Mit jedem Ton pusten wir Blechbläser Feuchtigkeit in unsere Trompete, unser Flügelhorn, die Posaune und alle anderen Blecheumel. Immer mit dabei: Säuren und Mineralien aus unserem Speichel und oft auch Speisereste. Erstere sorgen für Korrosion, letztere verstopfen das Rohr und sind Nährboden für Bakterien. Deshalb ist eine gründliche Reinigung von Zeit zu Zeit notwendig – für die eigene Gesundheit und zum Schutz des Instruments. Der TrumpetScout sagt, wie man auch als Laie am besten für Sauberkeit sorgt.
Der TrumpetScout hat eine gewisse Erfahrung im Reinigen von Trompeten. Seit mehreren Jahrzehnten wird geputzt, gewaschen und gesäubert. Durch die vielen Testinstrumenten durchliefen seit Bestehen von TrumpetScout.de weit über 100 Trompeten und Flügelhörner die eigene Waschstraße. Lange Zeit geschah die Reinigung auf die traditionelle Art: mit Bürstchen und Schwämmchen, die durch die Rohre geschoben oder gezogen werden mussten. Dafür brauchte es zwei Werkzeuge: eine Leine mit einer Schwammkugel an einem Ende sowie einen mit Kunststoff ummantelten Draht, der jeweils am Ende mit einem Bürstenkopf bestückt ist. Problem dabei: Durch enge Bögen gelangt man damit nie gut oder gar nicht. Und wenn der Schwammputzer in die Jahre kommt, beginnt er nicht nur zu bröseln sondern verliert nicht selten unter großem Zug auch seinen Kopf. Und meist steckt dieser dann an einer nur sehr schwer zugänglichen Stelle fest. Fürs Mundrohr taugt dieses Reinigungsgerät, aber beim Becherbogen muss man beten, dass alles zusammenhält.
Vor ein paar Jahren begab es sich dann, dass dem TrumpetScout sogar der Spiralreiniger mit den Bürsten brach. Rost hatte ihn unter dem Gummi unsichtbar geschwächt. Ein Bürstenkopf mit einem Stück des spitzen Drahtes der Spirale hatte sich dabei im Stimmzug selbstständig gemacht und damit erst einmal für kalten Schweiß gesorgt. Denn leicht ist so eine Blockade nicht zu entfernen. Irgendwie ging es dann doch und weder die Finger des TrumpetScout noch die Trompete nahm Schaden. Doch die Lust an derlei komplizierten und korrosionsanfälligen Werkzeugen war erst einmal vergangen. Also musste eine andere Lösung her. Der Trompetenbauer des Vertrauens wurde dazu befragt und verwies auf ein so effektives wie günstiges Werkzeug, das jeder auch zuhause nutzen kann: den Hydro-Jet.
Hydro-Jet – quasi ein Hochdruckreiniger für die Trompete
Diese simple Apparatur wird an den Wasserhahn oder Duschschlauch angeschlossen und duscht die Trompete bzw. das Flügelhorn von innen. Wer jetzt glaubt, er könne dann ja auch einfach nur Wasser mittels Duschkopf über den Becher durch das Instrument laufen lassen, irrt. Der Hydro-Jet besteht im Wesentlichen aus einem flexiblen aber doch festen Schlauch – wahrscheinlich aus PVC – mit knapp 6 mm Durchmesser. Den kann man durch das Mundrohr, den Stimmzug, die Ventilzylinder sowie das Schallstück führen und erreicht damit jede neuralgische Stelle. Das so Einfache wie Geniale dabei ist: Am Kopf des Schlauches befinden sich sechs kleine Öffnungen, die jeweils einen feinen, aber ausreichend starken Wasserstrahl erzeugen. Sie ‚kärchern‘ die Innenwand des Blechblasinstruments. Wie ein Reinigungskopf den Abwasserkanal, nur eben in klein. Ein Kompressor ist nicht notwendig, der Druck der Wasserleitung sorgt dank der feinen Düsen der Apparatur für genügend Abrasionskraft, um Ablagerungen zu lösen. Vor allem dann, wenn man die Trompete zuvor ordentlich gebadet und Schmutz somit ‚weichgekocht‘ hat.
Bei jeder Tiefenreinigung gilt: Am Anfang ist das Bad
Auf diese Vorbehandlung sollte man nicht verzichten, da sie nicht nur die Befreiung von groben Partikeln erleichtert, sondern auch Gerüche beseitigen und allgemein für hygienischere Zustände sorgen kann. Zudem lösen sich unsichtbare Schichten aus Ölen und Fetten erst mit chemischen Hilfmitteln wie einem haushaltsüblichen Spülmittel.
Deshalb ein Gefäß besorgen, das groß genug für das eigene Instrument ist, aber nicht heillos überdimensioniert. Das spart Wasser und vermeidet Ärger mit anderen Haushaltsmitgliedern, die ölige Schmutzränder in der Badewanne nicht toll finden. Der TrumpetScout hat sich eine ausgemusterte Babybadewanne zugelegt – die gibt es gebraucht für wenige Euro.

