The world’s best trumpet? Die Yamaha 9335CHS im Test

Mit einem Preis jenseits von 3.500 Euro lässt die Yamaha 9335CHS Instrumente von anderen Großserienherstellern geradezu billig erscheinen und grenzt damit die potenzielle Kundschaft ein. Für wen aber ist sie gemacht, diese mit amerikanischen Klassiktrompetern entwickelte Spitze der japanischen Modellpalette, die auch hierzulande – zumindest einige Profis – erfreut?

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Unverkennbar eine 9335CHS von Yamaha: Vor allem der Abstand zwischen den Stützen verrät es.

Vorneweg: Die Neun im Typencode markiert das Ende der Fahnenstange bei Yamahas Trompeten. Die Spitze der Evolution bei den B- und C-Varianten teilen sich aber zwei Schwestermodelle, die sich nur durch ihren Namenszusatz unterscheiden: die beiden sogenannten Xeno Artist-Modelle 9335, einmal mit der Buchstaben-Trias NYS und einmal mit CHS vervollkommnet. Beide gleichen einander im Groben (Bohrung, Material, Bechergröße, Konstruktionsweise), unterscheiden sich aber im Detail. In die Testhände hat der TrumpetScout aber nicht das mit Robert Sullivan entwickelte New York-Modell genommen, sondern die Chicago-Ausführung, die maßgeblich geprägt wurde durch John Hagstrom vom Chicago Symphony Orchestra.

Yamaha 9335: Alte Bach-Trompeten als Vorbild?

Das Klangideal in den Ohren der Entwickler dieser Trompete(n) war also das für die klassische Literatur und das Orchesterinstrument – allerdings in deren nordamerikanischen Ohren, die sich bei der klassischen Trompete deutlich von europäischen oder speziell deutschen bzw. österreichischen unterscheiden. Das macht alleine die Konstruktionsbauweise deutlich: Es gibt Pumpventile, keine mit Drehzylindern. Innerhalb dieser Gattung wird zudem die Ähnlichkeiten zum Typ French Besson bzw. Bach deutlich. Anders als in den Yamaha-Spitzentrompeten alter Schule, die durch die Schilke-Architektur geprägt waren, gibt es viele Stützen und eine traditionelle Stimmbogenbauweise. Yamaha selbst ordnet beide 9335-Modelle in die Gewichtsklasse „heavy“ ein. Das kann man angesichts schwerer Bach- oder Selmer-Trompeten nicht ganz nachvollziehen. Die gewöhnliche Xeno-Reihe (mit der Acht zu Beginn) wirkt deutlich massiver und erinnert auch klanglich mehr an die robuste Kernigkeit einer normalgewichtigen Stradivarius. Die Chicago und die New York kommen filigraner daher – eben wie eine Bach vom alten Schlag (der Name ist quasi Programm), was sich auch in anderen Merkmalen widerspiegelt.

9335CHS: was sie besonders macht

Zunächst zu dem, was man als „business as usual“ bezeichnen könnte: Vollmessing, ML-Bohrung (11,65 mm), wie bereits erwähnt ein Stimmzug in traditioneller Bauart und ein Gewicht im Mittelfeld. Unüblich dagegen ist, auf den ersten Blick erkennbar, der große Abstand zwischen den beiden Stützen im Stimmzugbereich. Hier wurde feinjustiert. Schaut man genauer hin, fallen noch weitere Dinge ins Auge: Im ersten Ventilzug verbirgt sich eine Stütze; die Stoppschraube beim dritten Ventilzug lässt sich zweifach positionieren (das zweite Gewinde ermöglicht ein posaunenähnliches Ausziehen des Zuges womit man ein kleines Fis zum lupenreinen F absenken kann); die Stützen zwischen Mundrohr, Maschine und Becher sind verkürzt, wodurch die Trompete weniger breit wird; es gibt nur eine Wasserklappe und die Kreuzelführungen der Ventile sind aus Messing. Soweit die Besonderheiten, die man sehen kann.

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Eine schlanke Mundstückaufnahme und die Stütze im Bogen des ersten Ventilzugs.
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Posaunen-Feeling dank zweitem Zugstopper und langem Rohr.

Der wahre Schatz der 9335CHS liegt unterm Silber.

Nimmt man sich Yamahas Datenblatt zur Brust, um die unsichtbaren Merkmalen zu erforschen, so stechen besondere Qualitäten bei zwei Bauteilen hervor. Folgt man dem Luftstrom von der Quelle in Blasrichtung muss zuerst das Mundrohr mit der Bezeichnung MC1 genannt werden, dass aus der Werkstatt des Leadpipe-Papstes Bob Malone stammt, der seit längerem mit Yamaha zusammenarbeitet. Über den Verlauf schweigt man sich aus, es soll aber ein wenig stärker sein was das Material anbelangt, die Mundstückaufnahme hingegen wurde abgespeckt. Das Slotting ist gut, aber nur damit würde die Beschreibung zu kurz greifen: Die Trompete bietet (vielleicht deswegen) extrem viel Spielsicherheit.

Die Stützen rechts un links der Maschine sind kürzer, die Streben zwischen Mundrohr und Becher filigraner gestaltet. Beides lässt die 9335CHS sehr fein wirken - optisch wie haptisch und wahrscheinlich auch akustisch.
Die Stützen rechts und links der Maschine sind kürzer, die Streben zwischen Mundrohr und Becher filigraner gestaltet. Beides lässt die 9335CHS sehr fein wirken – optisch wie haptisch und wahrscheinlich auch akustisch.

