Drei Mundstücke auf Reisen – über eine sommerliche Trompetentour

Der TrumpetScout nutzt im Prinzip jede Reise, um seinen Blechhorizont zu erweitern. Wenn die Koffer gepackt werden, sind Besuche bei Herstellern, Sammlern oder Verkäufern von Trompeten auf dem Weg daher fast obligatorisch. Manchmal kommt aber alles ganz anders als geplant. Über Metzgergänge und unerwartete Offenbarungen.

Drei Mundstücke, eine Tasche, kein verlässliches Ziel. So könnte man die Mission beschreiben.

 

Eigentlich wollte der TrumpetScout im vergangenen Sommer der Produktionsstätte von B&S im sogenannten Musikwinkel des Vogtlandes einen Besuch abstatten. Das einstige Zentrum des europäischen Instrumentenbaus übt allein aufgrund seiner Geschichte eine große  Anziehungskraft aus und ist dank der Revitalisierung durch die Firma Meinl seit der Wiedervereinigung heute wieder einer der Hotspots auf der Weltkarte. Als die Reise mit allen anderen Stationen geplant war, stellte sich jedoch heraus, dass der für den Trompeter zentrale Besuch durch einen einwöchigen Betriebsurlaub bei B&S verunmöglicht war. Die anderen Stopps der Tour standen dann aber schon fest. Es wurde also nichts mit der Visite bei einem der größten Hersteller der Welt.

Über Tschechien ins Herzland des Instrumentenbaus

Da der Weg über Tschechien führte, konnten ja aber trotzdem einige tschechische Marken wie Červený probiert werden. Dazu hat man in Deutschland und Österreich praktisch keine Gelegenheit. Nur leider ist das im Heimatland des Herstellers auch nicht wirklich anders. Zumindest in den nicht kleinen Städten Pilsen und Karlsbad gab es keine Musikgeschäfte, die Blechblasinstrumente führten. Und Prag lag nicht auf der Strecke. Also: Wieder ein Reinfall.

Hauptziel der Reise war Nürnberg. Der Weg dorthin führte durch das sagenumwobene Egerland. Und dort – genauer gesagt in Graslitz – befindet sich eine ebenfalls bekannte, wenngleich weniger renommierte Firma, die Instrumente baut: Amati. In Musikerkreisen verschrien als das Günstigste, was in Europa produziert wird und in der Zeit des eisernen Vorhangs mehr als Devisenbringer denn als Aushängeschild von Handwerkskunst fungierend. Der TrumpetScout hat selbst seit Kindertagen eine Amati-Taschentrompete, die von Anbeginn kein gutes Licht auf seinen Hersteller warf, durfte aber vor einigen Jahren eine Piccolo-Trompete blasen, die beinahe von allein spielte. Und da für den TrumpetScout ein kleiner Preis noch nie der Spielfreude im Weg stand, machte sich auf dem Weg nach Kraslice frohe Erwartung breit. Man kann es aber bereits erahnen: Die Hochstimmung erhielt bald einen jähen Dämpfer. Die Produktionsgebäude sahen aus, als wären sie mit der Ende der 80er Jahre schlecht eingemottet worden und fristeten nun ein Leben als Mahnmal glanzloser Planwirtschaft. Ein angegliedertes Studio oder ein freundlicher Shop? Fehlanzeige.

 

Ein einladender Eingang war bei Amati nicht ersichtlich. Drum hieß es: Warten am Tore.

 

Der Weg vom Parkplatz zum Eingangstor führte vorbei an Räumen, deren getrübte Glasfronten einen spärlichen Einblick zuließen. Hinter Gardinen und Spinnweben, die gemeinsam schon goldene Hochzeit gefeiert hatten, konnte der TrumpetScout einen Arbeitsplatz erspähen, der an eine Montagestation bei der Saxofonproduktion erinnerte. Eine Klingel gab es nicht, durch das Hoftor war aber ein Arbeiter zu sehen. Seine Körpersprache war wenig einladend, er signalisierte jedoch, jemanden zu rufen. Tatsächlich kam dann auch eine Dame, die auf Deutsch erklärte, dass eine der beiden Personen, die mir Trompeten zeigen könnten, im Urlaub sei. Und die andere krank. „Leider.“

 

Červený-Instrumente werden wahrscheinlich auch bei Amati in Graslitz hergestellt.

 

Nun gut, dann bleibt ja noch Nürnberg. Denn dort befindet sich das Geschäft von Christoph Endres, dessen Instrumente in ihrer Gesamtheit den TrumpetScout schon lange interessieren. Was kann es schöneres geben, als an einem Samstagvormittag bei einem Trompetenbauer zu Gast zu sein, Instrumente anzuspielen und ein wenig zu fachsimpeln? Denn zwischen 10 und 13 Uhr sind dort die Türen offen. Halt normalerweise, nicht an diesem Samstag im August.
Auch kleinanzeigen lieferte keine interessanten Instrumente in der Nähe oder rechts und links des Heimweges. Also: Drei Mundstücke durch die Gegend gefahren und nur fürs Buzzing genutzt. Doch der Sommer ist ja noch nicht vorbei…

Die Trompetentour durch den süddeutschen Sprachraum…

Mit Wehmut verkaufte der TrumpetScout eine Connstellation 38B aus den 50er Jahren in Sammlerzustand – ausgerechnet in die badische Heimat. Der Käufer offenbarte sich als Kenner und Eigentümer so mancher Preziose. Als dann aus dem eigenen Bestand noch eine tolle Selmer 24B zum Verkauf angeboten wurde, meldete sich der gleiche noch einmal. „Die Trompete gehörte mir vor Jahren einmal und ich habe mich geärgert, dass ich sie damals hergab.“ Er schlug also noch einmal zu. Zugestellt wurde diese Trompete dann persönlich, aber dazu später mehr.

