Light & large: die unersättliche Yamaha 8340EM

Wer wie Maynard Ferguson spielen will, sollte sicher nicht bei der Wahl der Trompete ansetzen. Wer aber schon die Power hat, darf für den fetten Boss-Sound beim Instrument schon wählerisch sein. Das hat sich der MF-Playalike-Hawaiianer Eric Miyashiro wohl auch gedacht, als es um die Konzeptition der Yamaha-Trompete mit seinen Initialen ging.

Noch ein Ring mehr und die Yamaha 8340EM könnte ein Audi sein.
Noch ein Ring mehr und die Yamaha 8340EM könnte ein Audi sein.

Exquisit, so könnte man die 8340EM von Yamaha mit einem Wort beschreiben. Nicht extrovertiert wie eine Monette mit vielen Stützblechen, Edelsteineinlagen, kunstvollen Gravuren, mattem Finish und dem übrigen Lametta, sondern im Gegenteil: reduziert, buchstäblich verfeinert, mehr durch weniger.

Open Wide durch Multibore? Die Yamaha 8340EM ist ein Luftschacht.

Der erste Griff macht klar, dass es sich um ein leichtes Horn handelt, der erste Blick auch, das erste Anblasen addiert zu leicht noch den Eindruck von groß. Verbaut ist ja auch ein großes Schallstück – mit riesigen Becherdurchmesser von über 134 Millimetern (üblich sind 123 bis 127). Die Wichtigkeit der Bohrung für den Blaswiderstand wird gern überschätzt, dennoch soll dieses Maß in diesem Kontext erwähnt werden, da Yamaha für dieses Modell das Schlagwort „Multibore“ lanciert hat. „Multibore“ heißt, dass verschiedene Rohrdurchmesser zum Einsatz kommen, je nachdem, ob ein Ventil gedrückt wird oder offen gespielt wird. Bei der 8340EM (die Vier an dritter Stelle steht beim japanischen Hersteller traditionell eigentlich für die große Bohrung) bedeutet das konkret: Ohne Ventileinsatz, also bei den Naturtönen, liegt im Ventilstock ein Medium-Durchmesser wie bei der populären 8310Z vor (bei Yamaha sind das 11,3 mm). Schaltet man aber einen Zug hinzu, so fließt die Luft dort in einem Rohrstück mit Large-Querschnitt (11,73 mm). Was das bringt, ist unklar. Was es bringen soll? Möglicherweise soll ein Unterschied in der Ansprache zwischen Natur- und Ventiltönen nivelliert werden. Egal, wie es funktioniert, der gefühlte Widerstand ist extrem klein, die Trompete schreit nach einem Mundstück, das diesen nach- oder besser vorliefert. Das mitgelieferte Eric Miyashiro Signature-Mundstück (EM1) ist nicht umsonst sehr eng – und ist nicht umsonst in einem Stufendesign gefertigt, das mehr noch Step- als Multibore schreit. Beim Test mit dem eigenen Warburton-Mundstück wurde gleich eine engere Backbore (von 8 auf 7 bzw. 4*) aufgeschraubt.

Konsequenter Leichtbau: Bei der 8340EM werden sogar Schräubchen ausgehöhlt.

Weil es so interessant ist, eine in freier Wildbahn höchst selten bis nie anzutreffende Trompete genau zu inspizieren, soll doch noch einmal an die Beschreibung des Aufbaus angeknüpft werden. Alle Ringe für Finger sind wirklich Ringe, keine Sattel oder Haken. Mit Stützen wird gespart, der erste Zug hat gar keine, der dritte nur eine, der Stimmzug nur eine filigrane, dünn fast wie ein Draht. Die Wasserklappe führt ein Single-Leben, der dritte Zug muss ohne Ventil geleert werden. Der zweite Zug hingegen weist ein besonderes Merkmal auf: Er hat ein männliches und ein weibliches Ende. Da man diesen Zug beim Spielen nie zieht, ist der Sinn dieser Bauweise höchst fraglich. Aerodynamisch tut sich da nichts. Das Rohr zwischen Stimmzugausgang und Maschinenblock wird nicht durchgehen doppelt geführt. Wo der Stimmzug endet, stuft sich auch der äußere Rohrdurchmesser wieder zurück, was man von alten Trompeten wie Benge und French Besson kennt. Der Leichtbau macht auch vor Details nicht Halt: Die Schraube, die den Verlust des dritten Zuges verhindern soll, wurde ausgefräst. Hier konnte vielleicht ein halbes Gramm gespart werden.

TrumpetScout_Yamaha YTR 8340EM Eric Miyashiro (7)
Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, drum ist die Feststellschraube an Zug Nr. 3 konsequenterweise ebenfalls in Lightweight-Bauweise ausgeführt.

