Sinnvoll für Trompeter oder nicht? So leise machen Übedämpfer wirklich!

Wir Trompeter spielen eines der lautesten Instrumente. Das sorgt beim Üben manchmal für ein schlechtes Gewissen und hin und wieder auch für handfesten Knatsch: in der eigenen Familie, mit den Nachbarn oder im Urlaub mit anderen Feriengästen. Ein Übedämpfer kann Anfeindungen vorbeugen und das Gewissen beruhigen. Nur: Wie leise macht der wirklich? Der TrumpetScout hat nachgemessen.

Ein Übedämpfer, der aus dem Becher eine Sonnenblume macht. Wie immer geht es bei TrumpetScout aber nicht um die Optik, sondern um die inneren Werte. Dieses Mal um die Lautstärkereduktion durch einen Practice Mute.

Wenn der Tag wieder einmal lang war, doch der Übegeist noch nicht ermüdet ist, wünscht man sich am liebsten einen schalldichten Raum im Keller, um auch zu später Stunde seine tägliche Trainingseinheit an der Trompete absolvieren zu können. Den hat aber kaum einer. Dann kann man den Notfalltrick des ehemaligen TrumpetScout-Lehrers aus dem Ärmel ziehen und in den (möglichst vollen) Kleiderschrank spielen. Ja, das bringt etwas, ist aber weder bequem noch hat man Bewegungsspielraum oder Platz für einen Notenständer. Außerdem: So leise macht das auch nicht. Wirkungsvoller ist es da schon, den Schallbecher zwischen Matratze und Bettdecke zu begraben (gerade im Hotel ein probates Hilfsmittel!). Aber auch diese Technik lässt sich nur schwer mit guter Körperhaltung vereinbaren. Zum Glück gibt es deshalb den Übedämpfer.

Vier Vertreter ihrer Art. Von links nach rechts: der Practice Mute von Mannie Klein, The Peacemaker, der Vhizzper und ein Übedämpfer aus dem 3D-Drucker.

So viel Lautstärke schluckt ein Übedämpfer

Für den TrumpetScout, der auch im Urlaub die Trompete stets dabei hat, sind Übedämpfer seit mittlerweile Jahrzehnten ein unverzichtbares Behelfsmittel. Einige befinden sich daher schon lange in seinem Besitz. Allerdings könnten diese gerne noch viel mehr dämpfen. Denn wer nach einer Tagesreise entweder zuhause oder im Hotel angekommen ist und nach Mitternacht noch die Trompetentasche aufmacht, den beschleicht auch beim zaghaftesten Ton das Gefühl, gehört zu werden, ergo andere zu stören. Ist diese Furcht berechtigt? Zunächst einmal die Messergebnisse:

Die erste Spalte zeigt, im Gegensatz zum Artikel über die maximale Lautstärke, welchen Schalldruckpegel eine Trompete auf sechs Meter Entfernung erzeugt, wenn sie normal geblasen wird. Ja, normal ist schwer objektiv zu definieren und ganz sicher auch nicht von anderen Trompetern genau so reproduzierbar. Die Abweichung zu den Maximalwerten von rund 10 bis maximal knapp 14 Dezibel (was im dargestellten Frequenzbereich auch ungefähr 10-14 Phon entspricht) belegt aber, dass die in der Tabelle als „mittlere Lautstärke“ bezeichnete Normallautstärke als halb so laut oder gar noch leiser wahrgenommen wird (mit 10 Phon Rückgang beim Lautstärkepegel geht auch eine empfundene Halbierung der Lautheit einher). Dass noch immer 100 dB und auch deutlich mehr trotzdem nicht als Piano eingestuft werden können, dürfte aber angesichts von ebenfalls 100 dB bei einem Presslufthammer auf einen (!) Meter Entfernung mehr als offensichtlich sein.

Die zweite Spalte zeigt die Werte mit dem leichtesten, aber nicht leisesten der oben gezeigten Übedämpfer bei gleichem Energieeintrag. Die größten Differenzen mit an die 17 dB können aufgrund der nicht zu gewährleistenden Gleichheit des Anblasens getrost ignoriert werden. Aber ein Mittel von 14,5 dB ist schon beachtlich.  Mit Dämpfer ist die Trompete also nicht einmal mehr halb so laut.