Der Weg nach Hause für den sommerlichen Heimatbesuch blieb von interessanten Trompeten natürlich nicht verschont. Eine Conn Severinsen wurde eingesackt, eine andere Trompete wechselte dagegen nicht den Eigentümer, da der Verkäufer sich kurz vor dem Treffen nicht mehr meldete. Andere interessante Modelle waren mittlerweile verkauft.

Eine für den Conn-Freunde sehr interessante 28B Connstellation war jedoch noch zu haben – und der Anbieter urlaubte gerade im Dorf nebenan. Das klingt doch nach Fügung! Das gute Stück wurde restauriert und zeigte sich dementsprechend attraktiv und trotz seiner über 70 Lenze technisch sauber. Nur die Intonation ermahnte den TrumpetScout dazu, dem Haben-wollen-Reflex nicht nachzugeben. Und eine ebenfalls mitgebrachte 37er Bach aus den 70ern war nicht so gut wie teuer. Aber gut, man kann sowieso nicht alles kaufen.

Als die Reise dann in Richtung Bodensee fortgesetzt wurde, stand die Übergabe der Selmer an. Der Käufer empfing in seinem Trompetenkeller und präsentierte dort zunächst zwei Trompeten des Allgäuer Instrumentenbauers Franz Straub. Vor allem dessen Modell Gloria gefiel aufgrund seiner Zentriertheit – ein Trompetenklang, wie ihn viele prototypisch im Ohr haben, nur bei deutlich weniger Gewicht als bei einer Bach Stradivarius. Mit dem kleinen Mundstück war das ein Perfect Match.

 

Eine Custom Composition von Yamaha: Ein 8345R Body mit zwei geschwungenen Stützen und einem LA-Becher in Goldmessing – was unter dem Silber aber nicht sieht. Foto: privat.

 

Dann packte der Kollege aber auch noch eine Yamaha-Spezialanfertigung aus, die er nach eigener Aussage von HR-Big Band-Leadtrompeter Frank Wellert erstand. Es soll sich um das gleiche Modell handeln, das auch Thorsten Benkenstein zuletzt spielte: Eine YTR-8345R mit LA-Becher in Goldmessing und Doppelstütze trotz reversed leadpipe-Design. Ein beeindruckendes Instrument, das für den TrumpetScout eine ideale Melange aus Offenheit und Widerstand, Zentriertheit und Spielraum bei perfekter Intonation und dennoch keinem leblosen Ton bot. Davon dürfte es leider nicht viele Instrumente geben. Und auf dem öffentlichen Markt wohl niemals irgendeines.

 

Nicht die aktuellste Version des Maynard Ferguson-Modells von Monette, aber dennoch der pure Wahnsinn. Auch preislich. Foto: privat.

 

Und als der TrumpetScout schon im Gehen begriffen war, wurde er gefragt, ob er nicht noch eine Monette Maynard Ferguson probieren wolle. Das ist ein Angebot, das man natürlich nicht ablehnen kann. Im Vergleich mit den beiden Monette-Trompeten, die bis dato angespielt werden konnte, war dieses Modell ein Fliegengewicht. Und selbst im Vergleich mit einem Durchschnittsinstrument handelt es sich um keinen Prügel. Mit dem tiefen Mundstück war die Intonation zwar miserabel, doch mit dem flachen – genauer kann man es aufgrund der Kürze der Zeit nicht sagen – doch sehr anständig. Die Trompete ließ sich in der tiefen Lage gut spielen und erzeugte einen offenen Ton, aber überwältigte in der Range oberhalb des C3. Zumindest hinter der Trompete war der Sound stechend, ein bisschen wie im Studio komprimiert, und die Töne G, Gis und A rasteten ein wie ein Gang beim Fahrrad. Das war die erste positive Monette-Erfahrung! Und die war so prägend, dass gleich danach die Gedanken Trampolin sprangen: „Kann ich rechtfertigen, 12.000 Euro für eine Trompete auszugeben?“ Aber neben der Möglichkeit der Finanzierung und jeglicher Diskussion um die Sinnhaftigkeit muss man so ein Modell überhaupt erst einmal auf dem Gebrauchtmarkt finden.
Mit einem Koffer weniger, etwas Geld für künftige Akquisen und neuer Inspiration zog der TrumpetScout von dannen.

…mit einer unerwarteten Anschaffung am Ende

Nach ein paar Tagen Urlaub im Hotel und der Genehmigung des Personals, nach dem Frühstück den Speisesaal als Überaum zwischen einer Phalanx aus Staubsaugern und Wischern zu nutzen, ging es dann heimwärts. Natürlich nicht zu 100 % auf direktem Wege. Eine Drehventiltrompete unweit der Autobahn zog das Interesse auf sich. Der Verkäufer hier war so alt wie der TrumpetScout und erzählte, dass er seinen alten Job gekündigt habe und gerade eine Lehre als Instrumentenmacher absolviere. Deshalb spiele er nun auch schon auf einem eigenen Instrument. Die B&S 3005W war wenig benutzt, intonierte sauber und dient dem TrumpetScout nun als Testobjekt, um zu sehen, ob auch rotierende Ventile etwas für ihn sein könnten. Man muss schließlich den Horizont erweitern. Und ist das nicht das Ziel einer jeden Reise?

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