Neues Jahr, neues Lead-Mundstück – Yamaha Eric Miyashiro EM1 Mk2

Ein Fan von großer Mundstückexperimenten und entsprechender Fluktuation ist der TrumpetScout nicht. Doch es gibt Veränderungen, die einen Wechsel notwendig machen. Corona zum Beispiel. Oder besser gesagt die damit einhergehende Auftrittspause. Eine Betrachtung der letzten drei Jahre.

Ja, die Treueperioden in puncto Lead-Mundstück haben sich beim TrumpetScout in den letzten 15 Jahren verkürzt. Wie in diesem Artikel zum Thema günstige Lead-Mundstücke nachzulesen ist, wurde für das oberste Register vor allem seit der Reise zu Bach nach Elkhart 2017 auf mehrere Modelle zurückgegriffen. Zuletzt im Einsatz war das bislang teuerste Lead-Mundstück: ein Bob Reeves 40 ES 69.

Dieses extrem kleine Mundstück mit einem Kesseldurchmesser von 15,83 mm (die Angaben in Millimetern unterscheiden sich zwischen den Quellen, was mit der Umrechnung zu tun hat. Entscheidend ist: unter 16 mm) war das Gegenteil eines Allround-Mundstücks, sehr laut und effizient. Ein Wohlgefühl in der Höhe (und sonst schon gar nicht) wie es das jahrelang gespielte Warburton 7ESV anfänglich hervorrief, stellte sich dennoch nie ein. Nur funktionierte das Warburton eben auch nicht mehr so gut. Etwas hatte sich verändert. Das Spiel oder der Spieler. Oder beide.

Veränderung durch Corona – das Mundstück wurde zu klein

Und dann kam 2020 die Pandemie und mit ihr der Stillstand des Live-Kulturlebens. Der TrumpetScout spielte noch immer täglich, aber anders und mit anderem Equipment. Lead-Charts lagen nicht mehr auf dem Pult. Es wurde zuhause im Kämmerlein improvisiert, mehr Flügelhorn gespielt und Literatur, die kaum hoch und laut verlangte.

Mit einer erworbenen Trompete kam auch ein Mundstück vom Modell Schilke 17D4 ins Haus. Gefühlt riesig für jemanden, der kleinen Kesseln über Jahrzehnte den Vorzug gab. Zum Bob Reeves bot allein der Kesseldurchmesser von 17,33 mm beinahe einen Schwarz-Weiß-Kontrast. Interessanterweise mit der sehr offenen Olds Ambassador, in deren Koffer das Mundstück einreiste, funktionierte das Schilke unerwartet gut. So wurde diese Kombination zu einer gern genutzten in der Isolationszeit des ersten Corona-Jahres. Das Lead-Mundstück hingegen verstaubte.

Als dann irgendwann wieder Auftritte anstanden, die besondere Ausdauerleistungen und auch knallende hohe Töne verlangten, ging der Griff wieder zum winzigen Bob Reeves. Nur fühlte sich das dann gar nicht mehr gut an. Das Mundstück schien zu klein geworden zu sein.

Eine Zwischenlösung? Das Yamaha Allen Vizzutti Mundstück

Was also tun? Der TrumpetScout erinnerte sich an seinen eingangs bereits erwähnten Test der günstigen Lead-Mundstücke. Denn 300 Euro sollten es nicht unbedingt wieder sein. Da machte sich das Yamaha Allen Vizzutti in Gedanken breit. Es wurde kurz getestet – und gekauft. Später sogar in mehrfacher Ausführung, um an verschiedenen Orten eines parat zu haben.

Die Eckdaten dieses Mundstücks: Mit 3,56 mm eine sehr enge Bohrung, ein sehr flacher Kessel, aber einen etwas weiteren Kessel mit nominell 16,67 mm (das ist ungefähr zwei bis drei Größen über dem Bob Reeves 40). Hier bot sich mehr Platz, wenngleich die Angaben eines Kesseldurchmessers stets mit Vorsicht zu genießen sind – die Randkontur und das Profil des Kesseleingangs bestimmen in erster Linie, wie groß sich ein Mundstück anfühlt. Außerdem: Wo misst man den Durchmesser? Am Hochpunkt des Rands oder irgendwo darunter?

