Lange musste der TrumpetScout warten, ehe er eine Getzen Eterna Severinsen in die Hände und ans Mundstück bekam. Nun war es endlich soweit. Und wie es der Zufall wollte, gesellte sich auch noch eine Eterna Large Bore dazu. Die perfekte Gelegenheit, um herauszufinden, wo die Unterschiede der beiden weltbekannten Trompeten liegen.

Eine Getzen-Trompete ist für den TrumpetScout der Inbegriff von Leichtigkeit. Nicht nur auf der Waage, auch bei den Ventilen und vor allem bei der Ansprache. Eine Getzen geht einfach gut! Enttäuschend war hingegen – oft – der Sound. Eher etwas dünn und farblos. Das kann aber auch damit zu tun haben, dass viele der im Laufe der Jahre gespielten Eternas mit einem Mundrohr aus Neusilber ausgestattet – man könnte auch sagen ‚gezeichnet‘ – waren. Denn diese ab circa 1980 eingeführte Änderung machte zwar dem Thema Korrosion an der Leadpipe ein Ende, jedoch in den Augen des TrumpetScout auch der Erfolgssträhne dieses Modells. Umso schöner, dass nun zwei Vertreter aus der absoluten Glanzzeit von Getzen den Weg ins Testlabor fanden: Eine Eterna Large Bore und eine Eterna Severinsen Model.
Zwei (un)gleiche Schwestern?
Zu Beginn ein kurzer Rekurs zur Geschichte dieser beiden ikonischen Trompetenmodelle (mehr zur Firmenhistorie liefert der Artikel zu den neueren Getzen-Modellen): 1962 wurde der legendäre Carl „Doc“ Severinsen als Endorser gewonnen, Mit ihm entstanden die Modelle Capri und Eterna, wobei die Eterna als Variante mit dem Namenszusatz Severinsen Model das absolute Topmodell markierte. Los ging es mit der Produktion in großer Stückzahl 1964. Von einigen sehr frühen Instrumenten sowie Prototypen oder Vorserienmodellen abgesehen, deren Seriennummer mit G oder S beginnt, steht ab diesem Zeitpunkt immer ein „SK“ vor der Nummer. Wenig bekannt: Dieses Kürzel steht für ‚Severinsen Knowlton‘. Harold Knowlton erwarb das Unternehmen Getzen 1960 vom Firmengründer. Er war es, der den Aufstieg begründete, denn er holte Doc Severinsen ins Boot und machte den Namen Getzen in der Folge weltberühmt. Im Nachhinein also nur würdig und recht, dass er sich hier verewigte.

Ob alle Eternas – es gab sie mit ML- und L-Bohrung – zu jener Zeit und später die gleichen Severinsen-Weihen in der Seriennummer tragen? Es ist wahrscheinlich, aber nicht sicher. Die beim Test vorliegende Trompete tut es. Mit ihrer Seriennummer SK39369 ist sie wohl eine der allerletzten mit einem Messingmundrohr. Laut verschiedener Webseiten ist ihr Herstellungszeitpunkt auf die frühesten 80er Jahre zu datieren. Die geteste Severinsen wurde wohl Anfang bzw. Mitte der 70er Jahre gebaut.
Large und larger. Light und lighter.
Schauen wir uns zunächst das Offensichtliche an. Auf beiden Ventilblöcken prangen die beiden Buchstaben L und B über der Seriennummer. Das steht für ‚Large Bore‘. Soweit die Ähnlichkeit an dieser Stelle. Gemessen wurden bei der regulären Eterna 11,85 mm an allen drei Zugbögen. Bei der Severinsen hingegen zeigte die Schieblehre eindeutig mehr an. Zwischen 11,90 und 11,95 mm. Auf eine Messungenauigkeit lässt sich das eher nicht zurückführen. Wurde der Block also im Laufe der Jahre verändert? Oder erhielt die Severinsen von Anfang an und qua Konzept mehr Durchgangsmaß? Die Recherche dazu bringt deutlich mehr Komplexität in diesen Test: Die Eterna Severinsen hatte standardmäßig eine ML-Bohrung (.460 inch, also 11,68 mm). Optional gab es wohl in den frühen 70ern eine Large Bore-Variante, die zudem größer ausfiel als die späteren LB-Modelle. Das Bohrungsmaß lag da bei .468 inch, also 11,89 mm. Korrekterweise hätte man also XLB stempeln einprägen sollen. Um solch eine rare Severinsen dürfte es sich bei der inspizierten Trompete handeln.