Die füllt man mit warmen Wasser. Es darf prinzipiell so heiß sein, wie es die Leitung hergibt, sollte aber definitiv nicht kochen. Wenn es für die Finger schon zu heiß ist, macht das in der Regel nichts. Die Trompete und speziell die Lötstellen nehmen davon keinen Schaden. Lediglich bei manchen Lacken bzw. bei bereits teilweise abgeblättertem Finish kann es zu (weiterer) Ablösung kommen. Ein nicht zu sparsamer Spitzer Spülmittel sorgt für ordentlich Schaum und hilft, den Schmutz zu lösen.
Spezialtipp bei starkem Geruch: Spülmittel + Essig
Wer Kalkablagerungen oder – vor allem bei sehr alten Trompeten – den typischen Geruch von rohem Messing loswerden möchte, sollte einen kräftigen Schluck (günstigen) Haushaltsessig oder Essigessenz ins Wasser geben. Das wirkt wahre Wunder! Die Trompete stinkt meist kaum noch und Kalk verschwindet rückstandslos.
Der Reihe nach: eine Anleitung zum Reinigen von Trompete und Flügelhorn
Jetzt sind wir aber schon buchstäblich zu tief eingetaucht. Wer noch nie eine Trompete innen gereinigt hat, braucht eine Step-by-Step-Anleitung. Und die gibt es hier.
1. Auseinandernehmen: Die Trompete wird zerlegt
Zunächst zieht man alle Züge. Das sind die drei Ventilzüge und der Hauptstimmzug. Dann schraubt man die unteren Ventildeckel ab und entnimmt die Ventilkolben, indem man die oberen Deckel löst und die Kolben herauszieht. Je nach dem befinden sich auf den Innenzügen der Ventilzüge 1 und 3 Gummiringe, die das metallische Anschlaggeräusch eliminieren. Auch die kann man herunterziehen, um wirklich überall altes Fett entfernen zu können. Die Wasserklappen braucht man nicht unbedingt abzuschrauben, kann das aber gerne tun, wenn man z.B. den Kork schönen möchte. Wer wie die Trompete im Bild eine Anschlagschraube beim dritten Ventilzug hat, kann auch diese im Gewinde lassen. Dort kann sich kaum Schmutz sammeln. Eine Triggermechanik wie bei manchen alten Conn– oder Getzen-Modellen muss man teilweise demontieren, um überhaupt den Zug lösen zu können.

Die Ventilkolben bestehen wiederum aus mehreren Teilen, die meist keiner separaten Reinigung bedürfen. Das Hauptaugenmerk gilt den Durchgängen, in denen sich der Schmutz anlegt sowie den Laufflächen, die durch feinste Partikel und altes Öl verunreinigt sein können. Man kann jedoch vor der Reinigung den Fingerknopf abschrauben und dann den oberen Ventildeckel sowie die Dämpfungsmaterialien entnehmen. Das hat den Vorteil, dass eine Trompete, die mit Anschlagsfilzen im Ventildeckel operiert, gleich nach der Reinigung wieder einsatzbereit ist. Sind die mit Wasser vollgesogen, kann es zu einem leichten Schmatzgeräusch kommen sowie einem schwammigen Druckgefühl. Auf der anderen Seite können manchmal alte Werkstoffe – Kork und stark komprimierter Filz – durch das Bad wiederbelebt und wieder etwas weicher werden. Bei Gummieinlagen – so wie bei Bach – spielen derlei Überlegungen keine Rolle.

Wer ganz gründlich sein möchte, kann die Innenzüge noch mit einem Küchenpapier oder einem Baumwolltuch (oder einem alten T-Shirt…) abwischen. Dabei wird altes Öl und Fett schon einmal abgetragen und das Wasser kann noch besser seinen Dienst tun.
2. Bad in warmem Seifenwasser
Jetzt heißt es: Schmutz lösen. Dazu stellt man mit Spülmittel und warmem Wasser eine Seifenlauge her. Dabei sollte auf keinen Fall etwas Abrasives mit Reinigungskörnern wie eine Handwaschpaste benutzt werden. Einfach ein paar Spritzer Spülmittel, im Zweifel lieber etwas mehr als zu wenig, sodass es ordentlich schäumt.