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Es sorgte für einen akzeptablen Klang im ‚Mittelfeld‘ und funktionierte auch in der Höhe. Ein echtes Screaming-Mundstück und eines mit extremem Sound ab dem G2 war es in Kombination mit dem Ansatzapparat des TrumpetScout aber nicht. Auf jeden Fall gab es mehr Sicherheit als eines der tieferen Mundstücke im Besitz und fühlte sich besser an als das Bob Reeves. Deshalb musste das alte Eisen auch gehen. Ein Fehler?

The nächste Schritt auch ein Zwischenschritt? Das Lead-Mundstück von Eric Miyashiro

Dann kam Silvester 2022/23 und die Anfrage, bei einer Tanzband einzuspringen. Das Repertoire war anspruchsvoll und die Arrangements notiert wie in den Originalvorlagen. Und Earth, Wind & Fire, Michael Bublé oder Udo Jürgens wurden eben von Topmusikern begleitet, die man nicht schonen muss. Und lange dauern Balleinsätze ja auch. Da machte sich bemerkbar, dass beim TrumpetScout erstens die Auftrittshärte der Vor-Corona-Jahre definitiv abhandengekommen war und zweitens ein dezidiertes und passendes Lead-Mundstück die benötigten 15% Plus an Höhensicherheit und Ausdauer schenken kann, die einen Laien stressärmer durch den Abend bringen.

Ein Riesenunterschied ist nicht zu erkennen, aber beim Mundstück fühlen sich Hundertstel bekanntlich wie ein Instrumentenwechsel an. Oben das Yamaha EM1 Mk2 mit breiterem Rand, größerer Bohrungen, aber kleinerem Kessel als beim Yamaha Allen Vizzutti unten.

Deshalb begann das neue Jahr gleich mit der Suche nach einem Mundstück, das als echtes Lead-Gerät besser funktioniert. Wieder kamen die Mundstücke in den Sinn, die beim Test der leistbaren Lead-Modelle schon einen guten Eindruck hinterlassen haben. Das waren die beiden Yamaha Signature-Modelle Eric Miyashiro 1 und Bobby Shew Lead. Das Lead-Mundstück des höhensicheren US-Japaners Miyashiro gibt es mittlerweile in zwei Generationen. Beide standen beim Anspielen im Musikgeschäft zur Verfügung. Auch wenn es nominell beim Kesseldurchmesser keine Veränderung gab – beide sind mit 16,02 mm angegeben -, spricht Yamaha auf einer Webseite zu den eigenen Signature-Mundstücken gleichzeitig von einem „leicht vergrößerten Durchmesser“. Für etwas mehr Weite spricht definitiv das Spielgefühl. Dem TrumpetScout erschien das Mark 1 deutlich kleiner, eher wie ein Mundstück mit knapp unter 16 mm. Beiden Varianten gemein ist auf jeden Fall die Bohrung von 3,65 mm. Entsprechend gut geht die Luft weg und voll wirkt der Ton auch in der Normallage. Nach 10 Minuten Test wurde das optimierte Modell mitgenommen. Dem Preis von nur 59 Euro ist es zu verdanken, dass man so eine Investition nicht tagelange überdenken muss.

Bleibt es dabei? Oder kommt nach Eric Bobby?

Und was ist mit dem Lead-Modell von Trompetenlegende Bobby Shew? Ja, das hat beim Test von Jahren einen ambivalenten Eindruck hinterlassen. Der Ton war sehr hell und giftig und trotz kleinerer Bohrung schreiend laut. Das ist einiges auf der Haben-Seite eines effizienten Lead-Mundstücks. Doch mit seinem Durchmesser von 16,54 mm wirkte es für den TrumpetScout ein bisschen zu groß, um das gesuchte Gefühl der Sicherheit im obersten Register zu vermitteln. Doch das war damals. Nach den Monaten mit dem Allen Vizzutti, das noch einmal größer ist, wäre es vielleicht heute optimal. Vielleicht. Mit Gewissheit kann der TrumpetScout das aber nicht sagen, da ein Bobby Shew gerade nicht verfügbar war. Das soll sich natürlich noch ändern. Wer also ein Bobby Shew Lead abzugeben hat oder womöglich gegen ein Allen Vizzutti tauschen möchte, der oder die darf sich gerne melden. Der TrumpetScout würde von seinen vier gleichen Mundstücken, die größtenteils unbenutzt sind, gerne eines abgeben.

In diesem Sinne – die Reise ist womöglich noch nicht zu Ende. Ein Update folgt.