Buescher: Maker of the True Tone – auch bei Trompeten?

Buescher – das klingt wie deutsche Wertarbeit. Dabei handelt es sich aber um eine US-amerikanische Instrumentenmarke, die es zu Weltruhm brachte und in den 1960ern wieder in der Versenkung verschwand. Der TrumpetScout hat sich einige Trompeten aus der Blütezeit genauer angeschaut.

 

Seit langer Zeit wollte sich der TrumpetScout dieser Marke annehmen. Immer wieder tauchten Aristocrat-Modelle von Buescher in den einschlägigen Gebrauchtbörsen auf, allein ein Kauf ins Blaue schien doch nie richtig zu sein. Dann kam irgendwann ein Besuch beim Instrumentenbauer, der sich gerade eine Buescher zulegte, nachdem sie ein Kunde abgeboten hatte. Der Zustand dieser Lightweight 400 – Modellcode: 217 – war vitrinenwürdig. Zwar lackfrei, aber in makellosem Zustand. Es muss nicht gesagt werden, dass diese Preziose aus den 50er Jahren gleich getestet werden wollte und durfte.

Kurz darauf besuchte der TrumpetScout ein Wiener Musikgeschäft, um ein Flügelhorn zu probieren. Heraus kam er mit einer Buescher Aristocrat-Trompete, Modellbezeichnung: 244.

Doch damit nicht genug. Noch einmal warf sich eine Buescher-Trompete in Weg. Diese wurde innerhalb der Familie bereits zwei Mal vererbt, lag aber mittlerweile geraume Zeit auf einem Dachboden und suchte nun Erlösung aus dem Dornröschenschlaf. Dieses Mal handelte es sich sogar um ein Modell aus den 40er Jahren.

Mehr zu diesen Zeugen einer längst vergangenen Ära später. Jetzt erst einmal zu Gus Buescher – dem Firmengründer und Namensgeber.

Buescher: true story behind the true tone

Ferdinand August Buescher war sehr wahrscheinlich Sohn deutscher Einwanderer – der Büschers. Da Umlaute im Englischen nicht vorkommen, wechselten wohl bereits die Eltern auf die Schreibweise, die der originalen Variante am nächsten kommt, aber auch mit englischem Buchstabenvorrat realisierbar ist.

Gus Buescher wurde 1861 in Ohio geboren und landete mit seinen Eltern 1875 in Elkhart, Indiana – dem US-amerikanischen Hot Spot für Instrumentenerzeugung. Ein Jahr später, im Alter von 15 Jahren, nahm er seine Arbeit bei Conn auf und wurde dort zu einer wichtigen Figur, vor allem im Bereich des Saxofonbaus: Verschiedene Quellen sprechen davon, dass er 1888 zum Vorarbeiter wurde und später dann das erste Conn-Saxofonmodell entwarf bzw. nach Vorbild eines originalen Saxofons – also eines von Adolphe Sax – baute.

 

True Tone – die Insignie der Profiklasse bei Buescher.

 

1894 machte er sich selbstständig mit Instrumenten und anderen Metallprodukten, 1904 wurde die Buescher Band Instrument Company gegründet. 1916 – er war dazumals bereits 55 Jahre alt – verkaufte er große Teile dieser Firma an Investoren. Das tat dem Erfolg jedoch keinen Abbruch und Buescher avancierte in den 20er Jahren zur Topmarke im Bereich des Saxofons und konnte in dieser Sparte mit Conn und Martin konkurrieren. In jener Zeit wurde auch das zusätzliche Produktlabel ‚True Tone‘ für alle Profiinstrumente ersonnen  Mit dem Aufkommen neuer Technik bei der Klappenmechanik ging der Absatz nach Ende des Zweiten Weltkriegs bzw. Anfang der 50er Jahr rapide zurück. Ferdinand Gus Buescher hat dies jedoch nicht mehr erlebt, da er 1937 in Elkhart verstarb.

What about the trumpet??

Jetzt könnte man sich fragen, warum man Trompeten von einem Saxofonhersteller kaufen sollte. Nun, wer das eine kann, muss das nicht nicht können. Das zeigten die bereits erwähnten Unternehmen Conn und Martin. Bei Buescher dürfte das nicht anders sein, zumal in Elkhart schlicht die Crème de la Crème des Instrumentenbaus der USA versammelt war.