Dann kann die Trompete ins Bad getaucht werden. Hier ist darauf achten, dass keine Luft in einem Bogen stehen bleibt. Das Instrument sollte komplett geflutet sein. Größere Anbauteile kann man mit ins Bad geben. Kleinere Teile und vor allem die Ventilkolben wassert der TrumpetScout immer separat. So werden Kratzer vermieden. Kleiner Tipp dabei: Nicht alle Ventile sind eindeutig beschriftet. Daher belässt der TrumpetScout die Anordnung im Bad so wie sie auch der Einbau in die Trompete vorsieht.

Prinzipiell kann man die Trompete im Bad ruhen lassen, bis das Wasser kalt ist. Auch eine längere Ruhezeit schadet nicht. Je stärker die Verschmutzung, desto wichtiger ist ein gutes Durchweichen bzw. Auflösen der Anhaftungen. Bei einer stets gut gepflegten Trompete reichen 10 Minuten – bei einem übelriechenden Instrument, das nach einer Schnitzelsause im Bierzelt direkt in den Koffer wanderte und dann über Jahrzehnte in einem feuchten Keller lag, sollte man dem Reinigungsmittel etwas mehr Zeit einräumen.
3. Die Hochdruckwäsche mit Hydro-Jet
Nach dem Bad kommt die eigentliche Schmutzentfernung. Das ist die Stunde des Hydro-Jet. Dieser lässt sich über ein Außengewinde mit dem Duschschlauch oder einem Wasserhahn verbinden und ist dann einsatzbereit. Der Reinigungsschlauch wird zunächst durch das Mundrohr geschoben, durch den Stimmzug, die am Korpus angelöteten Rohre („Ventilohren“), die Ventilzylinder, die Durchgänge im Ventilkolben und natürlich durch das Schallstück, und zwar über den Becherausgang hin zur Maschine.

Diesen Teil der Reinigung nimmt man am besten in der Duschkabine oder einem anderen gekachelten Bereich vor. Hier spritzt es oft in alle Richtungen und man macht dann Dinge nass, die lieber trocken bleiben sollten.

Durch die engen Bögen der Ventilzüge lässt sich der Schlauch nicht schieben, doch die Düsen dürften auch dort den Schmutz durch Beschuss entfernen und im Anschluss ausschwemmen.

Wo es möglich ist, sollte man in beide Richtungen ‚kärchern‘, damit sich der Dreck nicht in Rohrkanten verstecken kann. Am Ende sollte man noch einmal durch die Ventilbüchsen sprühen, da dort sonst möglicherweise Schmutz aus der Becherreinigung zurückbleibt. Denn es ist wirklich erstaunlich, welche Verunreinigungen dank der Düse zu Tage treten können. Der TrumpetScout hat oft schon mehr als nur Schmutzplacken gesehen: Ganze grau-grün-braune Membranen in Rohrform können nach jahrelanger Vernachlässigung ausgeschwappt werden.

4. Abtrocknen – innen und außen
Nachdem alle Teile gereinigt wurden, sollte man sie noch ein paar Mal drehen und kippen, um alle größeren Wassermengen aus den Rohren zu bekommen. Ein anschließendes Durchpusten von Mundrohr und Zügen beschleunigt das Entfeuchten. Durch die Ventilbüchsen kann man einen fusselfreien Lappen ziehen, die Kolben sollte man abwischen.

Ein äußerliches Abtrocknen mit einem Geschirr- oder Handtuch beugt Wasserflecken vor. Prinzipiell sollte man dafür nicht die schönsten Teile aus dem Schrank verwenden, da Öl- und Fettreste unschöne Spuren hinterlassen können, die sich nicht mehr auswaschen lassen.
5. Zusammensetzen: Ölen und Fetten der Trompete
Nachdem alles penibel gereinigt ist, können die Teile des Instruments wieder zusammengesetzt werden.
Die Ventile dürfen jetzt, wo alles trocken ist, mit ordentlich Öl versorgt werden. Dazu am besten im unteren Teil der Kolben Öl auftragen und sie dann in die Büchse schieben und dabei weitere Spritzer dazugeben. Der TrumpetScout dreht dabei die Kolben, damit so schnell wie möglich ein gleichmäßiger Ölfilm geschaffen wird. Das verhindert Kratzer bzw. Abnutzung.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass die Ventile richtig eingesetzt werden. Gemeint ist damit nicht nur: Ventil 1 in Kolben 1. Auch die Ausrichtung im Zylinder ist von größter Wichtigkeit. Ist das Ventil verdreht, kann keine Luft durchgeleitet werden. Manche Hersteller haben dieses Problem über eine Kolbenführung gelöst, die nur eine Position zulässt. Bei vielen Trompeten kann man die Ventile aber auch um 180° verdreht einsetzen. Dann bläst man gegen eine Wand. Am besten man merkt sich zuvor, ob die Nummern, die in der Regel im oberen Teil eingestanzt sind, zum Mundrohr zeigen, zum Mundstück oder in Richtung Becher. Ansonsten sucht man lange nach der richtigen Konstellation und macht erst einmal alles noch schlimmer.