Nach einem weder sehr runden noch scharf eckigen Stimmbogen verläuft die Luft in einem angeblich unkonventionellen Rohrknick durch die Lightweight-Maschine in das Schallstück, das erstens einen engeren Verlauf auf Höhe der Maschine aufweist und zweitens sich verjüngt, was die Materialdicke anbelangt. Letzteres ist möglicherweise für den feinen hellen Klang verantwortlich, Ersteres mit großer Wahrscheinlichkeit für den besonderen Widerstand der 9335CHS, der vor allem in Kombination mit tieferen Mundstücken, wie sie in der Klassik üblich sind, für gute Höheneigenschaften sorgt. Die Resistance ist dafür gut positioniert, nämlich weit hinten.

Wer sie gespielt hat? Hagstrom UND Haderer

Der Erstkontakt des TrumpetScout mit der Chicago liegt einige Jahre zurück, damals wurde die Trompete gerade eingeführt. Der Eindruck damals – sofern die Erinnerung nicht zu sehr trügt: Man spielt damit wie auf Schienen. Perfektes Slotting, perfekte Stimmung, auch in der Höhe gut, nur Shakes und Bends waren nicht so gut zu bewerkstelligen, da sie gegen die Natur des Instruments zu gehen schienen, das nur reine und die richtigen Töne spielen will. Heute war es ein bisschen anders, was nur verständlich ist, da sich der Spieler natürlich entwickelt. Der Widerstand ist sehr hoch, dennoch spricht die Trompete sehr gut an, lässt sich also mit wenig Kraft zum Schwingen bringen. Schön ist der Klang durch das gesamte Register, aber nicht fett und aufdringlich unter Volllast. Manko war zumindest bei der Testtrompete ein sehr tiefes D3. Beim G3 war leider Schluss, jedoch konnte bis dort hinauf auch mit dem tiefen Bach 3C Mundstück ohne allzu große Mühe gespielt werden – das ist eine absolute Ausnahme. Das Grazile der Trompete optisch und haptisch projiziert sich auch auf das Tonliche. Ein Schreihals ist sie nicht. Diese Eigenschaften – Klang und Widerstand – machten die 9335CHS nicht nur für den Klassiker John Hagstrom interessant, sondern auch für den Jazzer und Leadplayer Andy Haderer, der jahrelang dieses Modell blies – jedoch in modifizierter Fassung, nämlich mit noch mehr Widerstand.

Spieleigenschaften: Sie macht das Leben leichter.

Dem TrumpetScout hat die 9335CHS (ohne S, also nicht versilbert, gibt es das Modell nicht zu kaufen) in Verbindung mit dem flachen Mundstück nicht so gut gefallen wie erhofft. Die Verbindung von viel Widerstand und noch einmal viel Widerstand war des Guten zu viel. Aber das ist natürlich ein subjektives Ergebnis. Wer normalerweise mit einem größeren (also tieferen) Mundstück und weiter Backbore spielt, der wird seine Freude mit dieser Yamaha der Oberklasse haben. Nicht umsonst liegt ein 17B4 bei. Die Qualität dieser Trompete liegt darin, den Spieler wie ein Korsett zu stützen oder, wer es persönlicher mag, wie ein Schutzengel. Die Trefferquote scheint zu steigen, Bindungen gelingen leichter. Das ist vor allem für die Klassik von Vorteil und überall dort, wo eine gute Ansprache besonders wichtig ist, da man mit mittlerer Lautstärke spielt oder solistisch brillieren muss. Wer sich an den Widerstand gewöhnt, kann aber sicher auch im sogenannten kommerziellen Umfeld glänzen. Der Sound der Trompete ist flirrend und erinnert an gute Exemplare der Trompeten-Ära von New York Bachs, Calicchio, Benge und French Besson. Die Projektion ist da nachrangig, da der Klang heraussticht – nicht beim Spieler, aber im Publikum.



Natürlich ist beim stolzen Preis auch der beliebte Xeno-Doppelkoffer Teil des Handels. Aber nicht nur damit kann man sich trösten, sondern auch mit der Wertstabilität. Gebraucht findet man so gut wie keine Chicago-Modelle und wenn, dann liegen sie hoch im Kurs. Wer sich also hinreißen lässt, in Yamahas Königsklasse sein Werkzeug zu finden, der wird das im Trennungsfall nicht so sehr bereuen wie bei der Anschaffung eines echten Exoten in der gleichen Preis-Range. Den Nimbus der weltbesten Trompete, der die 9335CHS für den TrumpetScout seit der ersten Begegnung umgab, muss man sicher relativieren. Sie ist keine Wohlfühl- und Liebe-auf-den-ersten-Blick-Trompete, aber eine kluge Wahl. Und die bereut man bekanntlich am seltensten.

TrumpetScout dares an educated guess
What is she offering? Slim beauty, perfect guidance through the chart
Your new girl friend? Wenn die Sicherheit viel wert ist, dann ja! 8/10
Preis? 3.500 Euro. Gebraucht gibt es sie nicht!
Dauerbeziehung? Klar. Sie macht dich zu einem besseren Spieler!

Das Testinstrument wurde TrumpetScout freundlicherweise zur Verfügung gestellt von FMB Fachmarkt Blasinstrumente GmbH aus Gütersloh.


 


 


  1 comment for “The world’s best trumpet? Die Yamaha 9335CHS im Test

  1. S.I.
    27. Februar 2017 at 15:28

    vielen Dank für die ausführliche, sehr sehr interessante Bericht.
    Ich glaube, das nicht versilberte, lackierte Modell, also die 9335CH, kann man auch kaufen, wenn man es bei Yamaha extra bestellt und eine Weile wartet. Das habe ich einige Male in einer Fachgeschäft in Tokyo(Yamano Gakki) und auf ihrer Webseite gesehen. (Ich bin Japaner und wohne in Japan. Entschuldigen Sie mein schlechtes Deutsch!)

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