Christoph Moschberger: Songs & Tales

Universaltrompeter Christoph Moschberger nahm mit dem WDR Funkhausorchester ein Album auf. Songs & Tales, also ‚Lieder und Geschichten‘ heißt es. Der TrumpetScout hat diesen gelauscht.

Christoph Moschberger bei der dreitägigen Aufnahmesession mit dem WDR Funkhausorchester

 

Ein Christoph Moschberger kann einem eigentlich nicht entgangen sein: Während und nach seinem Jazzstudium in Köln war er in jeder Rundfunk-Big Band und TV-Kapelle der Nation Ersatzmann Nr. 1, tourte danach mit Pop Acts im Nightliner durch die Lande und wurde zeitgleich ein Aushängeschild der traditionellen Blasmusik durch seine Auftritte mit den größten Namen der Zunft und als Gallionsfigur des größten Blasmusikfestivals, das Europa zu bieten hat. Doch damit nicht genug. Er veränderte sich weiter und ist heute ein allerorten gefragter Solist, hochkarätiges Ensemblemitglied – in erster Linie bei Federspiel –, publiziert en passant Blasmusiknoten und ist im Nebenjob Cheftrainer im eigenen Online-Trompetenklub.

Wie das geht? Durch Können und Wollen. Und einen Riecher für die richtigen Projekte. So wie das mit dem WDR Rundfunkorchester. Das Ergebnis der Zusammenarbeit von Moschberger und jenem großen Klangkörper gibt es jetzt auf Spotify zu hören. Der Titel: Songs & Tales.

Songs & Tales – ein schmackhaftes Sandwich mit ordentlich Gehalt

Das Album ist ein Sandwich. Das Baguette besteht aus leicht verdaulichen, aber keinesfalls leichten Titeln, die Moschbergers Leben und Vorlieben auf gewisse Art nachzeichnen. Musik von US-Soulstar Stevie Wonder oder dem österreichischen Komponisten und Organisten Christian Dreo – oder vom Solisten selbst. Denn am Ende der Playlist steht ein für die eigene Tochter komponiertes Schlaflied. Dazwischen aber erwartet den Genießer ein saftiges Roastbeef mit intensiver Jus und allerlei erlesener Garnitur. Denn Kern von Songs & Tales ist ein eigens für Moschberger komponiertes Trompetenkonzert aus der Feder von Matthias Werner. Das trägt den Namen Yggdrasil, womit in der nordischen Mythologie der Weltenbaum bezeichnet wird. Wenn man so will eine Allegorie allen Lebens und des gesamten Kosmos.

 

 

Man muss aber kein Spezialist für altnordische Sagen sein, um diese Musik verstehen zu können. Das Gegenteil ist der Fall. Die Komposition ist voll solcher Plastizität und expliziter Assoziationskraft, dass es einem unmöglich ist, beim Hören keine glasklaren Bilder im Kopf zu haben. Es ist unverkennbar, dass Filmmusik für Komponist Werner eine der ersten Geigen spielt. Dabei ruft er die Bandbreite des Orchesters generös und routiniert ab. So wird die gute halbe Stunde Spielzeit der vier Sätze zu einem Kurzfilm ohne Videospur. Fließend, erzählerisch, umarmend. Dass dem Solisten dabei einiges abverlangt wird, könnte man dabei fast vergessen.

Mühelos virtuos und dabei nicht prahlerisch

Spielerisch absolviert Moschberger die extrem technischen Passagen, mühelos turnt er im Treppenhaus der Intervalle und meisterhaft verstellt er seine Stimme wie es eine jede Passage verlangt. Denn das ist wohl die größte Stärke des Wahltirolers: Mit nur einer Trompete und einem Mundstück entfaltet er ein Klangspektrum, für das viele andere ganz tief in die Instrumententrickkiste greifen müssten. Von brüchig und luftig über cremig bis hin zu orgelhaft schmetternd. Dass zur Anforderung des Konzerts auch stellenweise Improvisation gehört, sorgt beim Solisten naturgemäß nicht für Angstschweiß. Er ist seit jeher ein Mann der Ohren und des freien Spiels. Was ihn neben all diesen Eigenschaften auszeichnet: Bei aller Virtuosität schreit sein Vortrag an keiner Stelle: „Schau, was ich kann!“ Moschberger ist kein Zampano, sondern ein vollkommener Interpret im Dienste der Musik.

 

Auf diesem Album geht es durchaus zur Sache – in jeder Hinsicht.

 

Noch ein kleiner Tipp für alle Trompeter, die sich noch gut an The Green Hornet erinnern, eine Solonummer von Al Hirt, die Moschberger in seinen Sturm-und-Drang-Jahren oft vortrug: Die Paramount Rhapsody beschert uns Trompetern wieder ein Bravourstück mit Reminiszenzen an den legendären Hummelflug und der Energie eines Arrangements, das den Swing der frühen Big Band-Ära aufgreift. Hinten überzeugt das WDR Funkhausorchester und vorne glänzt Christoph ‚Harry James‘ Moschberger.