 

Verkehrte Welt bei Buescher: Der Stimmzug führt links in den Maschinenstock, der dritte Ventilzug sitzt dagegen rechts.

 

Die Trompeten, die dem TrumpetScout für diesen Artikel zur Verfügung standen, machten ganz eindeutig klar, dass es sich um Profiinstrumente ihrer Zeit handelte. Interessant sind die alten Buescher-Hörner aber alleine aufgrund ihrer Konstruktion – denn diese ist in ihrer konsequenten Umsetzung einzigartig.

Reversed tuning silde – aber auf Buescher-Art

Gemäß der Modellliste des buescherloyalist.com wurden die ersten Kornette und Trompeten mit dem Namen Buescher um 1900 herum gebaut. Diese frühen Instrumente klammern wir in unserer Betrachtung aus und springen gleich zu denen ab den 1930er Jahren. Diese stechen durch eine konzeptionelle Besonderheit aus der Masse der anderen Trompeten heraus: Das dem Stimmzug folgende gerade Rohr mündet nicht auf der (aus Spielersicht) rechten Seite ins dritten Ventil, sondern auf der linken. Der Stimmzug steht demzufolge nicht aufrecht, sondern ist nach rechts gekippt und zwangsläufig auch länger, da er mehr Weg überbrücken muss. Das sieht zunächst einfach merkwürdig aus – eben wie falsch gewickelt. Deshalb findet sich auf einigen Webseiten auch die Beschreibung ‚reverse wrap‘.

 

Verkehrt, aber deshalb nicht falsch. Bei vielen Buescher-Trompeten sind dritter Zug und Stimmzug seitenvertauscht.

 

Hinzu kommt, dass der dritte Zug bei diesem Seitenwechsel mitmachen muss. Er ist also rechts positioniert. Damit lassen sich Stimmungskorrekturen nicht ganz so einfach mit der linken Hand vornehmen wie in der regulären Anordnung. Diese verkehrte Welt löst also zunächst einmal Skepsis aus. Warum wurde das gemacht? Die Antworten aus dem Netz: Da buchstäblich mit links, soll sich der Stimmzug auch während des Spiels verschieben lassen. Die andere Rohrführung lässt andere Winkel zu, die Ansprache und Intonation optimieren sollen. Die für den TrumpetScout überzeugendste Erklärung: Die Konstruktion war und ist anders als der Mainstream – und das schärft das Profil einer Marke.

Buescher 217: Lightweight 400

Die erste Trompete, die hier im Detail besprochen werden soll, ist die Lightweight 400. Auf dem zweiten Ventilzylinder auf Griffseite steht dort eher unscheinbar die Nummer 217. Das ist bei Buescher die kurze Modellbezeichnung, zu der sich dann meist noch ein griffiger Name gesellt – auch wenn das gerade hier nicht der Fall. Dieser Trompete taufte man also zwei Mal mit Nummern mit jeweils drei Ziffern. Auch das – nicht nur die Optik – kann man als komisch bezeichnen. Interessanterweise wechselte dieser Kurzcode bei diesem Modell auch noch. Die Lightweight 400, gebaut ab zirka 1948, trug erst das Kürzel 228 und wurde dann ab Anfang der 50er auf 217 umbenannt.

 

„The Lightweight 400“. Das besagt die recht verschnörkelte, aber wunderschön gearbeitete Bechergravur.

 

Mit 995 Gramm macht sie dem Namenszusatz aber alle Ehre. Die Trompete ist überwiegend aus Messing gefertigt. Aus Neusilber gemacht sind die Außenrohre der vier Züge (nicht die Rohre, in die die Züge geschoben werden!), die Rohre in denen der Stimmzug verschwindet, die Manschette zwischen Maschine und Becher, der Fingerhaken, die Mundstückzwinge und die Stützen. Jene verbinden – wie bei Conn üblich – die Teile, an denen sie angelötet sind, auf direktem Wege. Diese orthogonale Verstrebung mit jeweils drei Teilen macht ein spannungsfreies Anbringen einfacher, da das Mittelstück die Länge in gewissem Umfang variabel macht.

