Stomvi Forte 5000 – Das kann die spanische 1K-Trompete

Eine Spanierin gab es im TrumpetScout-Testportfolio bislang noch nicht. Die Stomvi Forte 5000 macht hier den Anfang, setzt aber ganz sicher nicht den Schlussstrich. Was kann dieses iberische Instrument in der 1.000-Euro-Klasse? Ein Testprotokoll, das von großer Liebe zeugt, aber auch strenger Einschätzung.

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Ja, es gibt klare Stomvi-Merkmale: die Bögen mit kleinen Radien, die goldenen Applikationen und das „Schlanke“ im Allgemeinen.

Mittelklassemodell – das ist ein Ausdruck, den der TrumpetScout nicht mag, suggeriert er doch zuvorderst Mittelmäßigkeit in der Qualität und nicht nur im Preis. Reden wir deshalb im Falle der Stomvi Forte (5000 scheint eher nur ein irrelevanter Zusatz zu sein) lieber von einer 1K-Trompete, also eine, die preislich im Kilo-Euro-Bereich angesiedelt ist. Mit knapp 1.200 Euro liegt sie zwar leicht darüber. „Oberflächenbereinigt“ kommt man dem Tausender jedoch näher, denn dieses Modell gibt es nur in Silber. Für ein gleiches Finish verlangen andere Hersteller schnell 100 Euro und mehr.

Stomvi – ein relativ junger Hersteller aus Spanien

Bevor es weiter um das getestete Modell geht, ein paar einleitende Worte zu Stomvi. Die Marke ist vergleichsweise jung, ihr Name arbiträr, also ohne besondere Bedeutung. Das Unternehmen dahinter wurde Anfang der 80er Jahre gegründet und noch heute ist die Produktion in Spanien, genauer gesagt: Valencia angesiedelt.

Den TrumpetScout verbindet eine persönliche Geschichte mit den südeuropäischen Trompeten (was per se exotisch wirkt – Blechinstrumente scheinen traditionell eher aus dem mitteleuropäischen Raum zu kommen): Die erste (Laden-)Neue als junger Erwachsener trug eine Stomvi-Gravur auf der dritten Ventilbüchse. Es handelte sich um eine Classica mit Medium-Bohrung, wie sie heute gar nicht mehr erhältlich ist (ML ist die einzig noch verfügbare Rohrgröße). Dieses Biest ist in der Stomvi-Hierarchie über der Forte angesiedelt und das günstigste Instrument der sogenannten Profiklasse. Ihr Setup machte sie zu einer echten Giftspritze, die sogar einen Dirigent in Orchester dazu bewog, zu behaupten, man könne damit nicht in einem Satz und schon gar nicht „im Rücken von Klarinetten“ spielen. Sie war hell und schreiend und in Verbindung mit einem schweren Booster wirklich wie ein Hochdruckreiniger mit dünnem Strahl. Für Latin-Einsätze das ideale Arbeitsgerät. Wenig später gab es noch kurz eine vergoldete Mambo, jedoch eher aus Lust am Experimentieren. Sie bot zu wenig Widerstand.

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Eine Gravur des Herstellernamens sucht man auf dem Becher vergeblich. Bei Stomvi findet sie sich traditionell auf dem dritten Ventilzylinder.

Erst vor ein paar Jahren hingegen machte das Modell S3 die Runde in Trompeterkreisen und bestach durch hervorrande Effizienz und einen tollen Klang. Das rief dem TrumpetScout die Marke Stomvi wieder in Erinnerung als es jetzt darum ging, verstärkt Trompeten im untersten vierstelligen Preisbereich zu testen. Wie viele Stomvi-„Profigene“ stecken also in der Stomvi Forte?

Das fällt auf an der Stomvi Forte 5000

Wie die meisten Stomvi-Trompeten – das wurde bereits gesagt – ist auch die Forte versilbert. Sie wiegt mit 1.084 Gramm nicht sonderlich viel (auch das verbindet die Geschwister der spanischen Familie) und ist auch nicht ausladend gewunden. Insgesamt ergibt sich das Bild einer wohlproportionierten, schnittigen, antropomorph betrachtet „sportlichen“ Trompete. Sowohl der Stimmzug- als auch der Becherbogen sind fast kreisrund, was einen Unterschied zu typischen Bach- oder Calicchio-Trompeten ganz deutlich macht. Im Gegensatz zu einer Olds Ambassador fällt ganz krass auf, wie weit hinten die Maschine sitzt: Fast 3 cm ist sie näher an das Mundstück gerückt. Selbst im Vergleich mit einer konventionellen Trompete beträgt der Versatz noch fast einen Zentimeter.

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Amado-Wasserklappen, eine Stütze im Stimmzug und ansonsten nicht besonders viele Stabilisierungsstreben zeichnen die Stomvi Forte aus.

