Trompeten-Tuning Teil 4: Die Gap frisieren - TrumpetScout

Trompeten-Tuning Teil 4: Die Gap frisieren

Im letzten Blog-Beitrag wurde geklärt, was man unter Gap versteht und was Veränderungen derselben bewirken. Hier geht es nun um die verschiedenen Arten der Eingriffe – von schnellen und kostenlosen DIY-Lösungen bis zu invasiven Umbauten, die der Profi vornehmen muss.

A lot of gap… Was tun damit? Damit beschäftigt sich dieser Artikel. Foto: whyharrelson.com

Die Gap beeinflussen – aber wie? So wird getunt und experimentiert

Kurze Rekapitulation zu Beginn: Die Gap ist der Abstand zwischen Mundstückausgang und Mundrohreingang. Um diesen Abstand zu verändern, gibt es prinzipiell drei Wege:

  1. Man positioniert das Mundstück neu bzw. kürzt es
  2. Man kürzt das Mundrohr bzw. versetzt die Zwinge
  3. Man überbrückt die Lücke mit Einsätzen

Anpassung des Mundstücks – die Trompete bleibt unverändert

Beginnen wir zunächst beim Mundstück. Wer damit experimentiert, riskiert maximal eine nicht umkehrbare Modifikation dieses Bauteils. Meistens ist jenes im Vergleich mit der Trompete das billigere und – bei einem neueren Baujahr – auch leichter in gleicher Qualität zu ersetzen.

1. Die Gap vergrößern – ganz einfach mit Papier oder Klebestreifen

Wer den Widerstand vergrößern will oder nach der Messung der Gap einfach denkt, dass ein (paar) Millimeter mehr nicht schaden könnte(n), der kann mit Klebe- oder einem Papierstreifen ganz einfach den Schaftumfang erhöhen und so erreichen, dass das Mundstück nicht mehr so tief in den Receiver eindringt.

Wichtig dabei ist, dass man behutsam vorgeht. Ein Klebestreifen einlagig um den Schaft gewickelt verdickt diesen im Umfang je nach Dicke um einen Millimeter und das führt in der Regel sofort zu mehreren Millimetern mehr Gap. Es empfiehlt sich einen klaren Tesa-Streifen (zur besseren Sichtbarkeit wurde für die Bilder ein Krepp-Streifen verwendet) sogar der Länge nach zu teilen und diesen dann auch längs aufzukleben. So schafft man es, sich in kleinen Schritten an die ideale Gap heranzutasten. Von Zeit zu Zeit müssen bei dieser günstigen Do-it-yourself-Lösung die Klebestreifen erneuert werden, da sie verrutschen und durch Feuchtigkeit nicht mehr kleben. Das Durchhaltevermögen liegt aber über dem von Papier.

Wer sich ganz sicher ist, dass er seiner Mundstück-Trompeten-Kombo treu bleibt, kann den Schaft seines Mundstück auch verkürzen (abschleifen oder absägen) lassen. Wie gesagt, man sollte sich sicher sein oder eben ein Mundstück haben, dass man ganz leicht nachkaufen kann, da die Fertigungskonstanz beim Hersteller gegeben ist. Dann wären auch mehrere gleiche Mundstücke mit unterschiedlichen Schäften und Einsatzzwecken denkbar.

2. Die Gap verkleinern – Material muss ab

Um die Gap zu verkleinern, müsste die Aufnahme weiter werden (das passiert eventuell durch Verschleiß), ist aber kein „Lösungsweg“ oder der Mundstückschaft schlanker. So kann das Mundstück weiter zum Mundrohr vordringen.

Die günstige Lösung hier heißt: abschleifen. Die aufwendigere kommt (z.B.) vom amerikanischen Hersteller Bob Reeves. Dabei wird der Mundstückschaft auf ein schlankes zylindrisches Maß heruntergedreht und dann mit einer Art Kupplung versehen. Verschieden dicke Schafthülsen in Konusform können dann aufgesetzt werden. Somit behält man ein Mundstück und kann es auf verschiedene Instrumente dank dieser „Sleeves“ individuell anpassen.

Foto: Osmun Music

Die Trompete wird verändert – ein größerer Eingriff

Wird am Mundstück herumgebastelt, ist der Wertverlust in der Regel minimal, solange es sich um kein historisches oder ein Einzelstück handelt. Anders sieht das bei der Trompete selbst aus. Eingriffe am Instrument sollte man sich daher gut überlegen, vor allem, wenn Sie irreversibel sind. Dennoch kann man sie in Erwägung ziehen. Sinnvoll sind die folgenden Operationen aber fast nur, wenn man die Gap verkleinern oder aber auf Dauer flexibel handhaben möchte.