 

Der Wrap ist eher eng, die Ventilbüchsen stehen auf der Unterseite weit über – ohne Deckel 34 mm, während es bei einer handelsüblichen Yamaha nur 25 mm sind. Die Ventilkonstruktion scheint auf geringes Gewicht getrimmt, wenn auch mit drei Führungsnasen aus Metall ausgestattet. Die Bohrung selbst hat 11,7 mm. Das ist absolut modernes (europäisches) Standardmaß für Medium Large.

 

Wunderschön patiniert ist die Lightweight 400 ungefähr ein Jahr nach der Restentlackung.

 

Alle Züge sind doppelt männlich ausgeführt, den Becher mit 117 mm Ausgangsdurchmesser zeichnet eine klar erkennbare Quernaht 4,5 cm vor Ende. Die Form ist unauffällig. Doch der Becherrand weist eine Besonderheit auf, die dem TrumpetScout so noch nie untergekommen ist: Es scheint, als sei so etwas wie ein Mini-Schmetterkranz aus Messing augesetzt, der nur einige wenige Millimeter breit ist.

 

Schmetterkranz XS bei dieser Buescher-Trompete

 

Obwohl im Jahr 1950 gebaut, spielt sich diese Trompete nicht wie alte Technik. Sie ist nicht gigantisch groß, aber auch nicht eng. Für den TrumpetScout funktionierte sie gut mit dem kleinen Shew Lead-Mundstück, aber auch mit dem tiefen, großen Schilke 17D4 – sogar in der Höhe. Tatsächlich litt das Slotting mit dem großen Pott ein wenig und das Intonationszentrum musste hie und da gesucht werden. Grundsätzlich ist die Buescher 217 – sofern die Ventile so gut erhalten sind wie beim Testinstrument – aber voll nutzbar, trotz ihrer mehr als 75 Lenze. Für ein Blechbläserensemble oder das Sinfonieorchester wäre sie nicht die erste Wahl, aber für alles andere kann man sie durchaus einsetzen. In der Big Band sieht der TrumpetScout den legitimen Platz – natürlich mit Repertoire der Zeit rund um den Geburtstag dieses handwerklichen Meisterstücks.

 

Beim reversed wrap muss der Fingerring verstellbar sein. Ansonsten sind die verschiedenen Handgrößen kaum abzudecken.

 

Buescher 244: Custom Built Aristocrat

Im Vergleich geradezu gewöhnlich kommt die Aristocrat aus dem Jahr 1952 daher. Sie hat weder reverse wrap noch ein Schmetterkränzchen. Das Bohrungsmaß liegt bei durchschnittlichen 11,7 mm, das Gewicht bei weder schweren noch ultraleichten 1.023 Gramm. Ansonsten ist viel wie bei der Lightweight 400: Alles Messing außer die äußeren Zugrohre aus Neusilber (eine gewöhnliche Aristocrat unterschied sich von der Custom Built Aristocrat laut buescherloyalist.com durch die standardmäßigen Neusilberteile), die Stützen rechtwinklig montiert, weit überstehende Ventilbuchsen unten und drei Kreuzelführungen pro Ventil. Lediglich die Stützen in den kurzen Zügen scheinen hier aus Messing gefertigt zu sein.

 

Wie bei der Lightweight 400 sitzt auch bei der Aristocrat der Maschinenstock sehr nahe beim Mundstück. Das Verhältnis von davor zu danach scheint wie 1:2.

 

Besonderheiten gibt es dennoch: Ventildrücker sowie Ventildeckel oben und unten springen mit ihrem oktogonalen Design ins Auge. Die Deckel unten laufen trichterförmig aus – erst flacher, dann steil. Das sieht aus, als hätte die Trompete Schmiernippel.

 

 

 

Weiteres Detail: Die Wasserklappen erinnern an die berühmte Martin Committee. Sie können durch seitliche Hebel mit einer Hand simultan geöffnet werden.

