Halt' dein Rohr sauber! Die Trompete und ihre Reinigung - TrumpetScout

Halt‘ dein Rohr sauber! Die Trompete und ihre Reinigung

Trompeter spucken mit jedem Ton ein bisschen in ihr Instrument. Nur klar, dass einem das Musizieren auf dieser metallenen Apparatur quasi ein Pflegeversprechen abringt. Denn ohne Reinigung verstopft das Rohr oder löst sich gar auf. Der TrumpetScout ermutigt zu einer Grundsauberkeit und gibt Tipps bei der Mission „Clean pipe“.

Vor ein paar Jahren erzählte ein Herr im fortgeschrittenen Alter dem TrumpetScout, dass er in der Rente begonnen habe, Trompete zu spielen. Jeden Morgen nach dem Frühstück übe er brav. Leider wirkte sich die Probezeit schnell so aus, dass er eines Tages keinen Ton mehr aus dem Horn brachte – ein Brei aus Speichel und zerkauten Nahrungsmitteln hatte ihm das Mundstück zuzementiert!

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Beim Schmodder hier im Bild handelt es sich nur um überschüssiges Zugfett. Bei anderen Trompeten legt sich aber manchmal ein langsam zersetztes Schnitzel optisch ähnlich an.

Solch eklige Geschichten sind kein Einzelfall. Im Grunde könnte jede Blechblaswerkstatt eine Wall of Horror mit grauenhaften Bildern von Instrumenten-Revisionen füllen. Ventile und Züge werden dabei nicht selten als ein Sumpfgebiet aus grau-grünem Schlamm entdeckt. Und Mundrohre verkommen zu Durchgängen mit Stalaktiten und Stalagmiten in Folge metallischer Reaktionen auf den Speichel oder gleich zu einem Endlager von Pommes- und Schnitzel-Elementen. Und wer glaubt, dass seien doch nur Kinder-Symptome, der irrt. Auch wenn bei den Jüngsten die Zusammenhänge noch nicht klar und die Vorsicht nicht ausgebildet ist: Putzmuffel gibt es in jeder Altersklasse. Vielleicht auch unter den TrumpetScout-Lesern? Sicher nicht…. Dennoch soll hier Grundlegendes und Spezielles zur Reinigung der Trompete erklärt werden.

Die Trompete lebt – je nach dem

Die Trompete ist in den meisten Fällen aus Messing gemacht. Das ist kein gewachsenes Material wie das Holz einer Geige, verändert sich aber trotzdem mit der Zeit und ist beileibe nicht unempfindlich. Messing ist eine Legierung aus Kupfer und Zink. Eben jenes Zink reagiert auf den Speichel und löst sich aus dem Stoffverbund. Es entstehen in den Rohren pickelähnliche Erhebungen und irgendwann Löcher, der Zinkfraß, der sich außen durch rote Flecken ankündigt. Deshalb wird oft bei Mundrohr und Stimmzug auf Goldmessing mit höherem Kupferanteil gesetzt. Das Material korrodiert weniger leicht, klingt aber nicht immer optimal. Am besten wäre es daher, nach jedem Spielen die Trompete durchzuwischen – wie ein Klarinettist. Das geht aber nur schwer. In der Praxis wandert also das Instrument gerne innen feucht in das Gigbag oder in den Koffer oder steht auf dem Trompetenständer, wo der Speichel am tiefsten Punkt rechts, dem Stimmbogen, „nagen“ kann.

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Das Mundrohr vor der Reinigung. Nur Wasser? Mitnichten.

Abgesehen von dieser chemischen Bedrohung gibt es die biologische. Wo kein Sonnenlicht hinkommt, Feuchtigkeit und Wärme ihre Dienste anbieten und obendrein noch Speisereste als Nahrung dienen, tummeln sich schnell Bakterien. Sie und ihre Abfallprodukte sind in der Trompete für keinen gut – weder für Blech noch Mensch. Bevor die Trompete also auf eigenen Füßchen davonschleicht, sollte man sie ab und zu durchwaschen und nach dem Essen die Zähne putzen oder gut nachspülen (ohne Zucker oder Stärke versteht sich).