Die Messwerte wurden mit dem ‚kleinen Gelben‘ erzielt.

Spalte 3 zeigt, wie laut die Trompete im Flüstermodus ist: Leichtes, leises Spielen mit Practice Mute drückt den Schalldruckpegel im Schnitt deutlich unter die 80 dB-Marke. Manche sagen, das sei immer noch so laut wie ein Staubsauger oder wie ein Auto in 10 Meter Entfernung. Also immer noch zu viel für ein nächtliches Lippenworkout oder eine frühmorgendliche Hotelsession? Der TrumpetScout befürchtet ja, obwohl das immer auch von der Dicke der Wände abhängt.

Gibt es nicht noch leisere Übedämpfer?

Die Trompete durch Dämpfer leiser zu machen, ist nicht das eigentlich Problem. Die Herausforderung ist, dabei die Spieleigenschaften des offenen Instruments so gut wie möglich zu erhalten. Je besser ein Dämpfer eben dämpft, desto größer wird in aller Regel auch der Widerstand. Irgendwann bläst sich die Trompete so, als hätte ein Kollege in der Pause eine Socke in den Becher gestopft. Das untere Register funktioniert dann meist überhaupt nicht mehr, die Artikulation leidet und die Intonation ist in Geiselhaft. So zu üben bringt kaum noch etwas.

Der schwarze Peacemaker ist der leiseste – wenn man den Vhizzper davor nicht bis zur Unspielbarkeit zuschnürt.

Von den vier oben abgebildeten Dämpfern aus dem TrumpetScout-Privatarsenal ist der populäre Peacemaker (den man auch mit Stethoskop-Kopfhörern benutzen kann) der leiseste und der aus Karton gemachte Sh! Sh! Quiet von Mannie Klein der lauteste. Der Vhizzper hat mehrfache Verstellmöglichkeiten und kann ‚geschlossen‘ sehr leise sein, ist dann aber im Prinzip nicht mehr übetauglich. Und ‚offen‘ ist er lauter als das sehr kleine (gut für den Transport) und leichte Exemplar aus dem 3D-Drucker, den der TrumpetScout von einem Musikerkollegen erhielt. Der hat trotz der zweitbesten Dämpfungswirkung nicht nur eine tolle Ansprache durch die ganze Range, sondern auch noch die Vorteile, dass er kaum aus dem Becher herausragt und zudem sehr leicht ist. Eine Kopflastigkeit beim Spielen ist deshalb überhaupt nicht zu verzeichnen.

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Natürlich gibt es noch viele weitere Modelle von anderen Herstellern. Dies ist aber kein Testartikel für einzelne Produkte bzw. keine Kaufberatung.

Ist die Erlösung nah?

Auch wenn ein noch geringeres Volumen wünschenswert wäre, hat ein Übedämpfer, wie man ihn aktuell mannigfaltig kaufen kann, zweifelsfrei Existenzberechtigung – schließlich gibt es nicht nur die Extremsituationen Hotel, Mitternacht oder öffentlicher Raum. In einer WG, einem hellhörigen Haus, in der Mittagspause am Arbeitsplatz oder an anderer sensibler Stelle ist er von sehr großem Nutzen. Ein Practice Mute nimmt der Trompete den größten Schrecken und bringt sie in puncto Schalldruckpegel auf ein Niveau mit einer Flöte oder einem laut aufgedrehten Fernseher. Das ist doch schon mal was!
Auf einen Freifahrtschein fürs 24/7-Üben überall, das dabei noch uneingeschränkt Spaß macht, weil das Blasgefühl ähnlich dem bei einer offenen Trompete ist, muss die After Hour-Trainingscrowd hingegen noch warten.

Zum Schluss noch einmal der Hinweis: Die Trompete ist verdammt laut. Üben sollte man deshalb gerade in engen Räumen nicht ohne Gehörschutz oder zumindest einen Cup-Dämpfer.