Ansonsten ist das Instrument aber, abgesehen von den Stomvi-typisch vergoldeten Anbauteilen (Ventildeckel und -drücker, Feststellschraube, der Stift in den Amado-Wasserklappen), konventionell gestaltet: Der Stimmzug ist nicht überlappend, es findet sich dort eine Stütze, auf dem ersten Zug sitzt ein Daumensattel und auf dem dritten ein fester Fingerring.

Eine günstige Trompete mit sensationellem Spielgefühl

Es brauchte für den TrumpetScout nicht lange, um mit diesem Instrument warm zu werden. Übersetzt heißt das: Sie spricht gut an. Nun ist es manchmal so, dass eine Trompete, die einem „auf den ersten Ton“ gefällt, diese Sympathie aber nicht zu einer dauernden Romanze auszubauen vermag, weil der Widerstand auf lange Sicht zu groß oder das Gesamtgewicht zu hoch ist. Hier scheinen die Bausteine gut ausgewogen zu sein, denn auch nach einigen Testwochen war der Griff zur Stomvi einer aus dem Bauch heraus. Das Mundrohr mit der Nr. 3 (es ist nicht klar, was das genau heißt, nur, dass in fast allen Stomvi-Trompeten diese Form verbaut ist) ist nicht zu weit für ausdauerndes Spiel und ein Pfeifen im oberen Register, aber auch nicht zu eng, sodass im unteren Register die Töne „klein“ klingen und man sich dort bei jedem Anstoß plagen muss.

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Neben dem Herkunftsort, -land und der Seriennummer ist eine „25“ beim Übergang von Maschine in den Becher zu sehen. Das bezeichnet die Schallstückgröße. Viele andere Stomvi-Becher haben die große Glocke (#27) verbaut.

Die ML-Bohrung mit 11,66 mm fügt sich hier gut ein und das Gewicht ist sowieso kein Stolperstein für ein leichtes Blasgefühl. Die nicht einmal 1.100 Gramm lassen sich gut in Schwingung versetzen, viel Stützwerk gibt es ebenfalls nicht. Leidet darunter dann aber nicht die Projektion? Die Beschaffenheit des Schallstücks spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Und das hier verbaute (Stomvi Nr. 25) ist ein enges. Das wurde bei jedem Abstellen im Trompetenständer deutlich. Der hob bei jedem Griff zum Horn nämlich ab, weil er vom versilberten Messing so knapp umfasst war. Diese enge Verlaufsform verbessert die Abstrahlfähigkeiten und erhöht den Widerstand „weit hinten“ im Instrument. Das ist – laut anderer Testberichte – nicht nur für den TrumpetScout sehr angenehm.

Der Klang der Stomvi Forte 5000

Als in einem der letzten Blog-Beiträge angekündigt wurde, dass nun verstärkt auch Trompeten im mittleren Preissegment getestet werden sollen und die Stomvi Forte eine Vertreterin sein wird, gab es einen Leserkommentar bezüglich des Klangs: Sie sei selbst mit einem tiefen Mundstück „sehr hell“, tendenziell gar „schrill“ und im Ensemble deshalb nicht so gut zu gebrauchen. So weit steht das den eingangs erwähnten früheren Erfahrungen des TrumpetScouts mit dem Schwestermodell Classica nicht diametral entgegen. Wie es sich in einer kleineren Blechgruppe verhält, konnte in den Testwochen zugegebenermaßen nicht beurteilt werden.



Fest steht aber, das die Trompete doch mehr als nur eine Klangseite hat: Sie nimmt Subtones im unteren Register besser an als manch „großes Gerät“, klingt artig bei mittlerer Lautstärke, kann aber auch durchdringend in der Höhe sein und dabei aber doch fein bleiben. Einen deutlichen Kern gibt es nicht und scheinen ist sicher die größere Stärke als dunkel zu sein – die Materialwahl „Messing total“ dürfte dabei natürlich auch ein wesentlicher Faktor sein. Eine persönliche Empfehlung was den Stil der Musik betrifft, geht auch deshalb klar in Richtung Latin, Pop und (Big Band-)Jazz. Es gibt dafür aber auch andere Gründe…

Die Stomvi Forte und die Intonation: Ein gutes Horn für Anfänger?

Die Ansprache ist durch alle Register so, dass mit Sicherheit viele Spieler damit ihre Freude haben werden, kein Ton „fehlt“ überdies. Definitiv auch mehrheitsfähig sind die Ventile aus Edelstahl: Sowohl Druckgefühl und Schnelligkeit geben keinen Anlass für Tadel. Eine bisher noch nicht besprochene und im Gegensatz zum Sound weniger subjektive Qualität ist dagegen die Intonation und das Slotting-Verhalten. Hier gibt es beim Testinstrument (leider) etwas zu bemängeln. Ab C1 abwärts rutschen die Töne deutlich ab, man muss als Spieler massiv gegensteuern. Oberhalb des Notensystems geht die Fluchtrichtung nach oben, wenngleich deutlich schwächer als im tiefen Bereich. Daran kann man sich bis zu einem gewissen Grad gewöhnen. Wer allerdings vornehmlich tiefe Literatur spielt (bei Anfängern ist dies beinahe zwingend so), wird mit der Stomvi Forte seine Probleme haben – vorausgesetzt es handelt sich bei der getesteten Trompete nicht um eine singuläre Erscheinung.