Die Mundstückzwinge ist noch länger als bei der Buescher 2017, aber ebenfalls aus Neusilber gemacht. Wie bei der Lightweight 400 sitzt die lange Stütze vor dem Stimmzug, nicht direkt im Stimmbogen. Das erlaubt eine wirkungsvolle Veränderung von Ton und Ansprache durch eine variable Stimmzugstütze – die Aristocrat reagierte auf den Stützmeister im Test sehr stark.

 

Lange Zwinge und deutlicher, aber nicht extrem langer Überhang

 

Der Becher der 244 Aristocrat ist am Ausgang etwas größer, zirka 121 mm beträgt der Durchmesser. Zudem zeigt die Inspektion eine Längsnaht mit den typischen Zähnen, die auf Blattzuschnitt hinweisen und eine Quernaht, die einen aufgesetzten Trichter markiert. Ist der Schnitt merklich anders? Mit bloßem Auge ist nebeneinander kein (evidenter) Unterschied auszumachen. Auch hier wurde wohl auf eine Standardform gesetzt.

 

Gut sichtbar sind bei der Buescher 244 eine Längs- und eine Quernaht imm Becher.

 

Ist das Mehrgewicht im Vergleich zur Lightweight 400 zu spüren? Mitnichten. Weder in der Hand, noch beim Spielen. Während der Widerstand sehr ähnlich ist, kann man im schnellen Hin und Her zwischen 217 und 244 folgende Unterschiede feststellen: Die Lightweight 400 rastet mit dem flachen Mundstück ein wenig tiefer und der Ton wirkt zentrierter. Dagegen funktionierte die Custom Built Aristocrat mit dem tieferen Schilke spürbar besser, war transparenter und intonierte auch sauberer. Doch auch mit dem flachen Bobby Shew harmonierte die Trompete hervorragend. Hier war der Ton etwas breiter und lebendiger als bei der 217 – sie sang regelrecht im Forte. Eigentlich so, als wäre sie das leichtere Horn. Hier gibt es ein Soundbeispiel. Auf beiden Hörnern war auch die obere Peripherie der Range gut umsetzbar, bei beiden waren G3, Gis3 und A3 sehr greifbar.

Ein Profi, der für ein Musical-Engagement auf der Suche nach einer neuen Perinettrompete war, blieb wegen der tollen Spieleigenschaften und des lebhaften Klangs an der Aristocrat zunächst hängen, kam aber mit einigen Tönen intonatorisch nicht ins Reine. Beim TrumpetScout war dies gar kein Problem. Alle Töne saßen spot on – nicht nur laut Stimmgerät, auch im Realeinsatz. Hier zeigte sich wieder einmal, welchen Unterschied Spieler und Mundstück gerade bei der Stimmung ausmachen können.

 

 

Abschließendes Urteil: Zwar sieht der TrumpetScout die Gefahr der Beeinflussung durch die konventionelle Optik, aber er würde sich dennoch zum Urteil hinreißen lassen, dass die getestete (Generation der) Aristocrat das modernere Instrument ist, wenngleich beide nicht nur ungefähr gleichalt, sondern auch als gleichwertig seinerzeit im Trompetenkatalog von Buescher geführt wurden.

Buescher US Military Model: die namenlose Trompete

Wie anfangs erwähnt, gesellte sich auch noch eine dritte Buescher zum Reigen der Testinstrumente. Diese wurde über Monate zum Verkauf angeboten, doch eine fast schwarze Patina und viele unschöne Stellen vereitelten einen Eigentümerwechsel gegen Geld. Der TrumpetScout konnte sie schließlich dann doch einmal ohne große Umwege bei der Verkäuferin probieren und entschloss sich, das Wagnis einzugehen, wenngleich viel Arbeit und damit Zeit zu investieren wäre. Interessant war zudem die Geschichte des Instruments. Der Großvater hatte bereits darauf gespielt und gab die Trompete an den Vater weiter. Irgendwann erbte die Tochter dann das Stück. Die Frage, die sich stellte: Wie kommt eine US-amerikanische Perinettrompete (schätzungsweise) in der Nachkriegszeit in eine Gegend wie die des oberösterreichischen Attersees, die besonders stark geprägt ist von traditioneller Blasmusik, die wiederum bis heute dominiert wird von Drehventilinstrumenten?