Besser messen lässt sich das Gewicht. Die Eterna ist als echtes Leichtgewicht bekannt und bringt in diesem Fall – trotz Versilberung – nur 988 Gramm auf die Waage. Die Eterna Severinsen sorgt für mehr Ausschlag. Die Kilo-Marke wurde – ebenfalls versilbert – knapp gerissen. 1.004 Gramm schlagen zu Buche. Die 16 Gramm mehr sind nicht viel, aber man merkt in der Hand.
Also: Die Severinsen LB ist noch etwas größer gebohrt, die Eterna dafür noch etwas leichter.
Eterna LB vs. Eterna Severinsen: kleine Unterschiede, große Gemeinsamkeiten
Legt man die beiden auf den ersten Blick gleich (von den unterschiedlichen Abnutzungserscheinungen abgesehen) ausschauenden Trompeten nebeneinander, fallen einige Dinge auf: Die Eterna hat einen ersten Ventilzug in männlich-weiblicher Ausführung. Bei der Severinsen ist er doppelt-männlich konzipiert. Dadurch wird aber auch eine Stütze mittig zwischen den Rohren möglich.

Gleiches gilt für den dritten Ventilzug. Bei der Eterna m/w ohne Stütze, bei der Severinsen m/m und mit Stütze – dieses Mal im Zug. Das eine mag wertiger aussehen, das andere bietet aber den Vorteil, Schwingungen an bestimmten Stellen zu dämpfen.


Sucht man im Netz nach Abbildungen älterer Eternas, findet man auch Varianten mit erstem Stimmzug m/m mit und ohne Trigger bzw. m/w mit Trigger sowie einem doppelt-männlichen dritten Ventilzug. Hier wurde offensichtlich viel im Laufe der Jahre verändert.
Stellt man die Trompeten nun auch nebeneinander, wird eines deutlich: Die Eterna ist länger – natürlich nicht in der Rohrlänge, aber in der Längsausdehnung, und zwar um ungefähr einen Zentimeter. Das rührt offensichtlich daher, dass das Mundrohr (mit allem, was gewissermaßen dranhängt) etwas mehr in Richtung Spieler versetzt wurde.

Vergleicht man dann die beiden Schallbecherformen mit bloßem Auge, ist kein echter Unterschied auszumachen. Ohne Abdruck kann man hier jedoch keine valide Aussage machen.
Eindeutig unterscheiden sich die beiden Testtrompeten bei der Länge ihrer jeweiligen Stimmzüge. Das untere Rohr ist bei der Severinsen signifikant länger als das obere Rohr und auch deutlich länger als beide Rohre beim Eterna-Stimmzug. Die Rohraußendurchmesser beider Modelle sind identisch, austauschen kann man die Bögen dennoch nicht. Der lange untere Schenkel des Severinsen-Bogens lässt sich nicht eimal annähernd ganz ins Rohr der Eterna einschieben. Das innenliegende Rohrstück ist dort offensichtlich länger und sorgt somit für einen (in Luftrichtung) deutlich früheren Anschlag.

Auch wenn es auf den Bildern nicht unbedingt so ausschaut: Alle Innenzüge beider Trompeten sind aus Neusilber gefertigt. Beide Modelle setzen auf Amado-Wasserklappen (wenngleich gewisse Baujahre anscheinend längere Auslassstutzen haben), ein Mundrohr aus Messing sowie Schallstücke, die aus zwei Messingteilen gefertigt sind. Das ist zwar aufgrund der Versilberung nicht zu sehen, der TrumpetScout verlässt sich hier jedoch auf die verschiedenen, aber einstimmigen Quellen aus dem Internet.