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Die Stahlventile der Stomvi Forte sind ein spielerischer Traum: schnell, hängerfrei mit gutem Gegendruck. Allerdings arbeiten sie nicht gerade geräuscharm.

Man könnte die Perspektive ein wenig verändern und sagen, die Trompete rastet wenig ein, jedem Ton steht deshalb viel Raum zur Verfügung. Und so ist es auch. Das ist gerade für Musiker, die viel benden, Töne also „biegen“ bzw. „anfahren“, durchaus positiv zu sehen. Wie gesagt, Anfängern dürfte das eher Probleme bereiten.

Die Stomvi Forte 5000: ein starke Trompete?

Forte heißt ’stark‘ bzw. ‚laut‘, dazu muss man kein Romanist oder Altsprachler sein. Ist das zweitgünstigste Instrument (die Zenith rangiert noch darunter) in der Stomvi-B-Trompeten-Palette also ein starkes Arbeitsgerät? Auf der Haben-Seite steht eine fabelhafte Ansprache bzw. ein fabelhaftes Spielgefühl (und das ist für Trompeter zumeist der ausschlaggebende Punkt für eine Kaufentscheidung), gute Effizienz, ordentliche Projektion, gutes Handling und hervorragende Ventile. Auf Soll-Seite ist (neben kleinen Nachlässigkeiten bei der Verarbeitung) dagegen das schwach ausgeprägte Slotting zu verbuchen, das einigen Spielern den Kauf vereiteln könnte. Wenn das noch in den Griff zu bekommen wäre, wären durchgehende Top-Noten sicher – und das bei einer 1.000-Euro-Trompete Made in Europe.

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Dennoch: Gerade wer sich verstärkt im oberen Register bewegt und Musik macht, die einen eher hellen Klang verlangt, kann auch so mit der Stomvi Forte sehr glücklich werden. Der TrumpetScout konnte kaum einen Tag die Finger bzw. die Lippen von ihr lassen – und war direkt traurig, als sie wieder verpackt werden musste, um sich auf den Heimweg zum deutschen Importeur zu machen.

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Perfect response and valves
Your new girl friend? Verlieben kann man sich allemal 
Preis? Stomvi Forte 5000
Dauerbeziehung? Auf jeden Fall einen Versuch wert! Einziges Manko: das Slotting

  3 comments for “Stomvi Forte 5000 – Das kann die spanische 1K-Trompete

  1. Thomas
    2. April 2017 at 13:40

    Super Test! Die Berichte lese ich immer wieder gerne.
    Gerade die 1000-Euro Klasse ist für mich auch super interessant.

    Zum Slotting- und Intronations-Verhalten der getesteten Trompete:
    Hast du den Test mit verschiedenen Mundstücken und/oder Variation des Mundstückspalts (->Gap) wiederholt?
    Meine Erfahrung ist, dass manche Instrumente massiv darauf reagieren.
    Hat das irgend etwas verändert?

    • TrumpetScout
      2. April 2017 at 14:45

      Hallo Thomas,

      ich teste immer mit den zwei Mundstücken, die ich benutze (und die keine Exoten sind). Mit Klebestreifen oder echten Sleeves experimentiere ich aber nicht – das macht ein potenzieller Käufer auch nicht. Abgesehen davon wäre das den anderen Trompeten gegenüber nicht „fair“, da sie sich unter gleichen Bedingungen anders und in diesem Fall praktischer verhalten.

      Du kannst dich übrigens noch auf viele weitere Instrumente der 1.000-Euro-Klasse freuen!

  2. Reinhard Faust
    3. April 2017 at 7:29

    Gelungener Test! Alles kann ich im Großen und Ganzen so bestätigen. Wie schon berichtete hatte ich die Stomvi Forte mehrere Jahre als Hauptinstrument. Die Problematik im Ensemble ist klar erkennbar: Hohe Töne stechen sehr heraus uns sind außerdem durch das mangelhafte Slotting schwer sauber zu spielen.

    Eine Kritikpunkt ist mir noch aufgefallen: Das Etui war sehr schlecht verarbeitet und schon nach wenigen Tagen gingen innen die ersten Nähte auf… in der Preisklasse indiskutabel.

    Ansonsten habe ich sehr gerne auf der „Forte“ gespielt und konnte sie auch ohne größere Verluste sehr gut und schnell weiterverkaufen! Das lag vielleicht auch am sehr hübschen Äußeren des Instrumentes.

    Ich freue mich schon auf weitere Tests in der 1K € Klasse! Weiter so!

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