3. Das Mundrohr kürzen

Gleich der erste Fall ist ein nicht unbedingt empfehlenswerter, da die Gap hier vergrößert wird: Man kürzt das Mundrohr. Das kann sogar ohne Lötarbeit geschehen, in dem eine Fräse durch die Zwinge auf dem Mundrohr aufgesetzt wird und dort Material abträgt.

4. Die Zwinge versetzen

Wird die Zwinge weiter über das Mundrohr gestülpt, verkleinert sich automatisch die Gap. Möglicherweise ist das bauartbedingt nicht bei jedem Instrument möglich. Zudem muss auch die Stütze zwischen Mundrohr und Becher (auf die kaum ein Modell verzichtet) leicht versetzt und deshalb auch angepasst werden.

5. Eine verstellbare Zwinge anbringen

Es gibt Trompeten (wie z.B. die Adams A2), die ab Werk bereits mit einer verstellbaren Mundstückaufnahme ausgestattet sind. Dabei ist der innere Teil der Zwinge, der den Schaft umfasst, über ein Gewinde mit dem äußeren Teil verbunden, der mit dem Mundrohr verlötet ist. Die Gap lässt sich so stufenlos von „no gap“ bis „wide gap“ verstellen. Damit können verschieden lange oder schlanke Mundstücke zum Einsatz kommen.

Man kann die eigene Trompete mit so einem „adjustable receiver“ auch nachträglich ausrüsten. Der deutsche Zulieferer Martin Seibold bietet hierzu Teile an, aber auch aus den USA gibt es Lösungen. Jason Harrelson, einer der ambitionierten Entwickler, zeigt im Video unten (sehr ausführlich), wie seine Version einer solchen Gewindezwinge auf einer Bach-Trompete angebracht wird.

Die Gap überbrücken – Ringlösung ohne Schmerzen

Wiederum Jason Harrelson hat sich eine Lösung zur Veränderung der Gap einfallen lassen, die ohne jegliche Umbauarbeiten auskommt (und die er in diesem Video demonstriert): Mit verschiedenen Ringen, die man in die Zwinge einsetzt, wird der Abstand zwischen Mundstück und -rohr überbrückt. Dabei wird das selbe Prinzip angewandt, wie beispielsweise bei der XO-Trompete: Dort helfen kurze Rohrstücke die „Durchmesserlücke“ zwischen ausgehendem Mundrohr und Stimmbogen bzw. Stimmbogen und Maschinenzulauf zu verkürzen, wenn man den Stimmzug sehr weit ausziehen muss.

 

Hier die verschiedenen „Shims“, also Ringe, die man in die Mundstückaufnahme setzt, um die Gap zu verkleinern. Keine Angst, sie kullern nicht heraus. Foto: whyharrelson.com

Nicht ganz Gap…oder: die Bobby Shew-Methode

Dieser letzte Teil ist streng genommen ein bisschen „off topic“, also am Thema „Gap“ vorbei geschrammt. Da dennoch inhaltlich eng verwandt und auf jeden Fall spannend, darf er hier berechtigte eine Appendix-Existenz führen.

Bereits in anderen Artikeln kam die Veränderung der Mundrohrkante zur Sprache, die Groß- und Altmeister Bobby Shew in seinen Workshops gerne anwendet. Dabei wird mit einem speziellen Werkzeug das Profil der Kante modifiziert:

So sieht eine flache Kante aus, die für „normale“ Verwirbelungen sorgt.
Man könnte das Rohrprofil nun so anpassen, dass es zu größeren Turbulenzen kommt, der Widerstand also größer wird.
Die Kante kann aber auch strömungsgünstiger gestaltet werden und somit weniger Blaswiderstand bieten.

Von solchen Modifikationen wird von Herstellerseite nicht gerne gesprochen. Sie kommen allerdings oft im personifizierten Feintuning bei Endorsern zum Einsatz, die z.B. den Klang oder die Projektion einer Trompete sehr schätzen, aber mehr oder weniger Widerstand wünschen. Diese Anpassung lässt theoretisch an jeder Kante durchführen. Direkt nach der Gap ist sie aber besonders wirkungsvoll.

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