Klang und Spielbarkeit der beiden Eternas
Die Eterna Large Bore bläst man an und es stellt sich sofort das leichte, freie Getzen-Gefühl ein. Das ist eine Trompete, die es einem nicht schwer macht. Sie spricht gut an und hat einen angenehmen, wenngleich geringen Widerstand. Nicht ganz anders, aber definitiv anders die Severinsen. Sie wartet mit mehr Gegendruck auf, scheint etwas mehr Energie zu benötigen. Ob das an den 16 Gramm mehr Speck liegt? An einem anderen Mundrohr? Einem anderen Becher? An einer Kombination von verschiedenen Faktoren oder gar nur an diesem speziellen Testinstrument? Der Eigentümer meinte, er habe schon mehrere gehabt und diese spiele sich nicht gravierend anders als die anderen. Der TrumpetScout würde sich in puncto Spielbarkeit eher für die reguläre Eterna entscheiden. Die Severinsen mag in der extremen Höhe besser unterstützen, für die normale Range und alle Spieler, die sich die meiste Zeit dort bewegen, wäre die Eterna LB vermutlich die bessere Wahl.

Beim Klang gibt es analog zum Spielgefühl keine Überraschung. Die Severinsen hat mehr Kern und Punch, macht mehr Richtung (und möglicherweise auch Länge). Die Eterna hingegen füllt den Raum nach allen Seiten hin besser, geht auch in die Breite, und das trotz eines Durchmessers am Trichterende von mickrigen 120 mm. (Das entlarvt den Trend der letzten Jahrzehnte: Es braucht anscheinend keinen Grammophontrichter, um den Raum zu füllen.) Sie scheint auch mehr zu singen – so der Eindruck vor dem Horn bei verschiedenen Testspielern. Interessant war hier ein zufälliger Vergleich mit einer Las Vegas vonSchagerl. Sowohl Getzen Eterna als auch Schagerl Las Vegas klangen sehr hell, brillant, aber nicht stechend, sondern mit feinem Sizzle.

Beide Trompeten wiesen keine intonatorischen Schwächen auf – auch und gerade das darf nicht vergessen werden. Beide Maschinen liefen noch sehr leicht und schnell und zeigten praktisch keinen signifikanten Kompressionsverlust. Bei der Eterna schoben sich sogar die Züge wieder heraus, wenn man das Ventil beim Einschieben nicht betätigte. Mehr Dichtigkeit braucht niemand.
Getzen Eterna Large Bore – ein Fazit
Die probierte Severinsen mag ihre besten Zeiten optisch schon hinter sich haben und die getestete Eterna LB etwas zu jung und infolgedessen nicht mehr bis ins Detail wie zu Docs Zeiten (der Getzen 1979 als Partner verließ) konstruiert sein. Dennoch sind beide Instrumente absolut bühnen- und studiotauglich. Wie es sich mit der Ausdauer auf beiden Trompeten der Generation X verhält, kann der TrumpetScout nicht sagen, da sich für ernste Praxistests keine Gelegenheit bot.
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Auf keinen Fall unbehandelt lassen darf man bei Getzen das Thema Preis. Beide Modell gibt es oft deutlich unter 1.000 Euro, wobei die Severinsens teurer sind als das gewöhnliche Large Bore-Modell. Gelegentlich bekommt man diese sogar ab 500 Euro. Fantasten rufen manchmal Preis deutlich im vierstelligen Bereich aus, bekommen diese aber wohl eher nicht bezahlt. Wichtig wäre tatsächlich ein Exemplar mit Messingmundrohr (auch wenn das, wie bei der Eterna LB schon leichte Ausblühungen aufweist). Der TrumpetScout ist sich sicher, dass das die Seele einer guten Getzen ausmacht. Und anscheinend kann man hier auch an brauchbare Kopien kommen.
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Ganz zum Schluss noch eine andere Überlegung: Muss es denn eine Large Bore Getzen sein? Wie im anderen Getzen-Artikel bereits erwähnt, hatte der TrumpetScout schon einige ML-Eternas, eine davon auch aus der Zeit mit Messingmundrohr. Diese Trompeten waren genauso frei vom Blasgefühl her, aber noch direkter in der Ansprache, noch spritziger in ihrem Spielcharakter. Zudem lehrte den TrumpetScout die Arbeit an diesem Artikel, dass die Severinsen ursprünglich als ML-Modell konzipiert war und die ersten Jahre sogar nur so gebaut wurde. Eine dieser Eternas wäre für den TrumpetScout wohl das Beste, was aus dem Familienduell hervorgehen kann. Quasi: Wenn sich die zwei großen Schwestern um das Zepter zanken, übernehmen die beiden Kleines unbemerkt die Hoheit.




