst immer als laut auf, zuweilen sogar als unangenehm laut, sogar mit dem Flügelhorn-, aber auch mit dem regulären Trompetenmundstück. In einem reinen Projektionsvergleich mit vier anderen Trompeten lautete das Urteil der Testhörerin interessanterweise „diffus“, während die besagte Bach 190S37 glänzte und eine Getzen Proteus deutlich Federn ließ.

Zu unrecht selten zu sehen und zu hören?

Auf den Punkt gebracht: Die Olds Super stimmt super. Das ist ein immenser Vorteil und der größte Punkt auf der Haben-Seite. Das Testmodell ist deshalb, aber auch wegen der noch immer perfekt funktionierenden Ventile und des zeitgemäßen Volumens auch nach fast exakt 60 Jahren noch absolut einsatztauglich. Sie macht prinzipiell nirgendwo ein schlechte Figur – der TrumpetScout spielte sie im Orchester und in der Big Band. Wenn tonliche Brillanz und Klarheit oberstes Gebot sind, empfehlen sich aber andere Modelle. Auch wenn der Klang es zuließe – der erhöhte Widerstand und die etwas schwerere Ansprache machen das intime Spiel nicht zur Paradedisziplin. Dennoch: Es bleibt ein Gefühl bei dieser Trompete, und das ist das der absoluten Verlässlichkeit. Diese Trompete funktioniert einfach. Und das ist wahrlich super.

Zum Wert: Hin und wieder stehen einige Modelle auf den einschlägigen Börsen zum Verkauf, erzielen aber keine Höchstpreise wie wirklich seltene Trompetenmodelle, von denen sich aber kaum jemand trennt, wenn sie sich aber auch sehr gut spielen lassen. Eine Olds Super dürfte im Regelfall zwischen 600 und 900 Euro zu erwerben sein. Neben der Variable Zustand spielt dabei sicher auch das Alter eine Rolle. Eine gut erhaltene Super aus den 30ern dürfte höhere Preise erzielen als eine aus den 70ern. Aber ob die auch viel besser spielt, kann der TrumpetScout nicht beurteilen.

TrumpetScout Old(s) Love Quantifier
What is she offering? Perfect intonation, American sound
Your new girl friend? Wenn es die Verlässliche sein darf.
Preis? 600-1.000 Euro. Nicht unbedingt ein Schnäppchen!
Dauerbeziehung? Gute Frage! Wenn sie dich berührt?