Ausgerechnet diese extreme Feder hat aber eine Kreuzelführung aus Messing spendiert bekommen. Hier wird deutlich, wie wichtig Gewicht an den richtigen Stellen ist. Wer schon einmal zwischen Kunststoff und Messing an dieser neuralgischen Stelle gewechselt hat, wird das bestätigen können.

M für Medium steht auf den Ventilen, die Vier in der Modellbezeichnung verweist auf eine große Bohrung. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
M für Medium steht auf den Ventilen, die Vier in der Modellbezeichnung verweist auf eine große Bohrung. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.

Das Schallstück selbst ist aus leichtem Gelbmessing gefertigt. Die 8340EM ist also nicht nur eine leichte, sondern auch in Details raffiniert gebaute Trompete, die wie ein Forschungsobjekt der Yamaha-eigenen Research & Development-Abteilung daherkommt.

Little Big Horn: Die 8340EM ist ein Ferguson-Sandoval-Instrument

Das Grundkonzept „großer Becher, große Bohrung, leichtes Material“ wird gern mit Schilkes bekannter X3 assoziiert – völlig zurecht. Arturo Sandoval spielte auf einer solchen, seine LeBlanc danach war dieser sehr ähnlich und auch Maynard Fergusons spätere Holton (die ST 307 in Reversed-Bauweise) basierte auf dieser Kombination. Deren Folge ist ein breiter Klang, kein konzentrierter Strahl und viel Rückmeldung an den Spieler. Für Solisten, vor allem auch am Mikrofon, ist das sehr schön, für intimere Settings besonders, für ausdauerndes, unverstärktes Section-Playing taugt dieses Rezept weniger.

Interessanterweise hat die getestete silberne Ausführung mit einem Bach 3C besonders gut funktioniert und im unteren Register sehr warm und transparent geklungen. Für das hohe Register liegt der Widerstand eher unbequem – hier müsste man sicher mit dem Mundstück experimentieren. Die besagten Trompetenhelden und Eric Miyashiro kommen in der Höhe selbstredend gut mit diesem Typ zurecht, an Leadstellen sieht man nicht ohne Grund aber eher kernigere Bachs, Schilkes der B-Serie oder deren moderne Abkömmlinge wie das Bobby Shew-Modell von Yamaha selbst.



Nach einigen Testtagen war klar: Diese Yamaha würde gerne bleiben wollen, jedoch als reines Jazz-Instrument. Aufgrund des monströsen Bechers tritt sie sowieso schon fast wie eine Flügelhorn auf, warum diesen Weg also nicht weiterverfolgen. Auch im Silberkleid klang sie nicht zu hell, wenn man sie sanft bediente.

Am Ende bleibt ein positiver Eindruck. Nicht weil die Yamaha 8340EM das Kracherinstrument für das hohe Register ist, wie man sich durch den Namensgeber natürlich gerne suggerieren lässt, sondern weil es ein sehr gutes Jazz-Instrument für das wunderschöne Solo zwischen Standgas und Überland-Reisetempo ist. Da rücken sogar die 3.000 Euro für die lackierte Version ein wenig in den Hintergrund. Die 8340EMS der Bilder kostet allerdings noch ein bisschen mehr.

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Smooth sound, exclusivity, flugel looks 
Your new girl friend? Wenn die Jazz-Bar dein Arbeitsplatz ist. 7/10
Preis? 3.000 Euro. Ist schon viel Geld, dafür gibt's Trompeten-Raumfahrttechnik.
Dauerbeziehung? Man sollte kein Leadhorn suchen! Multibore vs. Multipurpose

Das Testinstrument wurde TrumpetScout freundlicherweise zur Verfügung gestellt von FMB Fachmarkt Blasinstrumente GmbH aus Gütersloh.


 

 

  2 comments for “Light & large: die unersättliche Yamaha 8340EM

  1. Ulrich Schneider
    25. Oktober 2017 at 6:57

    Hallo und guten Tag.

    Mit Freude sehe ich mir immer Ihre Instrumenten-Vorstellungen an – vielen Dank für Ihre Mühe und die tollen Bilder.

    Was ich als sehr hilfreich empfinden würde, wäre grundsätzlich ein Vergleich mit einer Basis-Trompete als Referenz-Klang
    (z.B. Yamaha 6/8-er Serie).

    Dann könnte man besser hören was die Trompete bringt, und was der Raum, in dem die Tonaufnahme erfolgt.

    Monette filmt seine Videos meist in der Fabrikationshalle – da klingt natürlich alles großartig. Ich finde, damit kann man nichts anfangen.

    Schöne Grüße…
    Ulrich Schneider

    • TrumpetScout
      27. Oktober 2017 at 19:38

      Hallo Ulrich,

      ja diese Überlegungen habe ich auch schon angestellt. Einzig es fehlt ein solches Referenzmodelle – es müsste ein „Spendergerät“ her!

      Grüße

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