Wahrscheinlich spielte die Weltpolitik eine Rolle. Dieser Teil des Landes war nach Ende des Zweiten Weltkriegs besetzt von den USA. Damit einher gingen nicht nur eingeflogene Streitkräfte, sondern auch importiertes Kulturprogramm. Dazu gehörten sicher auch Militärorchester. Als die Amerikaner wieder abzogen, blieb wahrscheinlich diese Trompete hier.

 

U.S. – es handelt sich bei dieser Trompete um eine aus ehemaligem Militärbestand.

 

Eine Identifikation über die übliche dreistellige Nummer auf dem zweiten Ventilgehäuse war hier nicht möglich. Es gab keine. Es folgten viele Versuche, über die Bauweise und das Bohrungsmaß eine Übereinstimmung mit dokumentierten Modellen zu finden. Doch nichts passte zu 100 %. Erst nach längerer Suche brachte schließlich ein rein textlicher Hinweis auf brasshistory.net Licht ins Dunkel: „1942-1944  Limited production during the war for US military band contracts only.“ In jener Zeit baute Buescher (Trompeten) also ausschließlich für das Militär. Die Seriennummer 301.138 verweist auf das Jahr 1943. Das Horn dürfte also noch in jungen Jahren den Sprung über den großen Teich gemacht haben.

 

Auch eine TrueTone, aber ohne Modellbezeichnung. Einzig LP für Low Pitch steht unten auf dem Ventilgehäuse.

 

Dieses Militärmodell wiegt zunächst einmal deutlich mehr als die nach Kriegsende gebauten Modelle 217 und 244: 1.141 Gramm schlagen zu Buche, und das sogar ohne die einst im Stimmbogen eingelötete Stütze in C-Form.

 

Reversed Wrap und daher langer Stimmzugbogen. Von der Stütze zeugen nur noch die nichtversilberten Ansatzflächen.

 

Der Widerstand ist im Vergleich mit den anderen beiden Modellen sehr hoch. Dennoch funktionierte die Trompete für den TrumpetScout gut genug für eine erfolgreiche Big Band-Probe an der ersten Stimme. Was jedoch nicht wirklich funktionierte, war das unterste Register, vor allem das C1 stopfte, als wäre noch ein Knopf einer alten Uniform im Trichter. Doch auch die Züge gingen nicht gut und ein Stopp beim Instrumentenbauer war unumgänglich. Um die Oxidation kümmerte sich der TrumpetScout voreilig mit zu grobkörniger Paste, weshalb das Silber gleich mattgeschliffen, statt sauber glatt aufpoliert wurde. Natürlich folgte dann auch eine Grundreinigung.

Dann zeigte sich ein weiteres Problem aber erst mit voller Wucht: Nachdem der (vielleicht) jahrzehntealte Schmutz- und Ölfilm abgewaschen war, spielte sich die Trompete viel schlechter. Undefiniert und dumpf, als hätte sich jetzt sogar ein Socken hinein verirrt.

 

Noch ein Flicken oder doch schon ein Schutzschild gegen Abrieb durch die Hand?

 

Da das Instrument übersät ist mit Kampf- und Verarztungsspuren und das Mundrohr in der Zwinge keine durchgehende klare Kante bildete, kam der Verdacht auf, dass hier etwas manipuliert wurde. Für das Originalmundrohr spricht zwar der enorm große Patch auf der Unterseite, aber durch Stürze und Richtbemühungen könnte dennoch etwas aus den Fugen geraten sein. Deshalb war eine Überlegung, ein neues Mundrohr samt neuer Zwinge einzusetzen. Die Idee, das Mundrohr eines anderen Instruments über den Bogen mit dieser Buescher zu verbinden und damit den Effekt eines funktionierenden Bauteils zu testen, blieb fruchtlos. Diese Militär-Buescher hat eine Bohrung von lediglich 11,35 mm. Schiebt man ihren Stimmzug in das Rohr (nach der Leadpipe) einer ML-Trompete, dichtet diese Kombi nicht ab. Und die verfügbaren privaten Conns? Waren zu eng für den Zug.

Aber könnte es nicht doch auch an den abgenutzten Ventilen liegen? Der TrumpetScout probierte Zugöl und sogar Slide-o-Mix aus dem Posaunenkoffer – doch nichts half.