Auf die Gewindeteile der Büchsen oben und unten kann man zudem jeweils einen Tropfen dickes Öl (Zugöl) träufeln. Das verhindert, dass sich ein Deckel bzw. sein Gewinde festfrisst. Nur falls der nächste Besitzer die Trompete sehr lange nicht reinigen sollte…

Jetzt sind die Ventilzüge dran. Hier sollte man auf Zugöl zurückgreifen, nicht auf Fett, da mit den Zügen oft Tonhöhen korrigiert werden. Fett ist für das leichte Bewegen einfach zu zäh. Hier gilt: Weniger ist mehr. Man tropft nur ein bisschen auf das Ende des Innenzuges, steckt diesen ins zugehörige Außenrohr und verteilt das Öl dann durch Kippen und gleichzeitiges Schieben des Zuges.
Klemmt ein Ventilzug (was nicht selten vorkommt) auch nach der Reinigung noch, liegt das nicht an der Lauffläche, sondern in der Regel an einer Spannung, die von nicht perfekt parallel ausgerichteten Züge ausgeht. Vielleicht ist der Zug einmal hinuntergefallen? Man kann hier selbst stauchen und auseinderbiegen, aber der TrumpetScout weiß aus eigener Erfahrung, dass es für ein gutes und schnelles Resultat viel Übung braucht. Also damit lieber zum Instrumentenbauer. [Und wenn der gleich vorschlägt, eine Schleifpaste aufzutragen, die den Zug besser gehen machen soll, dann lieber zu einem anderen wechseln. Denn damit verliert der Zug Passung und wird tendenziell luftiger, also undicht. Dieses Mittel ist nur ganz selten angebracht.]

Zum Schluss wird der Stimmzug gefettet. Auch hier gilt: Nur einen Hauch von Nichts an den Zugenden (bzw. an einem Zugende und beim Mundrohr bei einer reversed leadpipe-Konstruktion), dann erst auf einer Seite einführen und das Fett so dünn verteilen. In der Regel quillt immer etwas über. Man kann kaum so wenig auftragen, dass es gerade nur genug ist. Dem eigenen Verbrauch nach zu urteilen, sollte man mit einem Fettdöschen und einer Trompete fast ein Leben lang auskommen.
Ja und dann… ist die Trompete auch schon wieder voll einsatzbereit.
Dieser Artikel ist kostenlos. Aber auch nicht gesponsert. Auch wenn hier ein Produkt explizit genannt wird, flossen keine Gelder oder sonstigen Zuwendungen für die Erstellung dieses Textes. Lediglich ein Exemplar für die Bilder wurde kostenlos zur Verfügung gestellt, nachdem der TrumpetScout vor Jahren einen Hydro-Jet bereits für sich regulär erwarb. Deshalb: Unterstütze diese Arbeit mit einer Spende – schon ein paar Euro genügen: paypal.me/trumpetscout. Danke!
Chemisch-mechanische Reinigung vs. Ultraschallbad
Nun wird sich der eine oder die andere fragen, ob es nicht noch professionellere Arten der Reinigung von Blechblasinstrumenten gibt. Schließlich haben die meisten auch schon einmal von einer Ultraschallreinigung gehört. Auch hier liegt die Trompete oder das Flügelhorn in einem Wasserbad. Die eigentliche Reinigung besorgen aber Ultraschallwellen, die verkürzt gesagt den Schmutz auf mikroskopischer Ebene wegsprengen. Ist eine tolle Lösung, kostet aber deutlich mehr, da ein Ultraschallreiniger in der benötigten Größe teuer ist. Zudem lassen sich größere Instrumente wie eine Posaune oder ein Tenorhorn damit nur teilweise reinigen.

So ein Hochdruckreiniger (Alternativen zum Hydro-Jet sind dem TrumpetScout keine bekannt) hingegen kostet nur um die 25 Euro, eine kleine Wanne gebraucht um die 5 Euro und Spülmittel sowie alte Tücher gibt es im Grunde gratis. Das Reinigungsresultat ist jedoch vergleichbar mit dem der Ultraschallbehandlung. Darum ein klares Plädoyer für den simplen und offenbar sehr haltbaren Schlauch mit Düse.