Die Trompete ist nicht aus Zucker

Auch wenn nun lang und breit erklärt wurde, dass Messing nicht unempfindlich ist – gegen Wasser und Seife dann und wann hat das Material nichts, sofern einige Dinge beachtet werden: Die Trompete baden oder duschen heißt nicht, sie zu kochen. Ein lauwarmes bis warmes Wasser hilft beim Schmutzlösen. Richtig heißes Wasser kann bei gewissen Lacken zur Ablösung führen, ein richtiger Temperaturschock, z.B. beim Übergießen mit brühwarmem Nass, könnte im Extremfall zu Rissen oder geplatzten Lötstellen führen. Also: Einfach nur den gesunden Menschenverstand walten lassen. Ob vergoldet, versilbert, lackiert oder roh ist dann egal. Es geht um die Innenreinigung.

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Hier ist zwar Schmutz zu sehen, aber noch keine „Begrünung“. Damit das so bleibt, muss regelmäßig geputzt werden.

Eine neutrale Seife oder ein Spülmittel OHNE irgendein Schleifgranulat (das war eine zeitlang Mode) wirken fettlösend und antibakteriell. Dagegen hat das Instrument nichts. Von scharfen Mitteln sollte man die Finger lassen. Sie können auch den Lack angreifen oder gar die Oberfläche der Ventile in Mitleidenschaft ziehen.

Das Prozedere: Erst ausziehen, dann einweichen…

Zuerst sollten alle Anbauteile entfernt werden: Züge, Ventile, Ventildeckel. Diese kann man in ein kleines Gefäß mit warmer Seifenlauge legen (wenn sich ganz alter Filz oder Kork an den Ventilen befindet, sollte man diese Elemente nicht einlegen). Öl, Fett und Schmutz lösen sich, Reste können später mechanisch entfernt werden. Nicht vergessen: Zeitungen unterlegen oder ein abwischbarer Kunststoff. Ansonsten bleiben irgendwo hässliche Fettflecken.

Den Rumpf kann man ähnlich behandeln: Entweder legt man ihn in eine kleine Plastikwanne oder duscht ihn durch, spritzt also Wasser durch die Rohre. Anschließend kann an jeder Öffnung ein Tröpfchen Spülmittel aufgetragen werden. Vor allem beim Mundrohr ist das wichtig. Randnotiz: Der TrumpetScout erstand vor Jahren eine extrem verkalkte Trompete und hat diese ausnahmsweise in ein Bad mit Zitronensäure gelegt. Man muss hier aber auf die Konzentration achten, falls so eine Maßnahme notwendig sein sollte.

… und später bürsten bzw. abziehen

Bei jedem Blechinstrumentenfachgeschäft und natürlich auch online erhält man Reinigungsutensilien. Wichtiges Werkzeug ist ein mit Kunststoff umwickelter Draht, der auf einer Seite mit einer kleinen Holzkugel und auf der anderen mit einem runden Schwamm endet. Die hölzerne Kugel bugsiert man durch die Rohre (vornehmlich durch das Mundrohr, den Stimmzug und den Becher) bis sie wieder auftaucht und zieht dann den Schwamm nach. Diesen sollte man vorher befeuchten und auch mit ein bisschen Spülmittel versehen.

Beim Mundrohr zieht der TrumpetScout gerne in beiden Richtungen den Schwamm durch: Taucht er nämlich beim Receiver auf, zieht man gegen das enger werdende Mundrohr. Kommt er jedoch beim Becher ans Licht, drückt man Dreck eventuell gegen die Kante beim Übergang von Mundrohr auf die Mundstückaufnahme.

Kompliziert kann es beim Becher werden, da hier nur wenig Platz für den 90°-Winkel ist: Das Schallstück kommt senkrecht im ersten Ventil an. Die Richtung ist eigentlich egal. Es braucht auf jeden Fall ein wenig Fingerspitzengefühl und notfalls noch etwas, um den Draht beim Ein- oder Ausfädeln umzulenken.

Bei den Außenzügen, die in die Ventile führen, und auch in den Ventilzügen selbst kann der kleinere der beiden „Lollipop-Schwämme“ benutzt werden, um Schmutz aus den Rohren zu befördern. Der größere ist dazu da, die Ventilbüchsen zu entschmutzen. Auch hier gilt wieder: Die Schwämme gut anfeuchten und mit Seife schmieren. Das löst den Dreck besser und verhindert Kratzer bzw. das frühzeitige Zerbröseln des Werkzeugs.