 

Zwei Dinge sind erkennbar: Das Instrument hat die Seriennummer auch auf den Ventilen eingestanzt. Und die Laufflächen sind total abgerieben, wodurch die Kolben Spiel bekommen und die Ventile undicht werden.

 

Erst der Besuch beim heimatlichen Instrumentenbauer brachte einen Erfolg. Nach weiteren Versuchen mit neuen Mundrohren kam ihm die Idee, ein Gelenköl aus dem Drehventilbereich bei den Pumpventilen anzuwenden. Und siehe da: Die Trompete klang plötzlich wieder eine Trompete: kernig, laut, direkt. Auch das tiefe C war wieder da. Nur laufen jetzt die Ventile nicht mehr so schnell, wie es ein ‚Moto perpetuo‘ verlangen würde.

 

Das Buescher Kriegsgerät: teilpoliert, aber wieder voll spielfähig.

 

Wie es unter der Versilberung aussieht, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Aber es liegt nahe, das auch hier nur Messing und Neusilber zum Einsatz kam. Interessant ist, dass der dritte Ventilzug – anders als bei den späteren Trompeten (siehe oben) – männlich-weiblich konstruiert ist. Der Reversed Wrap ist klassisch Buescher, die Stütze zwischen Mundrohr und zweitem Ventil hat die Form wie bei der Aristocrat. Doch die Ventile stehen auf der Unterseite nicht so weit heraus. Die Verwandschaft ist glasklar, aber dennoch handelt es sich um ein ganz und gar eigenes Instrument. Der Marschgabelhalter erinnert an den Militäreinsatz, das Kernige im Ton auch. In der Fantasie des TrumpetScout kam sie natürlich aber auch in einem Swing-Orchester zum Einsatz und fuhr von Offizierscasino zu Musikclub in einem offenen Jeep. Wie schön wäre es doch, wenn diese Trompete sprechen und erzählen könnte?

Der TrumpetScout hat sie nun erst einmal als Urlaubstrompete in der Heimat liegen. Viellicht wird sie noch vollständig und korrekt poliert. Falls jemand Interesse an so einem historischen Artefakt hat, könnte er es für kleines Geld erwerben. Ansonsten bleibt es ein besonderes und mittlerweile über 80-jähriges Erinnerungsstück in der eigenen Sammlung.

Das Ende vom Lied

Das oben erwähnte Aristocrat-Modell wurde quasi durch die gesamten 50er Jahre gebaut. Es trug den Namen der Buescher-Topmodelle, welcher vor allem durch die Saxofone weltweit bekannt wurde. Doch das blaue Blut im Namen geht bei den Trompeten bis auf die 30er Jahre zurück. Seit jener Zeit finden sich Top-of-the-line-Modelle mit dieser vornehmen Bezeichnung. Erst in den 40er Jahren gesellte sich die 400 als gleichwertig dazu. Als Buescher dann 1963 an Selmer verkauft wurde, verblasste der Glanz des alten Adels rasch. Von jenem Zeitpunkt an sollten sich Schülermodelle auf Blech- wie auf Holzseite über das Etikett ‚Aristocrat‘ verkaufen. Damit war das Ende besiegelt, 1983 wurde die gesamte Marke Buescher von den neuen Eigentümern beerdigt.

Die Arbeit an diesem Artikel erstreckte sich über ein gutes Jahr und umfasste Ankäufe, Reparaturen, Reinigung und natürlich die ganze Recherche-, Schreib- und Fotoarbeit. Bitte unterstütze dann die TrumpetScout mit einer Spende, damit auch weiterhin solche Beiträge entstehen können. Nur wenige Euros reichen aus: paypal.me/trumpetscout! Danke! 

Sehr wahrscheinlich rührt die aktuelle Wahrnehmung der Buescher-Trompeten von jener späten Zeit her, als die Marke nur noch auf dem Papier bestand, und das ist schade. Denn gerade die Instrumente aus der Dekade des Niedergangs durch massiv nachlassende Saxofonverkäufe nach 1950 bieten neben einzigartiger Optik hohe Fertigungsqualität, modernes Spielverhalten und tollen Sound – und das bei moderaten Preisen.