Die Ventile selbst sollten auf der Lauffläche sanft (KEIN Scheuern!) mit einem Schwamm und vornehmlich innen mit dem kleinen Lollipop gereinigt werden. Das war’s fast schon!

Die Trompete gut durchspülen und entleeren

Wer viel Seife verwendet hat, bekommt nachher eine wohlriechende Trompete. Wichtig ist aber trotzdem, das Instrument zu guter letzt gut vom Seifen-Schmutz-Gemisch zu befreien. Eine Spiralbürste (siehe Foto), die nicht nur für die Trompete gemacht ist, kann dabei helfen, die letzten Reste unter klarem Wasser aus der Trompete zu bringen. Sie sollte aber nur für die Züge und und das Mundrohr genutzt werden. Manchmal schwappt beim Klarspülen dann noch ein anständiger Schmutzpartikel aus seinem Messinghaus.

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Spülmittel ist wichtig. Am Ende sollte es mitsamt dem gelösten Schmutz aber auch wieder aus der Trompete gespült werden.

Wer sich – wie die meisten – beim Nassreinigen im Badezimmer befindet, sollte vor der Rückkehr in die Wohnräume, wo möglicherweise die Remontage stattfindet, vergewissern, dass alles Wasser die Bögen verlassen hat. Nicht selten passiert es nämlich, dass sich in einer Ecke irgendwo noch ein kräftiger Schluck versteckt hält und dann auf dem Boden landet.

Am Ende: Wieder zusammenbauen, fetten und ölen

Getrocknet werden muss die Trompete nicht. Außen kann man sie natürlich abreiben, damit sie sich besser halten lässt. Es sollte aber vermieden werden, mit einem fusseligen Material durch die Ventilbüchsen zu fahren und damit einen guten Lauf zu sabotieren.

Die Ventilzüge kann man mit einem fusselfreien Tuch vom letzten Fett befreien, die unteren Ventildeckel mit einem Stück Küchenrolle über dem Fingernagel innen säubern, da hier Werkzeuge genauso wenig helfen wie Seifenwasser alleine.

Ansonsten kann man durchs Mundrohr pusten, um die Wasserperlen wegzubekommen. Dann sieht man, ob sich aller Schmutz gelöst hat, man noch nacharbeiten muss oder aber schon Korrosion (die angesprochenen Pickel) zu sehen ist.

Als nächstes folgt die Wiederbestückung mit Ventilen und Zügen. Die Ventilkolben sollten großzügig beträufelt werden, um Kratzer zu vermeiden. „Eher sparsam“ lautet die Devise bei den Zügen. Ein Tröpfchen oder Kleinstschlieren vom Zugöl (der TrumpetScout benutzt das lieber als Fett) auf der Kante aufgetragen, reichen oft aus. Beim Stimmzug braucht es das Fett, jedoch auch in kleinen Dosen. Hier kann man wenig kaputt machen. Also lieber mit geringer Menge anfangen und gegebenenfalls nachschmieren (ansonsten drückt es die überflüssige Suppe bzw. das Fett nur heraus – und das versaut einem die Trompete und ist verschwendete Liebesmühe).

Wie oft reinigen? Und wie lange dauert das?

Der TrumpetScout reinigt seine Trompeten nicht öfter als einmal im Jahr so gründlich wie beschrieben. Wer nicht viel spielt, keinen aggressiven Speichel hat, nur mit penibel sauberer Mundhöhle bläst und noch dazu das Instrument stets so lagert, dass es trocknen kann, kann das Intervall sicher größer ansetzen. Wer jedoch jedes Wochenende während des Frühschoppens sein Schnitzel einnimmt und dann gleich wieder das Mundstück ans Gebiss führt, sollte öfter sein Rohr gewissenhaft durchspülen. Es dauert ja auch nicht lange. Ohne Fotografieren ist alles in einer halben Stunde erledigt.

Aber apropos Spülen: Am meisten in Mitleidenschaft gezogen werden Mundstück, Mundrohr und Stimmzug. Drum sollten diese Teile ruhig öfter unter klarem Wasser und unter Zuhilfenahme einer Bürste kurzgewaschen werden. Das wirkt Wunder!

Falls jetzt der große Putzwahn ausbricht: Man kann die Reinigung im Detail auch anders angehen. Der TrumpetScout erklärt hier, wie er es macht und damit noch nie Probleme hatte. Für Schäden bei der Reinigung zuhause kann er leider nicht aufkommen.